nnz-tv Eichsfelder Nachrichten Kyffhäuser Nachrichten Mansfeld-Südharz-Zeitung Unstrut-Hainich Zeitung
Mo, 10:10 Uhr
07.07.2014

Verantwortung für Gesellschaft? Nein, danke!

Deutsche Unternehmen haben noch erheblichen Nachholbedarf dabei, gesellschaftliche Verantwortung strategisch und praktisch umzusetzen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung...


In 73 Prozent der Unternehmen befürworten zwar Vorstand und Geschäftsführung Aktivitäten, mit denen sie gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Allerdings integrieren lediglich 39 Prozent der Firmen Corporate-Responsibility-Maßnahmen in ihre Geschäftsprozesse und Wertschöpfungsketten. Dies geht aus dem erstmals aufgelegten CRI Corporate Responsibility Index der Bertelsmann Stiftung hervor.

Der Index bewertet nicht nur, wie verantwortlich Unternehmen handeln, sondern fragt erstmals danach, wie diese Verantwortung unternehmensintern verankert, gelebt und umgesetzt wird. Während in vielen Unternehmen die „gesellschaftliche Verantwortung“ oftmals nur fragmentarisch gelebt wird, ist sie in 10 Prozent der untersuchten Betriebe nahezu überall Bestandteil der Gesamtstrategie. Was die Besten auszeichnet: Das Top-Management trägt diese Strategie, CR ist Aufgabe hoher Leitungsfunktionen, eine Wertekultur ist in allen Unternehmensbereichen erkennbar, CR-Ziele sind klar definiert, und die Zielerreichung wird gemessen.

Die Motive für CR-Aktivitäten sind in erster Linie von wirtschaftlichen Interessen geprägt. Im Vordergrund steht die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern und damit die Erschließung von Absatz- und Arbeitsmärkten. Weitere Gründe sind, sich von der Konkurrenz abzuheben und das eigene Image zu verbessern. 62 Prozent der Unternehmen bezeichnen Corporate Responsibility als wichtig oder sehr wichtig für den betriebswirtschaftlichen Erfolg und für strategisch bedeutsam. Erst 42 Prozent der Unternehmen verfügen jedoch bereits über eine ausformulierte CR-Strategie, die Teil der Gesamtstrategie ist.

Als Treiber für CR-Aktivitäten immer bedeutender wird das Thema Ressourcen-Effizienz. Haben Unternehmen ihre Innovationskraft früher auf die Produktivität von Arbeit konzentriert, geht es heute vielfach stärker darum, schonend mit Ressourcen umzugehen. Als häufigstes Ziel von CR-Aktivitäten nennen die Unternehmen die Reduktion ökologischer Belastungen (67 Prozent) die Wirkung ist meist gut messbar und hilft, Kosten zu sparen. Der schonende Umgang mit der Ressource Arbeitskraft ist ebenfalls wichtig. 53 Prozent der Unternehmen verfolgen das Ziel, Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitgeberattraktivität (39 Prozent) zu steigern.

Vor allem die Kunden üben deutlichen Druck aus auf die Unternehmen im produzierenden Gewerbe, bei Konsumgütern und im Bereich Transport und Logistik. In der Finanzbranche steigt vor allem der Druck der Investoren auf die Unternehmen, gesellschaftlich verantwortlich zu handeln. „Unternehmen sollten sehr viel stärker mit ihren wichtigen Partnern und Kunden in Dialog treten, um die CR-Aktivitäten zielführend zu gestalten. Denn je besser sie deren Erwartungen entsprechen, desto höher ist die Akzeptanz“, sagte Birgit Riess, Expertin der Bertelsmann Stiftung für das Thema Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen.

Von den 169 großen und mittelständischen Unternehmen, die sich an der Untersuchung beteiligten, überzeugte die Wissenschaftler vor allem der Automobilhersteller BMW. Als weitere Branchenbeste benennt der CRI die DZ Bank unter den Finanzdienstleistern, Hamburg Airport unter den Logistikunternehmen, die Jungheinrich Aktiengesellschaft unter den Maschinen- und Anlagenbauern, die LR Gebäudereinigung GmbH unter den Dienstleistungsunternehmen, die Lebensbaum Ulrich Walter GmbH aus der Gruppe der mittelständischen Unternehmen und die Phoenix Contact GmbH in der Kategorie Familienunternehmen.

Über den Corporate Responsibility Index CRI

Der CRI Corporate Responsibility Index der Bertelsmann Stiftung, der Universität Bayreuth und der concern GmbH untersucht erstmals die relevanten Erfolgsfaktoren unternehmerischer Verantwortung. Damit liegt ein Mess- und Steuerungsinstrument vor, das die Qualität der Umsetzung von Unternehmensverantwortung abbildet. Mit 169 befragten Unternehmen ist der CRI 2013 die bisher umfangreichste Benchmark-Studie zum CR-Management deutscher Unternehmen. Die Stichprobe umfasst sowohl Großunternehmen als auch mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen.

Der CRI Corporate Responsibility Index wird alle zwei Jahre erstellt und ermöglicht Zeitreihenvergleiche sowie das Aufzeigen relevanter Entwicklungen und Trends im CR-Management. In den Jahren zwischen den Erhebungen werden für die teilnehmenden Unternehmen individuelles Feedback und ein Peer-to-Peer Erfahrungsaustausch angeboten. Somit steht erstmals ein aussagekräftiges, praxisorientiertes und auf Dauer angelegtes Benchmarking-Instrument für CR in Deutschland zur Verfügung.

Die komplette Studie zum CRI Corporate Responsibility Index 2013 der Bertelsmann Stiftung erhalten Sie unter www.bertelsmann-stiftung.de. Die nächste Befragung wird im Herbst 2014 stattfinden.
→ Druckversion
← zum Nachrichtenüberblick

Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.
→ Kommentar hinzufügen



Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.

 
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.