eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Di, 09:20 Uhr
24.02.2026
Nach plötzlichem Tod des Inhabers

Ausverkauf bei Zweirad-Illhardt

In Niedersachswerfen deutet vieles auf das Ende eines Traditionsgeschäfts hin: Das Fahrradfachgeschäft „Zweirad Illhardt“ will ab kommenden Montag einen Ausverkauf starten. Inhaber Jörg Illhardt war im Oktober vergangenen Jahres verstorben, für manch passionierten Nordhäuser Radfahrer war sein Geschäft dabei mehr als das, was auf dem Schild stand...

Zweirad Illhardt an der B4 in Niedersachswerfen. (Foto: ssc) Zweirad Illhardt an der B4 in Niedersachswerfen. (Foto: ssc)
Zweirad Illhardt galt über viele Jahrzehnte als feste Größe in Niedersachswerfen. Nach dem plötzlichen Tod von Inhaber Jörg Illhardt im Oktober vergangenen Jahres endet nun wohlmöglich die 100-jährige Familiengeschichte des Unternehmens.

Der Aushang im Schaufenster weist auf den Ausverkauf hin. (Foto: ssc) Der Aushang im Schaufenster weist auf den Ausverkauf hin. (Foto: ssc) Im Schaufenster informieren derzeit A4-Blätter über den bevorstehenden Ausverkauf. Demnach öffnet das Geschäft ab dem 2. März montags bis freitags jeweils von 14 bis 19 Uhr für einen Ausverkauf. Bis Ende März sollen Lagerbestände und verbliebene Waren zu vergünstigten Preisen verkauft werden. Einen Werkstattservice wird es in dieser Zeit aber nicht geben.

Nach nnz-Informationen war die Suche nach einer Nachfolge trotz intensiver Bemühungen bislang nicht erfolgreich. Zwar gebe es weiterhin Bestrebungen, das Geschäft fortzuführen, ein geeigneter Nachfolger habe sich jedoch bisher nicht gefunden. Als erschwerender Faktor gilt die angespannte Lage auf dem Fahrradmarkt. Nach dem starken Nachfrageboom während der Corona-Pandemie ist die Branche zuletzt deutlich eingebrochen.
Anzeige Refinery (lang)

Ob und in welcher Form der Betrieb über den März hinaus fortgeführt wird, bleibt damit offen.
Susanne Schedwill

Ein kleiner Nachruf...


Es gibt Orte, die mehr sind als das, was auf dem Schild steht. Zweirad Illhardt in Niedersachswerfen war so ein Ort. Kein bloßes Geschäft, kein steriler Verkaufsraum – sondern ein Fahrradzuhause. Ein Ort, an dem Räder nicht einfach verkauft, sondern Geschichte geschrieben wurde.

Jörg Illhardt ist im Oktober vergangenen Jahres verstorben.  (Foto: agl) Jörg Illhardt ist im Oktober vergangenen Jahres verstorben. (Foto: agl) Vor vielen Jahren rollte ich dort auf meinem ersten Carbon-Fahrrad hinaus in die Welt. Fuhr damit viele male über die Alpen und an andere Orte. Es sollte nicht mein letztes Fahrrad von Jörg sein.

Jörg war einfach da. Immer. In einer Welt, die sich dreht und hastet und vergisst, war sein Laden ein Fixpunkt. Besonders für mich, der eigentlich so weit weg wohnt.
Freunde fanden dort nicht nur Arbeit, sondern einen Lebensmittelpunkt. Er war der Typ, bei dem man hinkam, um Kettenöl zu kaufen, und eine Stunde später noch immer redete – über Fahrräder, das Leben und die Welt.

Und jetzt?
Jetzt ist da eine Stille, die wehtut. Eine Leere. Der Schmerz sitzt tief, wie ein langer Berg, den man alleine hochstrampeln muss, ohne zu wissen, ob oben überhaupt eine gute Abfahrt wartet.

Jörg – du hast uns Räder gegeben, mit denen wir die Welt erkunden konnten. Dass wir die Welt jetzt ohne dich erkunden müssen, ist das Härteste daran.

Fun-Fakt: Ich habe Jörg nie auf einem Fahrrad gesehen.
Volker Georg Franke
technischer Support nnz
Autor: ssc

Anzeige symplr (6)
Kommentare
ArreeTim
24.02.2026, 12:00 Uhr
Wenn die Luft im Reifen ausgeht – Harztor verliert ein Stück Handwerk?
Manchmal sind es die kleinen Orte aus der Kindheit, die sich unauslöschlich einprägen. Für mich war Zweirad Illhardt genau so ein Ort. Ich sehe mich noch mit meinem MiFA-Kinderrad über den Hof rollen – ein bisschen aufgeregt, ein bisschen stolz. Und Meister Willy Illhardt stand schon da, mit diesem ruhigen, freundlichen Blick, der sagte: „Komm her, Junge, wir kriegen das hin.“ Er nahm sich Zeit. Immer. Für uns Kinder sowieso. Manchmal reparierte er etwas einfach so, manchmal für ein paar DDR-Mark, und manchmal gab es sogar noch eine Kleinigkeit obendrauf. Diese Wärme vergisst man nicht. Und das Schöne ist: Dieses Gefühl hat sich über die Generationen gehalten. Auch später, als die Themen komplexer wurden – Gefahrgutmanagement, Ladestationen, gebrauchte Akkus bewerten – blieb dieser Geist derselbe. Jörg Illhardt legte Wert darauf, dass Dinge ordentlich, sicher und fachlich sauber gemacht werden. Man konnte mit ihm über alles reden, vom platten Reifen bis zur Akkuchemie. Jörg kannte die großen Weltmessen der Branche bis Taiwan…
Dass diese über hundertjährige Geschichte nun mit seinem plötzlichen Tod vielleicht endet, währe bedauerlich. Es verschwindet nicht einfach ein Geschäft. Es verschwindet ein Stück Nachbarschaft, ein Ort, an dem man sich aufgehoben fühlte – als Kind wie als Erwachsener. Und ja: Es macht etwas mit einer Region, wenn solche Orte weniger werden. Es wird stiller. Ärmer. Unverbundener. Vielleicht findet sich doch noch eine Perspektive? Denn es geht nicht nur um Fahrräder. Es geht um Menschen, um Erinnerungen, um Handwerk, um Heimat, um Harztor, oder?
Ostseefan
24.02.2026, 13:12 Uhr
Erinnerungen
Bedingt meines hohen Alters hatte ich eher mit Vater Dieter zu tun. 1974 hatte ich mein 1. Moped, eine Schwalbe Bj 64, dann Ende 74 einen neuen Habicht, mein schönstes Moped, danach ein S50, und immer waren wir, eine goße Truppe, bei Illhardt. Dieter hat uns immer nach seinen Möglichkeiten geholfen, viele Tips gegeben und uns auch zum selbst reparieren animiert. 1975 bin ich dann mit 2 Freunden an einem Tag nach Rügen gefahren, 560 km, nach 200 km tat mein A... nicht mehr weh, auf der Rückfahrt habe ich einen Freund aus Ribnitz Damgarten aus dem Urlaub abgeholt und wir sind zu zweit auf dem S50 nach Hause gefahren, 3x unterwegs das Hinterrad geflickt, weil die Decke einen Durchschlag hatte, der 4. Platten war genau bei Illhardts vor der Tür, da habe ich voller Freude einen neuen Reifen gekriegt.
Es gab ja so wenig Ersatzteile. Dieter fuhr in regelmäßigen Abständen mit seinem Framo nach Suhl, mit einer Wolldecke über den Beinen, damit wir junge Kerle fahren konnten.
Zu Dieter konnte man auch Sonnabend Nachmittag kommen, es war bekannt, dass er Sonnabend Abend vor dem Fernseher Räder einspeichte,
Jörg habe ich erst später kennen gelernt, obwohl er zu meinen Mopedzeiten mit dem Dreirad durch die väterliche Werkstatt fuhr. Jörg hat bei ehemals Opel Leich gelernt und kam immer zu unseren Opel Leich Treffen, bis er jetzt nicht mehr kam...
Ich grüße alle, die auch gute Erinnerungen haben Rainer Schmalz
Tom der ungläubige
24.02.2026, 13:22 Uhr
Eine Institution geht…!
Als ich ein Jugendlicher war, hat der Vater von Jörg auf der anderen Seite der Straße noch mein KR 50, vorher das SR zwei repariert, später die Schwalbe. Und auch sein Opa war in der Werkstatt präsent. Später kam der Umzug auf die andere Straßenseite und Jörgs Vater hat dort bis weit über sein Rentenalter, solange er gesundheitlich konnte ,mitgeholfen. Wir haben da im Laufe der Zeit nach der Wende bestimmt sieben oder acht Fahrräder (analog/digital elektrisch) gekauft. Sonderwünsche vor allem an den Mountainbikes wurden stets erfüllt. Manchmal musste man ein bisschen warten auf Termin und Fertigstellung, aber immer begleitet von einem tollen Gespräch. Wir vermissen Jörg , genauso wie damals seinen Vater und Opa! Schade, dass sich niemand findet, das Geschäft fortzuführen. Jedenfalls von unserer Seite danke Jörg!
Kommentar hinzufügen
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)