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Mo, 09:55 Uhr
08.03.2021
Wie ein Hund einen Ganoven überführte

Eine Gangsterjagd in der Nordhäuser Altstadt

Aus Filmen und Fernsehen kennen wir mutige Hunde, die am Ende der Geschichte den Täter überführen. So ähnlich ist es auch am Samstagabend in der Nordhäuser Altstadt abgelaufen. Aber eben nur so ähnlich …



Es ist später Abend in der Nordhäuser Altstadt, Wochenende, und alle sind zu Hause, weil im Lande gerade Lockdown herrscht. Die Bewohner schauen also in ihre Fernsehgeräte und machen es sich gemütlich; aber draußen irgendwo auf dem Hof winselt schon seit Minuten ein Hund auf einem Balkon. Ein Nachbar versucht ihn zu beruhigen, füttert den Ausgesetzten sogar, doch das Tier will ganz offensichtlich lieber wieder in die warme Stube und kratzt bellend an der Tür.

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Dahinter wohnt eine junge Frau, die noch nie zuvor ihren Hund auf dem Balkon ausgesperrt hat. Was ist dort also geschehen? Nach reiflicher Überlegung entschließt sich der Nachbar die Polizei zu informieren. Eine Streifenbesatzung kommt und stellt fest, dass sie in diesem Falle nichts unternehmen kann. Der Hund winselt, jault und bellt aber weiter. Bis schließlich ein Einsatzkommando der Polizei mit mehreren Fahrzeugen anrückt, den Innenhof besetzt, die Straße draußen blockiert und dann die Wohnung stürmt. Nach einigen weiteren Minute gibt es auf der Straße eine Festnahme, ein Mann wird in einen der Polizeiwagen verfrachtet und der Konvoi setzt sich in Bewegung.

Auf nnz-Nachfrage bei der Nordhäuser Polizeiinspektion werden wir wie folgt aufgeklärt: Die Wohnungsbesitzerin hatte einen Bekannten gebeten, am Samstagabend auf ihren Hund aufzupassen, weil sie sich außerhalb Nordhausens befand. Als man sie dann nach dem ersten erfolglosen Einsatz vor Ort schließlich telefonisch erreichte und um den Namen des Mannes bat, damit die Beamten mit ihm in Verbindung treten könnten, war die Überraschung in der Polizeiinspektion groß. Der benannte Herr wird per Haftbefehl gesucht. Deshalb entschloss sich die Staatsgewalt sofort zu handeln und schickte die Einsatzfahrzeuge zur Vollstreckung des Haftbefehls in die - bis auf das anhaltende Gebell - still und friedlich in den Sonntag hineindämmernde Altstadt.

Der Gesuchte, der offensichtlich kein Tierfreund ist, bemerkte die Polizeiaktion vor der Tür und trat daraufhin in bester Gangstermanier die Flucht an. Unterwegs brach er noch in ein Nagelstudio ein, ehe er überwältigt und abgeführt werden konnte. Zu seinem ohnehin reichhaltigen Strafregister gesellen sich noch Einbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte hinzu. Die Nacht verbrachte der Delinquent dann schon auf der Matratze einer Justizvollzugsanstalt, wo er die nächsten Monate über seine mangelnde Tierliebe nachdenken kann.

Der Hund jedoch konnte in seinen angestammten Wohnraum zurückkehren und hatte ganz nebenbei noch einen gesuchten Verbrecher dingfest gemacht.
Olaf Schulze
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Kommentare

08.03.2021, 10.20 Uhr
tannhäuser | Ich darf ja nicht verlinken...
...aber kleiner Tipp für Hundefreunde: "Lassie come Home" von Alphaville ;)

Schöner Song, an den musste ich gerade denken beim Lesen des Artikels.

Wieder toll geschrieben, Herr Schulze!

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