Do, 17:21 Uhr
09.11.2017
nnz-Dokumentation
Die Getöteten sind unser Vermächtnis
Vor 79 Jahren brannte die Nordhäuser Synagoge. Der Ereignisse der Reichspogromnacht wurde auch heute wieder am Standort der ehemaligen Synagoge mit einer Kranzniederlegung gedacht. Die Rede des Oberbürgermeister Kai Buchmann anlässlich des Gedenkens veröffentlichen wir in unserer Dokumentationsreihe...
Liebe Schülerinnen und Schüler,
Nordhäuserinnen und Nordhäuser,
sehr geehrte Damen und Herren,
wir stehen heute hier zusammen, um jenen Bürgerinnen und Bürger zu gedenken, für die vor 79 Jahren mit der so genannten Reichskristallnacht ein Gang durch die Hölle begann, der im Tod endete.
Der Mob setzte damals die Synagoge in Brand, zerrte Nordhäuserinnen und Nordhäuser aus ihren Wohnungen, quälte und demütigte sie, verschleppte sie in Lager. Aus nur einem Grund: Sie waren Juden.
Im Gedenken an diesen Teil unserer Geschichte und die Opfer sind wir heute zusammengekommen.
Für uns Nachgeborene sind die Ereignisse des 9. November 1938, die eine Zäsur auch in der Nordhäuser Stadtgeschichte darstellen, zeitlich sehr fern.
Fast vier Generationen liegen zwischen den Pogromen gegen die Juden und dem heutigen Tag.
Dies ist eine lange Zeit. Doch die Katastrophe ist nicht vergessen!
Sie ist uns präsent – und muss es sein und wird es bleiben. Auch deshalb stehen wir hier – zum Erinnern und zum Mahnen.
Aus diesem Grund ist es wichtig und gut, dass sich gerade Schülerinnen und Schüler unserer Stadt aktiv mit dem auseinandersetzen, was damals geschah.
Sie haben es mit einem Stolperstein-Projekt in der letzen Woche getan im Rahmen der jüdisch-israelischen Kulturtage und sie tun es heute, in dem sie die Gestaltung der Gedenkveranstaltung in ihre Hände genommen haben.
Haben Sie vielen Dank dafür!
So schändlich, wie am 9. November 1938 die Nordhäuser Synagoge zunichte gemacht wurde, so feierlich war sie am 12. und 13. September 1845 eingeweiht worden, ich zitiere:
In feierlicher Weise wurden die Thora-Rollen aus dem Bethause in der Ritterstraße in das neue Gotteshaus überführt. Bürgermeister Kölling und Landrat von Byhla sowie mehrere auswärtige Rabbiner nahmen an der Feier teil - so beschreibt der Rechtsanwalt und Notar Dr. Heinrich Stern in seiner Schrift Geschichte der Juden in Nordhausen die Eröffnung und Einweihung der neuen Synagoge.
Die Eröffnung des Gotteshauses war also ein großes gesellschaftliches Ereignis in Stadt und Region Nordhausen. Die jüdischen Bürger waren fest verankert in das Nordhäuser Gemeinwesen.
Doch schon 93 Jahre nach der Eröffnung der Synagoge erlischt das jüdische Leben in Nordhausen abrupt. Die 800-jährige Tradition des gemeinsamen Zusammenlebens von Christen und Juden ist damit zu Ende. Die Nachbarn, wie von den Schülern heute eingangs erwähnt, waren nicht mehr da – verschwunden!
Sehr geehrte Damen und Herren, die Verschleppten und Getöteten sind unser Vermächtnis.
Nordhausen hat sich aktiv mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt, hat sich der Aufarbeitung und Versöhnung gewidmet. Seit den 80-iger Jahren konnte Dr. Manfred Schröter viele Zeitzeugen ausfindig machen, Kontakte herstellen, die Schicksale viele jüdischer Bürger erforschen und publizieren. Ein Denkmal zur Erinnerung an die Synagoge wurde am 4. November 1988 errichtet. Seit 2008 wird symbolisch mit der Einrichtung der ersten Stufe zur früheren Synagoge, mit einer Informationstafel und mit dem Bau eines Modells des jüdischen Gotteshauses an die Ereignisse erinnert. Hinzu kommen die 25 Stolpersteine, die in der ganzen Stadt die Erinnerung an die jüdischen Familien wachhalten.
Einer dieser Steine erinnert an Louis Schierholz, der jüdische Familien - eben seine Nachbarn - geschützt und verteidigt hatte und dafür selbst ins das KZ gesperrt wurde.
Menschen wie Louis Schierholz sollten unser Vorbild sein.
Vielen Dank
Autor: redLiebe Schülerinnen und Schüler,
Nordhäuserinnen und Nordhäuser,
sehr geehrte Damen und Herren,
wir stehen heute hier zusammen, um jenen Bürgerinnen und Bürger zu gedenken, für die vor 79 Jahren mit der so genannten Reichskristallnacht ein Gang durch die Hölle begann, der im Tod endete.
Der Mob setzte damals die Synagoge in Brand, zerrte Nordhäuserinnen und Nordhäuser aus ihren Wohnungen, quälte und demütigte sie, verschleppte sie in Lager. Aus nur einem Grund: Sie waren Juden.
Im Gedenken an diesen Teil unserer Geschichte und die Opfer sind wir heute zusammengekommen.
Für uns Nachgeborene sind die Ereignisse des 9. November 1938, die eine Zäsur auch in der Nordhäuser Stadtgeschichte darstellen, zeitlich sehr fern.
Fast vier Generationen liegen zwischen den Pogromen gegen die Juden und dem heutigen Tag.
Dies ist eine lange Zeit. Doch die Katastrophe ist nicht vergessen!
Sie ist uns präsent – und muss es sein und wird es bleiben. Auch deshalb stehen wir hier – zum Erinnern und zum Mahnen.
Aus diesem Grund ist es wichtig und gut, dass sich gerade Schülerinnen und Schüler unserer Stadt aktiv mit dem auseinandersetzen, was damals geschah.
Sie haben es mit einem Stolperstein-Projekt in der letzen Woche getan im Rahmen der jüdisch-israelischen Kulturtage und sie tun es heute, in dem sie die Gestaltung der Gedenkveranstaltung in ihre Hände genommen haben.
Haben Sie vielen Dank dafür!
So schändlich, wie am 9. November 1938 die Nordhäuser Synagoge zunichte gemacht wurde, so feierlich war sie am 12. und 13. September 1845 eingeweiht worden, ich zitiere:
In feierlicher Weise wurden die Thora-Rollen aus dem Bethause in der Ritterstraße in das neue Gotteshaus überführt. Bürgermeister Kölling und Landrat von Byhla sowie mehrere auswärtige Rabbiner nahmen an der Feier teil - so beschreibt der Rechtsanwalt und Notar Dr. Heinrich Stern in seiner Schrift Geschichte der Juden in Nordhausen die Eröffnung und Einweihung der neuen Synagoge.
Die Eröffnung des Gotteshauses war also ein großes gesellschaftliches Ereignis in Stadt und Region Nordhausen. Die jüdischen Bürger waren fest verankert in das Nordhäuser Gemeinwesen.
Doch schon 93 Jahre nach der Eröffnung der Synagoge erlischt das jüdische Leben in Nordhausen abrupt. Die 800-jährige Tradition des gemeinsamen Zusammenlebens von Christen und Juden ist damit zu Ende. Die Nachbarn, wie von den Schülern heute eingangs erwähnt, waren nicht mehr da – verschwunden!
Sehr geehrte Damen und Herren, die Verschleppten und Getöteten sind unser Vermächtnis.
Nordhausen hat sich aktiv mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt, hat sich der Aufarbeitung und Versöhnung gewidmet. Seit den 80-iger Jahren konnte Dr. Manfred Schröter viele Zeitzeugen ausfindig machen, Kontakte herstellen, die Schicksale viele jüdischer Bürger erforschen und publizieren. Ein Denkmal zur Erinnerung an die Synagoge wurde am 4. November 1988 errichtet. Seit 2008 wird symbolisch mit der Einrichtung der ersten Stufe zur früheren Synagoge, mit einer Informationstafel und mit dem Bau eines Modells des jüdischen Gotteshauses an die Ereignisse erinnert. Hinzu kommen die 25 Stolpersteine, die in der ganzen Stadt die Erinnerung an die jüdischen Familien wachhalten.
Einer dieser Steine erinnert an Louis Schierholz, der jüdische Familien - eben seine Nachbarn - geschützt und verteidigt hatte und dafür selbst ins das KZ gesperrt wurde.
Menschen wie Louis Schierholz sollten unser Vorbild sein.
Vielen Dank

