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Di, 07:55 Uhr
29.03.2016
DDR Literaturgeschichte

Gesperrte Ablage

Über 40 Jahre Literaturgeschichte, die nicht stattfinden sollte, die unterdrückt und auch nach 1989 bislang kaum in den Blick genommen wurde. Ines Geipel und Joachim Walther erzählen demnächst in der Flohburg, wie es der DDR-Regime auch nach ihrem Untergang gelang, die Literaturwahrnehmung zu beeinflussen...

Der DDR-Diktatur ist es gelungen, auch nach ihrem Untergang das Gedächtnis der Öffentlichkeit im Hinblick auf die Geschichte des literarischen Schaffens zu beeinflussen. Das einfache Bild, das während ihrer Existenz vorhzerrschte, ist das von den „staatstragenden“ Künstlern und deren „Kontrapunkten“, den kritischen, aber trotzdem loyalen Autorinnen und Autoren, die oft auch im Westen zu Berühmtheit gelangen konnten. Ein sehr geschöntes Bild, denn in Wahrheit ist dies nur der zugelassene Teil der Literaturgeschichte – bestimmte Stoffe und Ästhetiken, ja alles Nonkonforme, Experimentelle, Widerständige wurde konsequent behindert, unterdrückt, verfolgt, verschwiegen, abgelegt und weggesperrt.

Wenn Kunst etwas miut Freiheit zu tun hat, dann ist dies die wahre Literaturgeschichte Ostdeutschlands, und sie muss gegen die nach wie vor zähe Propaganda eines Systems erzählt werden. Ines Geipel und Joachim Walther tun dies detail- und kenntnisreich und eröffnen den Blick auf ein literarisches Leben, das trotz lebensgefährlicher Konsequenzen für die Freiheit des Wortes einstand.

In einem Auszug aus dem Vorwort definiert der Mitautor Joachim Walther „die DDR als moderne Diktatur, als poststalinistisches totalitäres System der angestrebten totalen Kontrolle, daraus folgt, dass sowohl das offiziell gesteuerte, funktionalisierte, kollektive Gedächtnis als auch das unbegrenzte und deshalb in Diktaturen generell der Eliminierung unterworfene kulturelle Speichergedächtnis und also die gesamten Literaturverhältnisse der sicherheitspolitischen Kontrolle der Partei und des Staates unterworfen sein mussten. Das hieß auch Verhinderung eines Gegen-Diskurses oder der Entstehung eines Gegen-Gedächtnisses, Implantation einer staatlich-sakralen Erinnerungskultur mittels Mausoleen, Wimpeln, Plakaten, Abzeichen, Fahnen, Spruchbändern, Symbolen, Jahrestagen, Mahnmalen etc. Dazu: Schutzschilde vor häretischer Entzauberung, paranoide Verfolgung des freien Wortes. Gleichzeitigkeit von Kanonisierung und Zensierung, Honorierung des Angepassten und Stigmatisierung des Kritischen. Dies alles gehört zu dem fundamentalen, existenziell überlebenswichtigen Repertoire der Machtsicherung derart verfasster Gesellschaften.“

Ines Geipel, geboren 1960 in Dresden, war Sprintweltrekordlerin, beendete 1985 aus politischen Gründen ihre Sportkarriere und flüchtete 1989 in die Bundesrepublik. Seit 1996 arbeitet sie als Schriftstellerin und Publizistin, 2000 war sie Nebenklägerin im Berliner Doping-Prozess. Seit 2001 ist sie Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Sie veröffentlichte Romane und Lyrik, aber auch zu konfliktgeladenen Themen der Nachwendezeit, wie Amok, Doping, Leben und Literatur in der DDR-Diktatur und deren Transformation. Zuletzt erschien „Generation Mauer. Ein Porträt“, 2014. Gemeinsam mit Joachim Walther begründete sie das „Archiv unterdrückter Literatur in der DDR“.

Veranstalter der Lesung ist das Politische Bildungsforum Thüringen der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit der regionalen Arbeitsgruppe des Vereins Gegen Vergessen- Für Demokratie, der Stadt Nordhausen und dem Stadthistorischen Museum Flohburg.

Der Eintritt ist kostenfrei!
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Kommentare

29.03.2016, 15.03 Uhr
henry12 | PostZonenGegeifer
Wenn ich nur die zonentraumatisierten zu Wort kommen lasse, steht das Ergebnis schon vorher fest. Ich glaube fast, solche Typen können nicht loslassen, weil ihnen ihre "Widerstands-
und Opferrolle" abhanden gekommen ist. Ansonsten ist das Thema kalter Kaffee, Schnee von gestern.

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29.03.2016, 15.39 Uhr
Leser X | Ich muss erst gar nicht hingehen...
... um zu wissen, dass da wieder Geschichtsklitterung pur läuft. Irgendwie muss die DDR doch was geleistet haben, wenn sie noch heute täglich von einstigen Gegnern aufs neue erschlagen wird...

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29.03.2016, 15.43 Uhr
murmeltier | Der letzte Strohhalm,
der diesen Menschen bleibt sind die Stiftungen der Parteien. Die tingeln mit ihrer Sicht der Dinge durch die Lande, kassieren Honorare und vermitteln den Menschen einen kleinen Ausschnitt ihres damaligen Lebens. Wann hat das endlich ein Ende. Die DDR war mehr als Stasi und Doping - für mich jedenfalls und meine Kinder.

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29.03.2016, 16.24 Uhr
Lisbelle | PostZonenTollfinder
Wo ist eigentlich Euer Problem? Haltet doch selber Vorträge in der Flohburg und erzählt den Leuten, wie schön das früher in der DDR war. Wer oder was hindert Euch daran? Habt Ihr angst, dass euch die Leute auslachen? Okay, das wäre schon möglich.

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29.03.2016, 18.02 Uhr
Leser X | Gute Idee, Mafiosa
Ich bin mir nur nicht sicher, ob man eine solche Veranstaltung dort genehmigt bekäme, bei der das "Ergebnis" nicht von vornherein feststeht. So frei im Kopf sind unsere Herrschenden noch nicht.

Und solange wird es in schöner Regelmäßigkeit derartige Events geben, zu dem linientreue Leute und ehemals "bürgerbewegte" sich gegenseitig die Taschen vollhauen und ihrer Wende-Folklore huldigen...

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29.03.2016, 18.53 Uhr
Lisbelle | Versuch macht kluch
Na dann erarbeiten Sie doch mal einen schicken Vortrag über die tollen Vorzüge der DDR, @LeserX. Und wenn man Sie dann damit nicht in die Flohburg lässt, können Sie sich ja wieder melden. Sie schwadronieren hier nur mit unbewiesenen Behauptungen und Unterstellungen herum.

So richtig begriffen, dass heute nicht nur für Sie und ihre Ostalgen Meinungsfreiheit gilt, haben Sie nach 25 Jahren Demokratie leider auch nicht. Auch Opfer der DDR dürfen heute Vorträge halten. Wenn Ostalgen da Gift und Galle spucken ist das ihr Problem und zeigt nur, das sie noch nicht in der Demokratie angekommen sind.

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29.03.2016, 19.47 Uhr
Manni | Warum kann man keine Realisten einladen?
Gern bin ich zu Lesungen/Buchvorstellungen gegangen. Aber dass, man - in letzter Zeit öfter - die Gestrigen einlädt, verstehe ich nicht. Anspruchsvolle Nordhäuser sind anderes gewöhnt! Warum schließen Frau Geipel und Herr Walther nicht endlich mal ab. Die eine Professorin an einer Hochschule hat doch viel erreicht - Ernst Busch würde sich im Grabe umdrehen, wenn er davon wüsste. Herrn Walters Bücher werden kaum gelesen. Da muss man auf Lügentour gehen. Viel Spaß allen, die sich dort einlullen lassen!

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29.03.2016, 21.15 Uhr
Ex-post | @ Manni usw.
Frau Geipel hat deshalb das Recht dazu, weil es die DDR-Oberen ihr genommen haben damit abzuschließen. Oder was meinen Sie, wovon sie krank wurde und weshalb sie keine Kinder hat?

Gar nichts ist genug. Eher zu wenig ist noch los.

Schauen Sie den Film Unterstützende Mittel - Das Trauma des DDR-Sports
https://www.youtube.com/watch?v=LKfWFy1KoEU
und sagen Sie der Frau, die Inkontinenzeinlagen tragen muss, der Frau, die im jugendlichen Alter an Krebs erkrankte und ihr die Möglichkeit Mutter zu werden genommen werden musste ins Gesicht, dass es genug ist. Aber gut, mutig ward Ihr ja noch nie, nicht wahr?

P.S.: wenn Sie das Ticket nach Hohenschönhausen bezahlt brauchen, weil Sie kein Geld haben, dann sagen Sie Bescheid. Bekommen Sie.

P.P.S.: Natürlich darf man die Opfer des BRD-Dopings nicht vergessen, war auch schlimm. Aber das eine darf mit dem anderen nicht aufgewogen werden.

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