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Mo, 15:40 Uhr
16.05.2011

Interessantes über Nordhausens Straßen

Eine Power-Point-Präsentation über Nordhäuser Straßen stand beim Themenabend im Mai des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein auf dem Programm. Die nnz war mitten unter den Zuhörern.


„Siedlungen sind naturgemäß dort entstanden, wo es Wasser, Nahrung und Sicherheit gab. Sie verliehen den Menschen Geborgenheit, Stärke und Freiheit. So auch in Nordhausen, wo noch Teile der ehrwürdigen Stadtmauer erhalten geblieben sind“, so Vorstandsmitglied Rainer Hellberg zu Beginn seiner Power-Point-Präsentation.

Die Straßen und Gassen der Freien Reichsstadt Nordhausen waren bis ins 18. Jahrhundert eng und winklig. Man rückte die Häuser dicht aneinander, um zum einen die vorhandenen Flächen voll auszunutzen und um zu anderen auch den kalten Winden nur minimale Angriffsfläche zu bieten.

Selbstredend konnten sich deshalb auch Feuersbrünste in den verwinkelten Gassen schnell ausbreiten, so z.B. 1710, als ein großer Brand den ganzen westlichen Teil der Oberstadt vernichtete.

In die Gassen, in denen sich nicht selten Schweine und Geflügel tummelten, wurde aller Unrat geleitete. Nur den Fleischern war es schon im Mittelalter verboten, mit Blut und Abfall die Straßen zu verunreinigen. Dass diese unzulänglichen hygienischen Verhältnisse zu ansteckenden Krankheiten wie Cholera und Pest führten, war die logische Folge. Die Zustände besserten sich erst im Laufe des 18. Jahrhunderts, als man in Nordhausen daran ging, weitere Straßen zu pflastern.

Anhand zahlreicher Straßenbilder und Stadtplänen zeigte Hellberg die Entwicklung der Straßen auf. So befand sich beispielsweise in der Straße Johannistreppe die Wiege des Nordhäuser Maschinenbaus als Oscar Kropff Ende der 1850er Jahre seine Kupferschmiede (1841 gegründet) von der Kutteltreppe an die Johannisttreppe 1 verlegte und dort zuerst Feuerwehrspritzen und später die „Aktiengesellschaft für Fabrikation von Eismaschinen, Mineralwasser- und sonstige Apparaten, vorm. O. Kropff“ gründete.

Es war eine der ersten AGs, die in Nordhausen entstanden ist. Bis zu 150 Beschäftigte arbeiteten bei Kropff. Nach seinem Tod 1883 kam das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten und wurde 1885 von „Schmidt, Kranz und Co.“ übernommen. Zahlreiche weitere Unternehmen siedelten sich ebenfalls dort an. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist vielen der Name „Hetzel“ noch ein Begriff, der Unternehmer handelte dort mit Metallen, Kohlen und Maschinen.

Hellberg berichtete auch über die Inbetriebnahme der Gasanstalt und damit einhergehend die Einführung der Straßenbeleuchtung 1858, über den Beginn des Elektrizitätszeitalters in Nordhausen und die zunehmende Industrialisierung in der Stadt, mit der auch der Bau neuer Straßen verbunden war. So erwarb der Nordhäuser Bau- und Sparverein 1929 ein Grundstück in der Schärfgasse und erbaute dort bis 1931 den Bingerhof. In den 1930er Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt der städtischen Bautätigkeit in die so genannten Stadtrandsiedlungen nahe der Hesseröder Landstraße und nach Salza. Der Referent ging auch auf die Zerstörung Nordhausen im April 1945 und den Wiederaufbau der Stadt ein.

Im zweiten Teil seines Vortrages widmete sich Hellberg den postalischen Adressen und der wachsenden Anzahl der Straßen in der Stadt. So gab es 1824 insgesamt 68 Straßen, 1882 waren es schon 142, im Jahre 1927 gab es 178. Heute sind über 385 Straßen und Plätze in Nordhausen (ohne die nach 1990 eingemeindeten Stadtteile) registriert. Jede der Straßenbezeichnungen verkörpert bestimmte Etappen der politischen und ökonomischen Entwicklung der über 1080-jährigen Stadt.

Im Anschluss an den Vortrag stellte sich Hellberg den Fragen den vielen Anwesenden.
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