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Mi, 06:32 Uhr
01.08.2012

Treffen mit einer Legende

Wenn Extremwanderer den Harz vom 10. bis 12. August zum fünften Mal in West-Ost-Richtung über 147 km nonstop durchqueren, erreichen sie den Brocken in etwa zu der Zeit, in der auch der legendäre Brocken-Benno auf dem höchsten Harz-Gipfel steht. So wie im vergangenen Jahr...

Brocken-Benno, Autor Schwarzberg (Foto: privat) Brocken-Benno, Autor Schwarzberg (Foto: privat)

Beim 6. Harz-Hunderter EXTREM vor einem Jahr trafen wir ihn zufälligerweise bei unserem Abstieg im Eckerloch. In diesem Jahr soll die Begegnung nicht zufällig erfolgen. Da einige meiner Wanderfreunde zwar schon viel vom Weltrekordhalter im Brockenbesteigen gehört, ihn aber noch nie persönlich getroffen haben, bat ich ihn in einem Telefonat um ein Treffen am 11. August.

Das Gespräch gestern abend dauerte aber viel, viel länger als geplant, was sicher auch daran lag, dass sich der Wernigeröder trotz seiner vielen Begegnungen noch gut an unser letztjähriges Zusammentreffen erinnern konnte. Auch damals schrieb ich u.a. in der nnz dazu und ließ ihm Kopien der Beiträge zukommen.

Ebenso wie ich, schätzt der bekannte Wanderer die Publikation seiner Touren in den Medien, und auch von unserer kommenden, gemeinsamen Wanderpause werde ich wieder an dieser Stelle berichten. Am 13.08.2011, dem Tag unseres letzten Zusammentreffens im Eckerloch, hatte Brocken-Benno seinen Hausberg gerade zum 6.427. Mal in Angriff genommen. Gestern, (31.07.) bestieg er den Berg zum 6.732. Mal. Im Frühjahr feierte er seinen 80. Geburstag und den 6.666. Aufstieg. Den 7.000. hat er bereits ins Visier genommen. Vom 10.000. indes mag er noch nicht unbedingt sprechen. Er mache keine langfristigen Pläne und niemand könne ja wissen, ob er mit 90 immer noch an weit mehr als 300 Tagen im Jahr zum höchsten Gipfel auf seinem Breitengrad bis zum Ural aufbrechen werde.

Mich haben schon immer ältere Menschen interessiert, die bezogen auf die Anzahl ihrer Lebensjahre im Verhältnis zu Altersgenossen weit überdurchschnittliche geistige und körperliche Leistungen vollbringen. Auch in der 100-km-Wandererszene gibt es Teilnehmer, die zwischen 70 und 78 Jahren alt sind und noch immer diese Distanz am Stück bewältigen können.

Als mir bekannter ältester 100-km-Wanderer fällt mir der damals 81-jährige Achim Schubert aus dem Vogtland ein. Er hörte vor einem Jahr offiziell mit den langen Kanten auf, hatte aber noch zu seinem 80. den Kilimandscharo bestiegen.

Brocken-Benno erzählte mir, dass er noch vor zehn Jahren nur eine Stunde von Schierke bis zum Brocken brauchte, jetzt seien es knapp zwei Stunden. Er habe keinerlei körperliche Beschwerden, also auch nicht in den Gelenken. Nur vor drei Jahren habe es ihn schwer getroffen, als er sich einer Prostata-OP unterziehen musste.

Sieben Wochen musste der Brocken ohne seinen prominentesten Wanderer auskommen, dann aber bestieg er ihn wieder so gut wie täglich. Der Tumor kehrte nicht zurück. Sich nie aufzugeben, danach lebt der 80-jährige. Ich kenne diese Einstellung auch von meinen betagten Wanderfreunden der kleinen 100-km-Szene. Alle verfügen über eine ausgesprochene Lebensbejahung und über Selbstdisziplin. Vor allem aber haben sie immer noch Ziele.

Dennoch räumte Brocken-Benno mir gegenüber ein, dass er, wie es eine Zeitung geschrieben haben soll, "vernünftiger" geworden sei. Bei einem Meter frisch gefallenem Schnee werde er sich künftig nicht mehr unbedingt früh von Wernigerode auf die nicht immer ungefährliche Fahrt nach Schierke und dann hinauf zu seinem Berg begeben.

Allerdings wird er es sich auch weiterhin nicht nehmen lassen, gegebenenfalls der erste Wanderer zu sein, der das tief verschneite Eckerloch begeht, hüfthohes Einsacken inklusive. Auch nehme er neuerdings einen Stock mit zum Wandern. Dass das nichts Ehrenrühriges ist, bestätigte ich ihm damit, dass ich selbst schon lange auch stets einen Teleskopstock zumindest im Rucksack mit mir führe, wenn es auf die langen Strecken geht.

Natürlich ließ es sich Brocken-Benno auch nicht nehmen, mir von seinem wichtigsten Geschenk zum 80. zu erzählen. Freunde stifteten ihm eine Granit-Bank, die nun neben dem Gedenkstein an die Brockenbefreier vom 3.12.1989 ihren Platz hat. Mit entsprechender Gravur, versteht sich, die auf seinen Wunsch hin auch die genannten Freunde würdigt.

Die Bank werden wir uns am Morgen des 11. August garantiert anschauen. Dann haben wir bereits 46 km und eine Nacht hinter uns und können uns damit motivieren, dass es auf den verbleibenden 101 km tendenziell ausschließlich bergab geht. Bis zum Ziel in Lutherstadt Eisleben.

Noch nicht geklärt jedoch ist der Ort des Treffens mit Benno. Nach unserem Zeitplan sind wir um 9 Uhr oben, Brocken-Benno aber meist erst gegen 11. Wir haben in unserem Gespräch daher wieder das Eckerloch in die engere Wahl gezogen. Auf der sehr informativen Seite www.brocken-benno.de finden Sie, liebe nnz-Leser, stets das Neueste zum bekanntesten Brockenwanderer.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnz

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