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Do, 06:36 Uhr
09.03.2017
BUND-Einsatz Nr. 50

Für die Kuhschelle

Klein, unspektakulär, aber dennoch wichtig, das war der 50. Artenschutzeinsatz von Mitgliedern des BUND-Kreisverbandes Nordhausen. Eigentlich war der 50. erst für den kommenden Sonnabend geplant, aber, da sich die Vegetationsentwicklung nicht nach unseren Plänen richtet, wurden wir kurzfristig mitten in der Woche tätig...

Kuhschelle (Foto: B. Schwarzberg) Kuhschelle (Foto: B. Schwarzberg)
Die Gemeine Kuhschelle fügt dem noch graubraunen Einerlei unserer Trockenrasen im Frühjahr ein auffallendes Violett hinzu. Die starke Behaarung der die Blüte umgebenden Hochblätter bewahrt die wärme- und trockenheitsliebende Pflanze vor Austrocknung (2.4.2011). Die heutigen Bestände im Landkreis Nordhausen sind nur noch Reste der vielen früheren Vorkommen.

Schließlich widmeten wir uns im Naturschutzgebiet Alter Stolberg einem Wuchsort der Gemeinen Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris ssp.vulgaris), die uns mitunter bereits Anfang April mit ihren blau-violetten Blüten erfreut. Um eine Schädigung der auch nach Bundesartenschutzverordnung geschützten Pflanzen auszuschließen, mussten wir spätestens jetzt tätig werden.

Aber auch aus einem anderen Grund duldete der kleine Einsatz keinen Aufschub: Der Wuchsort war wohl schon seit mehreren Jahren weder mit Schafen beweidet, noch entbuscht oder gemäht worden. Der Bestand, für den ich noch 2003 rund 180 blühende Exemplare zählte, wurde durch die Sträucher zunehmend in die Zange genommen. Hinzu kamen die Auswirkungen eines Windbruchs, dessen querliegende Bäume auch den Zugang zum Vorkommen weitestgehend versperrten.

Vermutlich ist dadurch auch der schmale Zugangsweg fast zugewachsen. Denn selbst die Schaulustigen, die sich alljährlich im April aufmachten, um das kleine blaue Blütenmeer zu bewundern, scheinen ihn durch die querliegenden Bäume kaum mehr begehen zu wollen.
Im strömenden Regen des gestrigen Spätnachmittages mähten Rainer Peix aus Ilfeld und ich ca. 200 m² und entfernten hunderte junge Birken-, Hasel-, und Zitterpappelschösslinge sowie Kiefern, die sich immer weiter in das Vorkommen der Gemeinen Kuhschelle schoben.

Die angrenzende schutt-und felsreiche Fläche im Naturschutzgebiet offen zu halten, ist noch aus weiteren Gründen notwendig: Ein Leipziger Flechtenspezialist wies dort mehrere sehr seltene Flechtenarten nach, die zumindest überwiegend nur sollsonnig überleben können. Er mahnt daher geeignete Pflegemaßnahmen, wie Entbuschung an.

Von den bemerkenswerten höheren Pflanzen muss neben der gefährdeten Gemeinen Kuhschelle unbedingt noch das in Thüringen stark gefährdete Rundblättrige Wintergrün (Pyrola rotundifolia) genannt werden. Diese Art besiedelt unweit der Kuhschellen-Wuchsstelle eine relativ große Fläche in hoher Individuenzahl. Sie hat sich im Zuge der zunehmenden Verbuschung bis zu einer gewissen Dichte des Strauchbewuchses sogar ausgebreitet und profitiert dabei von den durch die Gehölze erzeugten ausgeglicheneren Bedingungen, an einem ansonsten fast vollsonnigen Standort.

Die Gemeine Kuhschelle bevorzugt genau letzteres. Sie ist ein eher kontinental verbreiteter ausgesprochener Magerkeits-und Trockenheitszeiger. Werden die Humus- und die Laubdecke zu dick oder aber die Beschattung und Platzkonkurrenz durch anfliegendes Gehölz sowie die Nährstoffanreicherung zu stark, verschwindet sie schnell. Ganz in diesem Sinne haben wir gestern auch Moos, Humus und Laub teilweise durch Harken entfernt.

Im Naturschutzgebiet Alter Stolberg leben schätzungsweise noch 450 Exemplare der Gemeinen Kuhschelle. Etwa 4/5 dieses Bestandes sind durch Nutzungsaufgabe oder ungeeignete Nutzung (Rinderweide) bedroht. Damit ist sie wiederum ein typisches Beispiel für die Notwendigkeit, zusätzliche Maßnahmen zur Erhaltung bedrohter Arten zu ergreifen. Leider ist dies derzeit überwiegend nur ehrenamtlich möglich. Bisher haben wir uns um zwei der größeren Vorkommen im NSG aktiv bemüht, nun kommt wohl auch das dritte hinzu. Die Individuenzahlen der zwei genannten Bestände haben durch kontinuierliche Pflege tendenziell zugenommen (2016: 204 bzw. 44 blühende Exemplare)

Aus dem NSG Rüdigsdorfer Schweiz sind gegenwärtig keine Vorkommen mehr bekannt. Größere Bestände in Nordthüringen gibt es noch im Kyffhäusergebiet. Die ausdauernde Gemeine Kuhschelle verfügt nur über ein kleines west- und mitteleuropäisches Areal. Manche Autoren sehen sie deswegen, vor allem aber auf Grund ihrer Bestandseinbrüche, als weltweit gefährdet an. Bis zu einem Drittel des weltweiten Verbreitungsgebietes befindet sich in Deutschland.

Durch die Aufforstung weiter Teile des heutigen NSG nach dem Krieg, dürften eine ganze Anzahl ihrer einstigen Standorte verschwunden sein. Darauf deuten einzelne Pflanzen in lichten Kiefernforsten hin. Im Landkreis Nordhausen sind rund zwei Drittel aller jemals besetzten Viertelquadranten (ca. 2,6 km x 2,6 km) heute nicht mehr mit Pulsatilla vulgaris besetzt. Daraus wird deutlich, wie negativ es bewertet werden muss, wenn die wenigen noch existierenden Vorkommen von staatlicher Seite keinen langfristig geregelten und konkret vorkommens- und artbezogenen Erhaltungsmaßnahmen unterliegen und somit potenziell ebenfalls von Verlust bedroht sind. Dies gilt wohl deutschlandweit und für die allermeisten bedrohte Arten.
Einige weitere Gefährdungsursachen (s.o.) für die hier betrachteten Bestände sehen wir ebenfalls vor unserer Haustür.

Der bereits vierte reguläre BUND-Einsatz in diesem Jahr mit mehreren Teilnehmern ist für den kommenden Sonnabend geplant.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

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