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Di, 18:42 Uhr
29.03.2016
Schuldnerberatung der AWO

Mehr Gespräche als im Jahr 2014

Das Team der AWO Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung hatte im vergangenen Jahr 445 Beratungsfälle zu bearbeiten, davon hatten 108 das Ziel einer Schuldnerberatung und 337 hatten eine Beratung in Richtung einer Verbaucherinsolvenz zum Ziel...


Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 2.014 Beratungsgespräche geführt, im vergangenen Jahr waren es 1.831. Die Notwendigkeit einer höheren Anzahl an Beratungsgesprächen ergab sich aus der Kompliziertheit der Einzelfälle.

Fälle nach Kommunen

Nordhausen und umliegende Gemeinden279
Bleicherode und umliegende Gemeinden43
Sollstedt und umliegende Gemeinden 20
Harztor und Gemeinden25
Heringen und Gemeinden27
Ellrich und Gemeinden31
Wolkramshausen und Gemeinden4
Werther und Gemeinden9
Hohenstein und Gemeinden5
Andere2
Gesamt445

Während sich sowohl in Nordhausen als auch in den meisten Gemeinden ein leichter Rückgang bzw. gleiches Niveau der Fallzahl des Vorjahres abzeichnete, stieg die Anzahl der Fälle in Ellrich und Gemeinden auffallend von 17 (2013) auf 22 (2014) bzw. 31 (2015).

Fälle nach Einkommen/Personenkreis:
SGB II (Arbeitslosengeld II)254 (57,1 %)
SGB XII (Grundsicherung)7 (1,6 %)
SGB III (ALG I)17 (3,8 %)
Arbeitnehmer144 (32,4 %)
Studenten/Auszubildende8 (1,8 %)
Rentner41 (9,2 %)
Sonstige (nicht erwerbstätig)14 (3,2 %)

Ein Anstieg war prozentual in den Gruppen Arbeitslosengeld II-Empfänger von 55,7 % (2014) auf 57,1 % (2015) zu verzeichnen, ebenso bei Arbeitnehmern von 30,8 % (2014) auf 32,4 % (2015).

Hauptauslöser der Überschuldung (Mehrfachnennung möglich)
Arbeitslosigkeit54,0 %
Scheidung/Trennung32,1 %
Konsumverhalten24,3 %
Krankheit20,4 %
längerfristiges Niedrigeinkommen18,7 %
unwirtschaftliche Haushaltsführung13,1 %
gescheiterte Selbstständigkeit11,2 %
gescheiterte Immobilienfinanzierung10,7 %
Straffälligkeit8,8 %
Zahlungsverpflichtung aus Bürgschaft/Mithaftung8,5 %
Sucht8,3 %
fehlende finanzielle Allgemeinbildung7,3 %
Haushaltsgründung/Geburt Kind6,6 %
unzureichende Kredit- u. Bürgschaftsberatung5,4 %

Überwiegend lösten mehrere Faktoren eine Überschuldung aus. Hauptauslöser war und bleibt Arbeitslosigkeit bei 54 % aller Fälle. Erstmalig standen an zweiter Stelle Ehescheidungen bzw. Trennung vom Partner bei 32,1 % als Auslöser der Schuldenprobleme. Auch Krankheit führte bei 20,4 % der Klienten häufiger als in den Vorjahren zur Überschuldung.
Einkommensarmut bzw. längerfristiges Niedrigeinkommen wird zunehmend ein bedeutender Überschuldungsfaktor. Immer mehr Menschen laufen trotz geregelter Beschäftigung Gefahr, sich zu überschulden.

Durchschnittliche Schuldenhöhe pro Fall: 35.815 (Vorjahr 33.634 )
Ehemals Selbstständige/gescheiterte Existenzgründer: 66 (14,8 % aller Fälle)
Alleinerziehende:
2015 89 (20% aller Fälle)
auffälliger Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren 2014 79 (16,9 % aller Fälle)
2013 69 (14,9 % aller Fälle)

Klienten nach Altersgruppen:
unter 20 Jahre: 0
20 bis unter 30 Jahre: 90 (20,2 %)
30 bis unter 40 Jahre: 135 (30,3 %)
40 bis unter 50 Jahre: 96 (21,6 %)
50 bis unter 60 Jahre: 88 (19,8 %)
ab 60 Jahre und älter: 36 (8,1 %)

In der Altersgruppe 50 bis unter 60 war ein Anstieg von 17,1 % auf 19,8 % zu verzeichnen.

Anzahl der Gläubiger pro Fall:
1 bis 5 Gläubiger152
6 bis 10 Gläubiger69
11 bis 20 Gläubiger130
21 bis 50 Gläubiger85
über 50 Gläubiger9

Weitere auffällige Tendenzen:
164 Klienten mussten über mehrere Jahre beraten und betreut werden. Hauptgrund dafür waren unvollständige Unterlagen, aufwändiges Recherchieren nach weiteren Gläubigern und ein hoher Zeitaufwand, um eine vollständige und lückenlose Übersicht aller Gläubigern zu erlangen.

Anzahl der Fälle, die 2 Jahre und länger Beratung in Anspruch nahmen = 164 (36,8 %)
932 Jahre Beratung
443 Jahre Beratung
44 Jahre Beratung
115 Jahre Beratung
46 Jahre Beratung
37 Jahre Beratung
28 Jahre Beratung
19 Jahre Beratung
112 Jahre Beratung
117 Jahre Beratung

Es kamen mehr Klienten mit psychischen Erkrankungen zur Schuldnerberatung. Häufig stand zunächst das Erlernen sparsamer Haushaltsführung lange Zeit im Vordergrund.
Die Anzahl von Klienten, die einen gesetzlichen Betreuern hatten, stieg an.

Bewährt hatte sich die wöchentliche Telefonberatung, die immer dienstags angeboten wurde. 980 mal wurde eine solche telefonische Kurzberatung in Anspruch genommen. Der längerfristige Beratungsprozess verzögerte sich in manchen Fällen, weil Ratsuchende mehrere Wochen, teilweise Monate benötigten, um die erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen und in der Beratungsstelle abzugeben.

Immer häufiger war langfristig Budgetberatung erforderlich, damit die Ratsuchenden mit dem vorhandenen Einkommen auskommen, ohne erneut monatliche Defizite aufzubauen. Erhöhter Arbeitsaufwand wurde erforderlich, wenn die Schuldner eine große Gläubigeranzahl im Nacken hatten und der Überblick über alle Verbindlichkeiten komplett verloren gegangen war.

Bei manchen Klienten zeigte sich eine unzureichende Mitwirkungsbereitschaft, so dass die Beratung abgebrochen werden musste. Existenzbedrohende Schulden wie Miet- und Energieschulden oder Geldstrafen mussten reguliert werden, bevor die Privatinsolvenz angestrebt werden konnte.

Im Interesse der Schuldner wurde ein gut funktionierendes Netzwerk aus sozialen Einrichtungen, dem Familiennetzwerk des Landkreises Nordhausen, dem Jobcenter, dem Insolvenzgericht Mühlhausen und vielen anderen Netzwerkpartnern genutzt. Das Team der AWO-Schuldnerberatung war an der Erarbeitung eines thüringenweit genutzten Präventionshandbuches für Vorträge und Unterrichtsstunden aktiv beteiligt.

Eine langjährige Zusammenarbeit zur Schuldenprävention besteht insbesondere mit den Regelschulen in Ellrich und Niedersachswerfen. 2015 haben 27 unserer Klienten das Verbraucherinsolvenzverfahren erfolgreich durchlaufen und die Restschuldbefreiung erreicht.
Monika Röthling, Leiterin AWO Schuldner- und
Verbraucherinsolvenzberatung
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