Fr, 11:02 Uhr
14.03.2014
Mehr depressive Jugendliche in Thüringen
Wenn junge Seelen leiden: In thüringischen Krankenhäusern landen immer mehr depressive Kinder und Jugendliche. Innerhalb von zwölf Jahren ist die Zahl der stationären Behandlungen von Patienten zwischen 10 und 19 Jahren um das Dreifache gestiegen. Darüber informiert die DAK-Gesundheit mit Bezug auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts für die Jahre 2000 bis 2012...
Als eine der Ursachen für den Anstieg sehen Experten eine größere Sensibilität in der Bevölkerung für seelische Leiden.
2012 zählten die thüringischen Krankenhäuser 208 Fälle unter den 10- bis 19-Jährigen, im Jahr 2000 dagegen nur 61. Damit fällt der Anstieg in Thüringen nicht so drastisch aus wie im Bundesgebiet, wo sich die Zahlen im gleichen Zeitraum versechsfacht haben. Im Verhältnis zur Gesamtzahl im Bund ist der thüringische Anteil seit dem Jahr 2000 sogar um mehr als ein Prozent zurückgegangen, von 2,8 auf 1,7 Prozent (2012). Als Grund kommt nach Expertenmeinung die wachsende Zahl niedergelassener Kinder- und Jugendpsychotherapeuten in Thüringen in Betracht. Wie in sämtlichen Bundesländern gab es auch in Thüringen deutlich mehr weibliche als männliche Betroffene. Mit 67,8 Prozent entsprach der Anteil der Mädchen und jungen Frauen dem Bundesdurchschnitt.
Für den kontinuierlichen Anstieg nennen Experten verschiedene Gründe, unter anderem eine verbesserte Diagnostik. Zudem lässt sich ein veränderter gesellschaftlicher Umgang mit Depressionen feststellen. Heute ist es kein Makel mehr, wenn jemand an einer Depression erkrankt, sagt Steffi Steinicke, Landeschefin für Thüringen. Als weiteren Grund für die massiven Zuwachsraten sehen Experten den steigenden Leistungsdruck. Die schulischen Belastungen haben stark zugenommen, erklärt Steinicke. Keine stichhaltige Erklärung gibt es für das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Fachleute vermuten, dass geschlechtsspezifische Rollenbilder Mädchen und junge Frauen stärker belasten als männliche Altersgenossen.
Nach Einschätzung von Medizinern werden Depressionen im Kindes- und Jugendalter noch immer zu oft übersehen. Häufig tut man sie als pubertäres Stimmungstief ab, sagt Steinicke. Doch vielfach verbirgt sich dahinter eine behandlungsbedürftige Krankheit, von der im Durchschnitt jeder 20. Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr betroffen ist. Eine Depression kann wenige Wochen, aber auch mehrere Jahre dauern. Typische Merkmale sind extreme Stimmungsschwankungen, vermindertes Selbstvertrauen, Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen. Die meisten Fälle werden ambulant behandelt. Nur bei gravierenden Indikationen wie Suizidgefahr raten Fachleute zu einem Klinikaufenthalt. Bildquelle: Jorma Bork / PIXELIO
Autor: redAls eine der Ursachen für den Anstieg sehen Experten eine größere Sensibilität in der Bevölkerung für seelische Leiden.
2012 zählten die thüringischen Krankenhäuser 208 Fälle unter den 10- bis 19-Jährigen, im Jahr 2000 dagegen nur 61. Damit fällt der Anstieg in Thüringen nicht so drastisch aus wie im Bundesgebiet, wo sich die Zahlen im gleichen Zeitraum versechsfacht haben. Im Verhältnis zur Gesamtzahl im Bund ist der thüringische Anteil seit dem Jahr 2000 sogar um mehr als ein Prozent zurückgegangen, von 2,8 auf 1,7 Prozent (2012). Als Grund kommt nach Expertenmeinung die wachsende Zahl niedergelassener Kinder- und Jugendpsychotherapeuten in Thüringen in Betracht. Wie in sämtlichen Bundesländern gab es auch in Thüringen deutlich mehr weibliche als männliche Betroffene. Mit 67,8 Prozent entsprach der Anteil der Mädchen und jungen Frauen dem Bundesdurchschnitt.
Für den kontinuierlichen Anstieg nennen Experten verschiedene Gründe, unter anderem eine verbesserte Diagnostik. Zudem lässt sich ein veränderter gesellschaftlicher Umgang mit Depressionen feststellen. Heute ist es kein Makel mehr, wenn jemand an einer Depression erkrankt, sagt Steffi Steinicke, Landeschefin für Thüringen. Als weiteren Grund für die massiven Zuwachsraten sehen Experten den steigenden Leistungsdruck. Die schulischen Belastungen haben stark zugenommen, erklärt Steinicke. Keine stichhaltige Erklärung gibt es für das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Fachleute vermuten, dass geschlechtsspezifische Rollenbilder Mädchen und junge Frauen stärker belasten als männliche Altersgenossen.
Nach Einschätzung von Medizinern werden Depressionen im Kindes- und Jugendalter noch immer zu oft übersehen. Häufig tut man sie als pubertäres Stimmungstief ab, sagt Steinicke. Doch vielfach verbirgt sich dahinter eine behandlungsbedürftige Krankheit, von der im Durchschnitt jeder 20. Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr betroffen ist. Eine Depression kann wenige Wochen, aber auch mehrere Jahre dauern. Typische Merkmale sind extreme Stimmungsschwankungen, vermindertes Selbstvertrauen, Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen. Die meisten Fälle werden ambulant behandelt. Nur bei gravierenden Indikationen wie Suizidgefahr raten Fachleute zu einem Klinikaufenthalt. Bildquelle: Jorma Bork / PIXELIO

