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Di, 10:00 Uhr
13.01.2015

Blende auf und zu: PEGIDA oder mehr?

Die Medien und deren Macher reden über Pegida. Die wenigsten waren bei den mittlerweile zwölf Märschen in Dresden wirklich vor Ort. Dabei wäre dies gerade wichtig, um sich selbst ein Bild zu machen...

In Berlin gibt es einen Informations- und Hintergrunddienst, den sogenannten Hauptstadtbrief. In der Nummer 126 - erschienen am 17. Dezember vergangenen Jahres - beschreibt Heinz Buschkowski die Veränderungen, die sich in seinem Stadtbezirk, es ist Neukölln, seit einigen Jahren vollzogen haben. Überschrieben ist der Brief mit "Ein Teil der Gesellschaft wendet sich ab".

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Blende: An einem schönen Sommertag sitzt eine Gruppe von Nordhäusern im mittleren Alter irgendwo an einem Ende dieser Welt und schaltet mal ab von Alltag, Termindruck, Gewinnmaximierung und Stress. Schön soll er werden dieser gemeinsame Urlaub. Wenn da die Tabletts nicht wären, über die man die Nachrichten aus unserem Ende der Welt quasi in die Hängematte serviert bekommt.

Diese Nachrichten, vor allem aber deren Wichtung, deren Ausrichtung, deren gefühlte Steuerung - all das machte den Nordhäusern nicht wirklich Spaß. Sie fühlten sich zum Beispiel von der Berichterstattung der deutschen Elitemedien verar..... Genauso deftig drückten sie es aus. Es war für sie nicht mehr zu ertragen - dort die bösen Russen, hier die guten Westukrainer. Hier der Schurke Putin, dort die friedliebende EU und dazu noch eine USA, die, so suggeriert als Hort der Bürgerrechte, überhaupt kein Interesse an den Entwicklungen in der Ukraine hätten. Diese Wut fühlten jene, die im Hier und Heute angekommen sind, die von materiellen Existenzängsten Lichtjahre entfernt sind.

Blende: Dresden. Zum zwölften Mal sind Menschen in dieser Stadt spazieren gegangen. Ich war nicht dabei, muss mich auf Quellen verlassen können. Und deshalb die immer wieder gestellte Frage: Waren das alles Nazis in Nadelstreifen? Waren das alles Menschen, die eine Schande für dieses Land darstellen? Die Antworten darauf muss jeder selbst finden. Wenn in einer Masse von 20.000 oder 30.000 Spaziergängern vielleicht auch Mitglieder der NPD auszumachen sind, muss dann der "Rest" in Sippenhaftung genommen werden, nur weil es polemisch und propagandistisch passt?

Ein Kommentator in dieser Zeitung fragte unlängst, ob alle Teilnehmer einer Kundgebung in Geiselhaft genommen werden, weil auch Demonstranten aus der linken, gewaltbereiten Szene mit demonstrierten? Sind dann alle Teilnehmer der Demo als gewaltbereit einzustufen?

Die Schriftstellerin Monika Maron besuchte die Pegida-Demo in Dresden vor Weihnachten. Anfang dieses Jahres schrieb sie in der "WELT" unter dem Titel "Pegida ist keine Krankheit, sondern das Symptom" unter anderem: "An diesem Montag vor Weihnachten, als ich in Dresden war, fiel mir auf, dass im Gegensatz zu den Fernsehbildern und Zeitungsberichten über frühere Pegida-Demonstrationen sehr viele junge Männer den Platz bevölkerten. Vielleicht lag es ja daran, dass die Mütter und Großmütter mit den Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt waren.

Vielleicht aber führt die reflexhafte Unterstellung, es handele sich bei Pegida nur um eine Ansammlung von Rassisten und fremdenfeindlichen Subjekten, Nazis eben, die es unter den Demonstranten zwar auch gibt, aber nicht in der Mehrzahl, vielleicht führen gerade diese Abwehrkanonaden dazu, dass die Menschen, die keine Rassisten sind, schon gar keine Nazis, sich solchem Verdacht nicht länger aussetzen wollen und statt ihrer dann andere, wirkliche Rassisten und Fremdenfeinde auf dem Platz demonstrieren.

Bei der Heimfahrt, auf der Ausfallstraße in Richtung Berlin fielen uns die vielen Autos mit Berliner und Brandenburger Kennzeichen auf, und an der Tankstelle sahen wir sie dann, die Nazis mit Glatzen und Thor-Steinar-Jacken. Die waren also auch da. Denen und ihren weniger auffälligen Geistesbrüdern keinen Platz und keine Stimme zu geben, ist die einzige richtige Antwort.

Mit allen anderen aber müssen wir reden. Wir müssen wieder lernen, andere Meinungen zu ertragen, ohne in ihren Vertretern nur Feinde und Abschaum zu sehen. Wir preisen die offene Gesellschaft und verweigern die offene Diskussion. Pegida ist nicht die Krankheit, Pegida ist nur ein Symptom.
"

Das Fatale: Jene Islamisten schlagen jenen die Tür vor dem Kopf zu, die auch aus arabischen Ländern nach Deutschland kommen, allerdings aus einem triftigen Grund: Ihr Leben ist bedroht, durch den Bürgerkrieg in Syrien beispielsweise. Diesen Menschen – kämpfend um die nackte Existenz – müssen wir Asyl gewähren! Das ist Deutschlands menschliche und ethische Verpflichtung. Und diese Differenzierung sollte bei den Pegida-Demonstrationen auch klar gemacht werden.

Ja, da wird in Dresden oder jetzt auch in Leipzig vor einer schleichenden Islamisierung gewarnt. Und ja, in Mitteldeutschland leben tatsächlich die wenigsten Muslime. Vielleicht aber schauen immer mehr Menschen dorthin, wo der Anteil der Muslime sehr viel größer ist. Zum Beispiel nach Berlin und sie lesen, was der Bezirksbürgermeister von Neukölln schreibt: "Wir haben es, alltägliche Beispiele aus dem Umfeld Schule machen das exemplarisch deutlich, mit einer schleichenden Landnahme zu tun: Wenn etwa eine Klasse mit drei muslimischen Mädchen eine Klassenreise macht, dann muss mittlerweile eine Person mitfahren, um sie auf der Reise muslimisch zu betreuen. Nun haben wir ja bei uns Klassen mit 95 Prozent Muslimen und vielleicht drei katholische Mädchen. Käme jemand auf die Idee, ein Pastor müsse mitfahren, um die drei Mädchen unterwegs katholisch zu betreuen? Nein. Weil ein solches Hineintragen religiöser Dinge in den Alltag bei uns nicht üblich ist. Weil wir nicht unter der Vorstellung leben, jede Banalität könne verwerflich sein und zur Verweisung aus dem Paradies führen. Oder dass ein Schuljunge Anlass haben könnte, der Schulstadträtin nicht die angebotene Hand zu schütteln mit der Begründung: Wenn ich dir die Hand gebe, ist das Sünde, dann bin ich beschmutzt.

Es geht hier nicht um Kleinigkeiten, die Rede ist von der Existenz einer Parallelgesellschaft – und vom Versuch einer allmählichen Landnahme des Fundamentalismus mit dem Ziel, eine andere Gesellschaftsordnung zu schaffen als die, die wir westliche Demokratie nennen. Noch ein Beispiel aus einer Schule in Neukölln: Dort werden 700 Grundschulkinder betreut, und wir haben da einen sozialen Brennpunkt. Unser Ziel ist also, die Eltern zu erreichen. An der Schule wird ein Elternzentrum gebaut, Kosten und Mühen nicht gescheut. Der einzige Mangel, den dieses Elternzentrum hat: Es sind keine Eltern da. Keinen halben Kilometer Luftlinie entfernt steht die salafistische Al-Nur-Moschee. Die haben auch ein Elternzentrum – und das ist voll, brechend voll. Sie haben auch eine Koranschule mit 400 Plätzen, die ebenfalls täglich bis auf den letzten Platz besetzt ist. Das macht mir Sorgen. Denn da verfestigen sich die entgegengesetzten Pole zu unserem Bildungssystem, zu unserem Rechtssystem, zu unserem Wertesystem. Da finden Veränderungen statt, die die Grundlagen unserer Gesellschaft betreffen.

Wir dürfen nicht einfach zusehen, wie Kinder, junge Männer, ganze Familien, die unter uns leben, zu den islamistischen Rattenfängern gehen und nicht wiederkommen. Wir müssen klar und deutlich sagen: Das ist etwas, das uns nicht gefällt. Wir dürfen nicht einfach nur zusehen, wenn vor unseren Schulen allmorgendlich Flugblätter verteilt werden, mit denen junge Mädchen unter Druck gesetzt werden, die in Jeans oder mit Make-up zur Schule kommen: Warum trägst du Lidschatten, Schwester? Weißt du, dass das Sünde ist?
".

Vielleicht wollen die Menschen, die in Dresden oder anderswo für oder mit Pegida auf die Straße gehen, diese "Zustände" nicht. Vielleicht fürchten Sie sich wirklich davor? Vielleicht trauen sie der Politik in diesem Land nicht mehr zu, sich ihrer Probleme anzunehmen, ihnen zuzuhören? Vielleicht haben sie es satt, immer wieder das Wort "alternativlos" zu hören und zu lesen? Vielleicht sind sie es überdrüssig gesagt zu bekommen, dass die Welt derart komplex ist, dass nur Frau Merkel oder Herr Maas sie noch verstehen? Und vielleicht wollen sie die 20-Sekunden-Plattheiten von Politikern in "Tagesthemen" oder "heute journal" nicht mehr ertragen?

Und man spürt in Dresden noch mehr: Ein diffuses Unbehagen mit der Politik, das Gefühl des Grabens zwischen „denen da oben“ und „uns“, der nicht nur immer breiter zu werden scheint, der breiter geworden ist.

In Nordhausen kann man das wie unter einem Brennglas verfolgen. Auch hier macht seit Jahrzehnten eine „Eliten“ Kaste von geschätzten hundert Leuten Politik – parteiübergreifend. Innerhalb dieses Netzwerkes werden öffentliche Gelder gelenkt und Pöstchen vergeben; innerhalb dieses Netzwerks wird die vermeintliche öffentliche Meinung geprägt, denn man hat das Privileg des Medienzugangs; hier werden private Hobbies und geschäftliche Interessen aus dem Topf der Allgemeinheit finanziert. Und ab und an, je nach Großwetterlage, wird per Antrag mal „Bürgerbeteiligung“ gerufen, werden „Freiwillige“ als Marionetten vor die Kamera geschoben, als „Giganten“ betitelt, die für einen Hungerlohn oder gar ganz für umsonst die Prestigeprojekte der “Elite“ umsetzen.

Das spüren die Menschen auch in Nordhausen, und das Gefühl des Unbehagens mit diesem Politiktheater ist mit den Händen zu greifen. Und es wird sich Stimme verschaffen, in den kommenden Monaten, wenn das überlebenswichtige Spardiktat für Vereine, Verbände, Freie Träger schmerzhaft spürbar wird. Das prophezeihe ich.

Vielleicht sollten auf diese oben gestellten Fragen endlich mal Antworten gegeben werden. Tut es endlich, liebe Politiker! Auch dafür haben wir euch eventuell mal gewählt, vielleicht ein letztes Mal. Gewiss, dass ist schwerer als die da "im Tal der Ahnungslosen im Osten" zu beschimpfen, auszugrenzen, sie der sozial absturzgefährdeten Schicht dieser Bevölkerung zuzuordnen.

Vielleicht auch konnte Pegida nur im Osten dieses einigen Deutschlands geboren werden? Vielleicht haben die Menschen hier eine besondere Antenne für kaum spürbare Veränderungen in diesem Gemeinwesen, das wir Gesellschaft nennen. Fakt ist: Sie hatten es schon einmal - vor mehr als 25 Jahren.
Peter-Stefan Greiner

Quellen:
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article135973630/Pegida-ist-keine-Krankheit-Pegida-ist-das-Symptom.html

http://www.derhauptstadtbrief.de/cms/index.php/105-der-hauptstadtbrief-126/677-ein-teil-der-gesellschaft-wendet-sich-ab
Autor: red

Kommentare
Leser X
13.01.2015, 10.40 Uhr
Es ist wohl die Komplexität der Ereignisse...
... die die Volksseele mehr und mehr zum Kochen bringt. Insofern finde ich die versuchte Analyse von Herrn Greiner sehr interessant.

Mein Verdacht in Richtung "unserer" Politiker ist, dass hier Unterstellungen in Richtung Ausländerhass überdimensioniert dargestellt werden, um die Bewegung zu dämonisieren. Denn in den Hinterköpfen unserer schmarotzenden Eliten dürfte es längst dämmern, dass ihre fetten Jahre vielleicht bald vorbei sein könnten. Davor haben sie dann wirklich Angst und schicken zigtausendfach Gegendemonstranten in die Spur.
Ickarus
13.01.2015, 11.35 Uhr
Herzlichen Dank
Ich möchte hier an dieser Stelle ein Herzliches Dankeschön los werden? Sowohl an den Artikel von Herrn Greiner, als aus an Leser X!!

Sie bringen es auf den Punkt und ich freue mich regelrecht, dass endlich die Tatsachen auf den Tisch kommen. Ja ich kannte bis gestern auch nur PEGIDA durch Facebook und alles was dagegen Stimmung machen sollte durch die Medien, aber gestern war ich selbst in Dresden und habe mir ein persönliches Bild machen können!

Auf der einen Seite friedliche ca. 35.000 Bürger dieses Landes (Polizei durfte auf Bitten der Oberbürgermeisterin von Dresden keinen genauen Zahlen nennen, somit nur die Aussage mehr als 25.000 in den Medien) die auf die Missstände aufmerksam machen wollen und auf der anderen Seite, wie durch Leser X schon formuliert "geschickte Gegendemonstranten" aus der Linken Szene, welche mit Sprechgesang "Deutschland verrecke" (was für mich erschreckend war), der Bierflasche in der Hand und Kapuze bis tief ins Gesicht gezogen provozierten und ohne Sinn und Verstand auf Krawalle, siehe 1. Mai Demos in Berlin oder Hamburg, aus waren!

Deshalb wiederhole ich hier nochmal den vorletzten Absatz aus dem Artikel.

"Vielleicht sollten auf diese oben gestellten Fragen endlich mal Antworten gegeben werden. Tut es endlich, liebe Politiker! Auch dafür haben wir euch eventuell mal gewählt, vielleicht ein letztes Mal. Gewiss, dass ist schwerer als die da "im Tal der Ahnungslosen im Osten" zu beschimpfen, auszugrenzen, sie der sozial absturzgefährdeten Schicht dieser Bevölkerung zuzuordnen."
KuNa
13.01.2015, 11.53 Uhr
Daumen hoch!
Ohne große Worte: Ein super Artikel, dem kaum etwas hinzuzufügen ist! Weiter so!
Wolfi65
13.01.2015, 12.08 Uhr
Wo sind die nur hergekommen?
An die 25.000 unzufriedenen Menschen versammeln sich an so einen nicht gerade durch die Geschichte verwöhnten Ort und lehnen sich gegen die Politik der Oberen auf. Da war es nur das Recht und die Pflicht der Bundeskanzlerin, die Reihen der Undankbaren in eine politische Ecke zu rücken, welche unter normalen Umständen zu den politisch Bedeutungslosen gehört.

Wo war da der Verfassungsschutz, um im Vorfeld die Rädelsführer zu erkennen und von ihrem Vorhaben abzubringen?

Hätte man nicht rechtzeitig V-Männer in die Massen einschleusen können, um die Werte der marktwirtschaftliche Demokratie zu wahren? Was soll nur das Ausland und die Bündnispartner von diesem Treiben halten?

Ist jetzt gar das Europa und der Euro in Gefahr? Die Welt steht hoffentlich durch die Demos in Dresden und Anderswo nicht am Abgrund? Es wäre doch schade, da man sich doch innerhalb der letzten 25 Jahren an eine gewisse westliche Dekadenz gewöhnt hat.

Auch kann ich mir im Frühling in Deutschland nicht vorstellen, dass unsere schönen Frauen sich mit einer Burka verunstalten.
Sigmund
13.01.2015, 13.41 Uhr
Pegida
nicht die migranten haben angst vor der pegida, es sind die politiker/innen die angst vor dem VOLK haben. man hat genug von den verlogenen gesetzen und versprechungen der dekadenten politiker/innen.
gesetze machen die politischen herrschaften nur zum nutzen der oberren zehntausend, das gemeine volk wird über den kamm geschert. das sozialwesen wird immer weiter abgebauut. Wirtschaftsbosse und ihre politischen handlanger füllen sich die taschen mit dem, was sie dem volk abpressen.
nun haben sie angst, das sich das volk seine sozialen rechte zurück hohlen möchte, aus diesem grund werden die demonstranden zu nazis gemacht. übrigens, dass wort lügen presse wurde zum unwort gemacht dabei weiß jeder,das die meisten medien es mit der wahrheit nicht allzu genau nehmen. auch in diesem fall macht man es sich zu einfach. Lügenpresse ist ein wort welches von den nazis geprägt wurde.
somit sind wohl die demonstranten alles nazis, nur weil sie lügenpresse rufen?
Real Human
13.01.2015, 14.13 Uhr
Die Arroganz der Machteliten und deren Folgen
Danke, Herr Greiner, für ihren Artikel, in dem sie versucht haben, unter die Oberfläche der langsam zu brodeln beginnenden Oberfläche unseres armen reichen Deutschlands zu blicken. Monika Maron und Heinz Buschkowski sind dafür wohl gute Analysten. Dass jetzt totalitär Voreingenommene an den Quellen Anstoß nehmen könnten, würde die Analysen nur bestätigen.

Ähnlich wie @ othello beschleicht mich auf Grund der Geschehnisse auch schon etwas Angst (German Angst?). Am gefährlichsten scheint mir zu sein, dass jetzt einige gängige weltanschauliche und politische Faustregeln immer weniger und nur noch bedingt weiterhelfen.

Wir müssen realisieren, dass religiöse und weltanschauliche Toleranz dem Zusammenleben in der globalen und real existierenden multikulturellen Gesellschaft nicht mehr nur von vornherein immer nützlich sind. Heinz Buschkowski sprach in diesem Zusammenhang von der Herausbildung von „Parallelgesellschaften“. „Parallelen“ leben in der Mathematik friedlich nebeneinander; selbst wenn sie sich in der Ferne dann doch einmal schneiden, passiert in simplen abstrakten Denkmodellen nichts Dramatisches.

Im viel viel komplexeren Zusammenleben von Menschen kommt es aber zu Unvereinbarkeiten. (Einfache Beispiele sind die fast „ewigen“ Interessengegensätze zwischen Arbeit-“geber“ und Arbeit-“nehmer“ oder zwischen Mieter und Vermieter.)

Richtig giftig und gewalttätig werden Konflikte, wenn die Akteure unterschiedliche aber für das Zusammenleben entscheidende unterschiedliche Modelle von der Welt haben. Der Islam war dem Christentum einmal lange Zeit weit voraus (Naturwissenschaften und Medizin). Auch waren muslimische Gesellschaften religiös oft viel toleranter als benachbarte christliche (Andalusien). Die Europäische Aufklärung führte dazu, dass spätestens im 18. nachchristlichen Jahrhundert die heutigen „westlichen“ Gesellschaften plötzlich weit nach vorn preschten, die islamischen sich aber kaum weiterentwickelten.

Der Papst hat im heutigen gesellschaftlichen Diskurs kaum noch etwas zu melden. In islamischen Staaten ist aber oft noch die Scharia aus Mohammeds Zeiten Gesetz oder soll gar wieder eingeführt werden. Durch die Globalisierung kommt es so unweigerlich zu massiven Konflikten zwischen den beiden Kulturen. Beispiele sind u.a. Eherecht, Strafrecht, Religionsfreiheit (theoretische), Erziehung (insbes. Sexualerziehung), Evolutionslehre und Vieles mehr. Wir dürfen aber nicht zulassen, dass das aus bitterer Erfahrung erwachsene Grundgesetz jetzt nach und nach ausgehöhlt wird.

Hier muss die Staatsmacht „klare Kante“ zeigen und den Anfängen von Aufweichungen konsequent entgegentreten. So sind – auch männliche – Beschneidungen (von unmündigen Kindern) eine klare Missachtung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit! Schächtungen ohne ausreichende Betäubung sind barbarische Verstöße gegen das Tierrecht! Für Juden und Muslime darf es diesbezüglich keine Sonderrechte geben. Es kann aber auch nicht sein, dass der Staat für christliche Religionsgemeinschaften Steuern einzieht, für jüdische und muslimische aber nicht. Religionen sollten endlich durchweg Privatsache sein!

Wissenschaftlich betrachtet sind Religionen sogar teils demokratieschädliche Irrlehren deren einseitige Vermittlung an Minderjährige(!) untersagt sein sollte. (Die Demokratieschädlichkeit lässt sich anhand von Zitaten aus den einzelnen Glaubensschriften leicht nachweisen.)

Sollte es den PEGIDA-Demonstranten fast ausschließlich um solche Probleme gehen, könnte ich mich ihnen anschließen. Aber ich habe aus den Berichten der „Lügenpresse“ den Eindruck gewonnen, dass viele von ihnen zum Abbau ihrer sozialen Frustration nur einen Sündenbock suchen, die Ursache dafür aber nicht in den Wahlentscheidungen oder NICHT-Wahlentscheidungen Anderer und sich selbst(!) erkennen. Daran tragen die selbsternannten „Volks“-parteien aber eine entscheidende Mitschuld, indem sie mittels Fünf-Prozent-Hürde das Nachwachsen verfassungstreuer kleinerer Parteien zu Gunsten ihres Oligopols unterdrücken.

Ich bin mal gespannt, wie sich die AfD vor der nächsten Bundestagswahl dazu positioniert. Am besten wäre es allerdings, wenn die Altparteien selbst einsichtig werden würden. Dann bliebe nur noch zu hoffen, dass mehr Wahlberechtigte endlich anfangen SELBST zu denken und zwar gründlich.

(„Unter uns gesagt“: Ich mache mir allerdings keine Illusionen, denn wir sind Homo „sapiens“ und daher mit unserer immer komplexer werdenden Welt zunehmend überfordert. Aber „die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt“.)
Peppone
13.01.2015, 14.17 Uhr
Was sind Elitemedien?
Wenn "Elitemedien" bei den von ihnen erwähnten Urlaubern nur Unbehagen erzeugen, wäre es doch nur folgerichtig und vernünftig, dass man etwas anderes liest oder schaut Herr Greiner. Und wir sollten hier nicht so tun, als ob tendenziöse Berichterstattung nur ein Merkmal angeblich staatlich oder anderweitig gelenkter "Elitemedien" wäre.

Diese Form der gezielten Berichterstattung schaffen Sie, Herr Greiner, in diesem Artikel auch ohne staatliche Lenkung locker. Auch Sie bedienen "Ihr" Klientel, genau wie die von ihnen gescholtenen Journalisten es tun. In diesem konkreten Fall und wenig überraschend bedienen Sie ein Klientel, welches sein Weltbild fast ausschließlich aus dem Netz bezieht.

Nur wo soll die Reise hingehen? Digitale Aufgeregtheit kann man zwar zur Kenntnis nehmen aber wie soll man damit umgehen? Wer alle Informationen der Anderen für gelenktes Blendwerk hält, dem ist nicht zu helfen. Die Demokratie wird diese wöchentlichen Versammlungen aushalten. Ob man die Form des Protestes irgendwann noch ernst nimmt, darf zurecht bezweifelt werden.
Wolfi65
13.01.2015, 14.40 Uhr
Das wird sich spätestens...
bei der nächsten Wahl niederschlagen. Die Demos sind die eine Sache. Die Gewalt, welche der Einzelne Wähler mit seinem Kreuz auf dem Wahlzettel hat, die Andere.
Man sollte die Macht des Stiftes oder Kugelschreibers nicht unterschätzen. Siehe Frankreich.
Selbst wenn die Demos jetzt eingestellt und oder auch verboten werden würden, darf sich Merkel und Co. auf einen Wahlsieg in Sachsen wohl nicht mehr freuen.
Wer einen ganzen Landstrich oder ein Bundesland bagatellisiert und kriminalisiert, weil die Meinungen und Ansichten Berlin nicht passen, der wird wohl bald erkennen müssen, dass man wohl den falschen Weg in der Innenpolitik gegangen ist. Man will in Sachsen nicht in den Genuss einer Parallelgesellschaft kommen. Das muss man akzeptieren.
pitti7
13.01.2015, 15.40 Uhr
LIKE!
für diesen artikel, Herr Greiner!

ich selbst bin nicht rechts,eher links,respektiere aber auch die ansichten andersdenkender,auch die der PEGIDA.
die ängste sind nun mal hausgemacht und die folgen werden auf dem rücken der schwächsten ausgetragen.
emmdabbelju
13.01.2015, 15.42 Uhr
Blende auf! gut zu lesen..
Guter Beitrag! Genauer lesen, zuhören, anschauen.. nachdenken.
othello
13.01.2015, 15.44 Uhr
Herr Greiner und Pegida, eine Einheit ?
Den Kommentaren von @ Peppone und @ Jörg B. kann ich nur zustimmen . Aus dem Artikel des Herrn Greiner ergeben sich aber noch einige zusätzliche Aspekte/Fragen , die zu beantworten sind..

Als Befürworter für Pegida führen sie hier die Frau Maron an, die sagt : Pegida ist nicht die Krankheit, ist nur ein Symptom..In dieser Hinsicht gebe ich ihr recht. Auch aus ihrem Munde und auch einiger Politiker ist jetzt immer wieder zu hören, man soll auf diese Menschen zugehen und mit ihnen reden. Unter Pegida versammeln sich aber so viele unterschiedliche Gruppen mit so vielen unterschiedlichen Meinungen, mit wem also soll man hier reden? Die Pegida – Initiatoren sind zu einem solchen Dialog nicht bereit. Herr Greiner !

Sehen Sie sich mal die Kommentare in Ihrer Zeitung an, die von Pegida – Anhängern abgegeben werden ! Glauben sie wirklich, dass man diese teils deutsch – nationalen Leute noch irgendwie überzeugen kann ? Nein, sie sind keine Ausländerfeinde wie sie immer betonen, aber der Ausländer hat sich gefälligst in allen Belangen dem deutschen Wesen anzupassen.

Unter Pegida hat sich eine politische Gemengelage ergeben, die für die Gesellschaft gefährlich ist und diese wird von Ihnen aufgegriffen und noch unterstützt. Dem sollte man entgegen treten und nicht noch Wasser auf deren Mühlen geben. Dieses haben Sie gemacht, Herr Greiner.

Die Zustimmung dieser Pegida – Anhänger und vor allem ihre Kommentare sollten Ihnen doch zu denken geben. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber Ihre Relativierung der Pegida halte ich für bedenklich.

Selbst die Zustände in Nordhausen müssen zur Pegida Begründung in Ihrem Artikel herhalten. Sie kritisieren unterschwellig die Presse, die gelenkt wird. Dazu hat Ihnen @ Peppone schon seine Meinung kund getan. Deshalb frage ich, ob sie diese Behauptungen zur Nordhäuser Politik schon jemals durch Recherchen belegt haben und öffentlich kund getan haben ? Ich behaupte von mir, dass ich in meinen Kommentaren weit mehr die Nordhäuser Verhältnisse kritisiert habe, als Sie.

Wir haben eine sogenannte Freie Presse, die aber nicht frei ist von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen, die Einfluss nehmen. Deshalb ist die Presse so vielfältig in der Meinungsbildung von Rechts bis Links. Deshalb habe ich auch die Freiheit, die Presse zu lesen, die ich möchte und mir selbst eine Meinung zu bilden. Ich kann die „ Bild „ lesen oder aber auch die „ Junge Welt „.

Deshalb mit „Lügenpresse“ aufzuwarten, ist eine Frechheit, gerade wenn sie von einem Journalisten kommt. Auch Ihre Zeitung ist nicht frei , was Sie mit Sperrungen von Kommentaren öfters beweisen. Auch Sie passen sich Ihren Sponsoren an !
Howie
13.01.2015, 16.19 Uhr
Bravo PSG!
Viel mehr gibt es zu dem Beitrag nicht zu sagen. Sehr gut! Mein Kompliment. Dem kann ich mich voll und ganz anschließen.
Leser X
13.01.2015, 16.38 Uhr
Natürlich wird gelogen, Othello...
... und da genügt schon das eine Beispiel der vom Westen installierten Ukraine-Krise. Darin, wie uns vermeintlich blödem Volk diese Krise "erklärt" wurde, liegt m. E. eine ganz wichtige Ursache für die Entstehung von PEGIDA:

Was glauben Sie wohl, warum diese Bewegung im Osten unseres Landes entstand? Die Leute wurden vor der Wende schon mal ganz lange belogen und sie haben einfach genug davon. Deshalb ist die Sensibilität und Empfindlichkeit diesbezüglich hier auch ungleich größer.

Frank Schöbels Nachwende-Song ist heute wieder ganz aktuell: Wir brauchen keine Lügen mehr!
Ickarus
13.01.2015, 16.48 Uhr
@ otheollo
Ganz klarer und deutlicher Widerspruch gegen Ihre Äußerung!!

Sie schreiben die Presse berichten von Rechts bis Links, falsch, denn es wird einseitig und gesteuert gegen PEGIDA und allen friedlichen Bürgern die daran teilnehmen gehetzt! Aber auf der anderen Seite sämtliche Provokationen, Beleidigungen und Angriffe der Linke Szene gegen friedliche Bürger verschwiegen!

Sie schreiben das jeder das Recht hat sich zu äußern, wollen aber genau dies hier und wahrscheinlich auch gern im ganzen Volk unterbinden und diffamieren hier wie kaum ein anderer!

Sie schreiben das PEGIDA zu keinem Dialog bereit ist, auch dies ist wieder falsch, denn in der vergangenen Woche kam es zu einem Treffen der PEGIDA Organisatoren und der AFD, welche sich als einzige Partei diesem Dialog öffnet und die Sorgen der Bürgen ernst nimmt!

Sie schreiben PEGIDA sei eine Gemengelage die gefährlich für die Gesellschaft, ebenso falsch, denn das einzige was dem deutschen Volk gefährlich wird sind radikale Islamisten, die durch Ihre Taten und die Angst der Bevölkerung unterdrücken will!

Wie aber aus sämtlichen Ihrer Kommentare gegen die PEGIDA Anhänger hervorgeht, sind genau Sie das Problem, denn wie man immer deutlicher feststellen kann sind sie völlig desinformiert was PEGIDA betrifft und versuchen hier durch Verurteilungen auf sich aufmerksam zu machen!

Darum, Daumen hoch für diesen Artikel von Herrn Greiner und absolute Zustimmung!!
I.H.
13.01.2015, 16.58 Uhr
Ist Zeitung lesen eigentlich Pflicht?
Gehört der LeserX zu den Urlaubern, die sich bei PSG beschwert haben, dass nicht das in der Zeitung stand was sie gerne lesen wollten? Wenn man den ganzen Quatsch liest könnte man denken, dass Lügenpr... äh Mainstreampresse Pflichtlektüre wäre.

Eins muss man Pegida und den Fans lassen, der Unterhaltungswert liegt nur knapp unter Titanic. Und Titanic liegt nur vorn, weil die schickere Bildchen haben.:)
Von um die Ecke
13.01.2015, 18.32 Uhr
Endlich Klartext
Herr Greiner, vielen Dank für ihr Entscheidung, diesen Artikel zu schreiben.
Die mediale dauer Beleidigung der Bürger, die sich Sorgen machen um unser Deutschland, ist nicht mehr zu ertragen.
Sagt man seine Meinung, zu Themen, die Links/grüne Gutmenschen für sich reserviert und mit ihrer multikultieinheitsbrühe begossen haben, landet man automatisch in der Nazi Ecke.

Bei der Bundeskanzlerin angefangen bis hin zum unfähigsten Stadtrat von Nordhausen, wird verbal alles nieder geknüppelt. Selbst hier in den Kommentaren, wird gegen "deutsch - nationale" gewettert.

Ich kann nichts schlimmes an der Deutschen Nation sehen, wohl aber an denen, die sie abschaffen wollen.

Ich unterstütze pegida, nicht weil ich alles gut finde was und wie sie es fordern, sondern weil man versucht ihnen den Mund zu verbieten.
Mathias Freudenberg
ulle63
13.01.2015, 18.42 Uhr
PEGIDA
Super Herr Greiner endlich schreibt mal jemand Klartext hoffe das lesen auch unsere ehrenwerten Politiker die eigentlich nur noch ihre Felle wegschwimmen sehen und sich selbst nur darstellen aber dabei allzu oft die Augen schliessen!!! Danke nochmals für diesen Artikel!
Wolfi65
13.01.2015, 18.43 Uhr
Es freut mich unendlich...
dass ein Großteil der Menschen in diesem Lande aufgewacht sind.
Es hat viele lange Jahre gedauert, doch irgendwann ist das Maß voll.
Um Deutsch zu sein und Angst um sein Land zu haben, deswegen muss man sich nicht beleidigen lassen.
So viele Jahre sind nutzlos verstrichen......
Paulinchen
13.01.2015, 20.29 Uhr
Was ist denn nun eigentlich ehrlich gemeint?
Die Gegenwart der Muslime und Juden beim Gedenken der Opfer von Paris in Berlin, habe ich zunächst als ehrlich empfunden. Doch beim Lesen der Zeitung 20 min ch.online sind mir an der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit erhebliche Zweifel aufgekommen. Die Zeitung zeigt ein Foto aus Paris, bei dem unsere Bundeskanzlerin Merkel, die Bundespräsidentin Sommaruga der Schweiz und die Bürgermeisterin von Paris zu sehen sind.

Dieses gemeinsame Bild ging ja auch um die Welt. Doch leider gibt es auch eine jüdische Gruppe, die Frauen in politischen Ämtern nicht wünscht. Denn die ultraorthodoxe jüdische Zeitung „Hamodia“ (der Verkünder) hat die genannten Frauen mal ganz fix aus den Fotos seiner Zeitung entfernt. Somit hat der franz. Präsident Hollande nicht mehr unsere Kanzlerin am Arm, sondern den israelischen Präsidenten Netanjahu. Die anderen beiden Damen sind nahezu ersatzlos verschwunden.

Ist somit die Anwesenheit und die Anteilnahme der Juden nur Heuchelei gewesen? In welcher Ecke stehen die denn nun, wenn für sie die PEGIDA- Bekenner so weit rechts stehen, dass sie bald runterfallen? Sind den Juden die Frauen nichts wert, müssen sich deren Frauen deshalb auch verhüllen und Männern nie die Hand reichen. (so gestern Abend bei Plasberg. Der Frau Hübsch war es anzusehen, dass es ihr eine große Überwindung war, Herrn Plaßberg zum Schluss die hand zu reichen)

Es ist für mich an der Zeit, dass sich diese Religion uns gegenüber so tolerant zeigt, wie sie es von uns erwartet.
brazil
14.01.2015, 06.58 Uhr
was für ein guter Artikel
Es ist ja kein Kommentar im eigentlichen Sinne, den ich hier schreiben möchte. Aber vielleicht dennoch zulässig. Was für ein unerwartet guter und treffender Artikel. Einfach mal ganz große Anerkennung dafür.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
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