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Sa, 09:32 Uhr
14.05.2016
Heute Nachmittag in Heringen

Aus der Künstlerwerkstatt der Karin Kisker

Heute erwartet die Besucher der Kunstausstellung Karin Kiskers im Schloss Heringen im 2. und 3. Stock eine aufschlussreiche Zeit. Denn ab 14.30 Uhr wird die Künstlerin über das Geschehen in ihrer Werkstatt, in ihren Ateliers, erzählen...

Stück Natur (Foto: K. Kisker) Stück Natur (Foto: K. Kisker)
Kisker ist dafür bekannt, dass sie zu ihrem Talent im Zeichen, Malen und Collagieren auch die Kunst der Sprache in Wort und Schrift besitzt. Ihr Vortragen, davon ist auszugehen, wird abwechslungsreich, spannend, humoristisch sein und auch so manche satirisch-ironische Komponente enthalten.

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Das Entstehen eines Bildes beinhaltet ja neben ruhigeren Momenten auch manches fast abenteuerlich anmutende Geschehen. Ich war dabei, als sie auf der Ruine Hohenstein drei großformatige Bilder farbig anlegte, in dem sie Brauntöne in vielen Nuancierungen mit schnellen breiten Pinselschlägen auftrug, zurücktrat, schaute, korrigierte, feinere Pinsel nahm, dann körnigen Sand, auf der Ruine gefunden, aufstreute, verwischte oder kompakt stehen ließ, manchmal auch mit Farbe darüber wischte.

Und dann gab es da die herrlichsten Spinnweben, feinstes Gespinnst oder dichter Gewirktes. Mit unendlicher Geduld sammelte sie einige ein und platziert sie nach intensivem Nachsinnen in der Komposition. Nach dem Trockenprozess wurden die Blätter behutsam aufeinander gelegt, mit ins Atelier genommen, wo dann die Bildfindung ihren Abschluss fand, was übrigens auch kein leichter Teil der Arbeit ist: denn wann ist der Zeitpunkt des Aufhörens wirklich eingetroffen?

Karin Kisker ist ja von Anfang an, also seit 1998, Mitglied des Fördervereins „Dichterstätte Sarah Kirsch“, und entwarf und gestaltete so manches Programm. Eines davon trug den Titel „Stück Natur“. Dazu hatte sie auch ein farbiges Bildes geschaffen, das ausgestellt war. Da sie sich in einem Kunstbrief über die Entstehung des Bild äußerte, sollen Auszüge daraus zitiert werden.

„Hab ein Kunststück nach der Natur gemacht, seltsam grau wie ein altes Schwarzweißfoto, visionäres Erscheinungsbild mit verblassendem Gültigkeitsanspruch, Vorstellung und Erinnerung in einem. Die Technik ist so kompliziert, dass man sie im Nachgang kaum zu reproduzieren vermag. Ich will es trotzdem versuchen. Anfangs grundiere ich den großen Aquarellbogen mit gelber Holzschutzfarbe und klebe weißes Seidenblatt darauf. Um die beim Aufkleben entstandenen Blasen zu beseitigen, bestreiche ich das Blatt mit Caparol-Binder. Die so behandelte Fläche wird wasserabweisend und auch fast alle unliebsamen Falten verschwinden. Mit einer Pappe versuche ich, die Glättung noch zu verstärken. Aber der Binder ist noch nicht trocken und pappt im wahrsten Sinn an der Pappe. Damit ist das Blatt in seiner Urform zerstört. Ich greife zu Japanpapier, schneide es mir zurecht und klebe es auf den Aquarellbogen, dessen gelber Grund noch feucht ist. Das Japanpapier haftet und ich beschließe, das Blatt vorerst ruhen zu lassen. Später entdecke ich, dass seine Oberfläche samtig ist und von schöner Konsistenz. Ich lege zarte Lasuren an und bemühe mich, das darunter liegende Gelb zu erhalten. Dabei hab ich solch eigenartiges Geflügel im Kopf...“

Kisker wird mit weißem Pigment arbeiten, mit schwarzer Beize, Schuhcreme einsetzen und einen Schwingschleifer. Auch Schriftzeichen wird sie verwenden, Teile von ihnen sind unleserlich. Ab und zu jedoch ist etwas zu entziffern, aber alles zusammen soll keinen Inhalt ergeben, sondern Form bleiben. Zur Sicherheit stellt sie die Schriftzüge auf den Kopf. Als kleines Bild im Bild entsteht eine Pappelreihe am Wasser - Stück Natur!

Nach diesen Ausführungen darf man auf den heutigen Samstagnachmittag im Heringer Schloss gespannt sein.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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