Do, 12:23 Uhr
28.04.2011
Vielleicht mit weniger Emotionen?
Nach mehrwöchiger Unterbrechung, die dem Sammeln von Unterschriften für einen "Atomausstieg" der EVN diente, wollen die Organisatoren der Mahnwache am kommenden Montag wieder zusammenkommen. Wir haben beim kommunalen Unternehmen mal nachgefragt...
"Zunächst einmal ist dieses Thema viel zu wichtig, als dass man es ständig auf emotionaler Ebene behandelt. Eine etwas differenziertere und weniger aufgeregte Betrachtung wäre sicherlich nicht falsch. Im Übrigen scheint man völlig vergessen zu haben, dass der Ausstieg aus der Kernenergie längst beschlossene Sache ist. Insoweit gibt es überhaupt keinen Dissens. Darüber sollte auch die Diskussion über den Zeitraum des Ausstiegs nicht hinwegtäuschen. Es muss ein Weg gefunden werden, der allen Aspekten Rechnung trägt", sagt EVN-Geschäftsführer Hans-Peter Dörflinger im Gespräch mit der nnz.
Dass die Energiezukunft überwiegend regenerativ sein wird, stellt auch in der Straße der Genossenschaften niemand ernsthaft in Frage. Aber der Umstieg muss aus Sicht der Fachleute so erfolgen, dass er technisch sinnvoll und wirtschaftlich trag- und finanzierbar ist und damit ist sowohl die Wirtschaft als auch jeder Einzelne gemeint. Es werde keinen Königsweg geben, ein Jeder werde seinen ganz persönlichen (auch finanziellen) Beitrag zu leisten haben. Wie groß dieser ausfällt, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös sagen. Zu viele Unbekannte gibt es noch in der Rechnung.
"Was unseren kleinen Kosmos hier in Nordhausen betrifft, so wird dem aufmerksamen Beobachter nicht entgangen sein, dass die EVN vom ersten Tag ihrer Gründung an Ressourcen schonende und höchst effiziente Energiewirtschaft betreibt. Auch deshalb ist der Energiemix in Nordhausen so positiv. Heute sind es nicht einmal mehr 6 Prozent des Stromes, der aus Kernkraftwerken stammt (Bundesdurchschnitt rd. 24 %). Dieser Anteil wird zukünftig kontinuierlich weiter sinken, denn das Engagement der EVN im alternativen Bereich geht unvermindert weiter. Aber, auch das sei gesagt, immer unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Das sind wir unseren Gesellschaftern, aber auch den Menschen, die in unserem Unternehmen arbeiten, schuldig", so Dörflinger.
Selbstverständlich habe aber auch die EVN Lieferverträge zu erfüllen. Um es klar zu sagen, "es gibt keinen Schalter, den man nur umlegen muss und schon ist die Energiewende vollzogen. Es ist und bleibt ein Prozess. Diese Erkenntnis muss in der Diskussion wieder Platz greifen", beschreibt es der EVN-Geschäftsführer im nnz-Gespräch. Auch muss die Einteilung der Menschen aufhören, die alle die, die für alternative Energien sind, als Gutmenschen und alle anderen als Schlechtmenschen betrachten."
Der gegenseitige Respekt und auch das Geltenlassen einer anderen Meinung werden zur Versachlichung der Diskussion beitragen. Und dann ist da noch eine Facette, die von den Sofort-Aussteigern immer mal gern wieder unterschlagen wird: Ökostrom ist eben teurer. In Nordhausen - auch das ist ein Fakt - wird er kaum nachgefragt. In all den Jahren, da die Nordhäuser Energieversorgung einen Ökostromtarif angeboten hatte, gab es von den Kunden kaum ein Interesse.
Der Autor dieser Zeilen ist nicht gegen alternative Energien, nur muss betrachtet werden, welcher Preis momentan beim Schalterumlegen dafür gezahlt werden müsse, rechnet man zum Beispiel die Subventionen mal aus der Aufstellung raus. Ich persönlich möchte nicht ab dem kommenden Jahr 30, 40 oder 50 Cent für eine Kilowattstunde zahlen. Und die meisten Nordhäuser ebenfalls nicht. Die Menschen, die in den vergangenen Tagen ihre Unterschrift für einen schnellen Ausstieg der EVN aus Atomstrom geleistet haben, ob die wohl letztlich bereit wären, einem weit höheren Preis zu zahlen. Auch jetzt - nach Fukushima?
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz"Zunächst einmal ist dieses Thema viel zu wichtig, als dass man es ständig auf emotionaler Ebene behandelt. Eine etwas differenziertere und weniger aufgeregte Betrachtung wäre sicherlich nicht falsch. Im Übrigen scheint man völlig vergessen zu haben, dass der Ausstieg aus der Kernenergie längst beschlossene Sache ist. Insoweit gibt es überhaupt keinen Dissens. Darüber sollte auch die Diskussion über den Zeitraum des Ausstiegs nicht hinwegtäuschen. Es muss ein Weg gefunden werden, der allen Aspekten Rechnung trägt", sagt EVN-Geschäftsführer Hans-Peter Dörflinger im Gespräch mit der nnz.
Dass die Energiezukunft überwiegend regenerativ sein wird, stellt auch in der Straße der Genossenschaften niemand ernsthaft in Frage. Aber der Umstieg muss aus Sicht der Fachleute so erfolgen, dass er technisch sinnvoll und wirtschaftlich trag- und finanzierbar ist und damit ist sowohl die Wirtschaft als auch jeder Einzelne gemeint. Es werde keinen Königsweg geben, ein Jeder werde seinen ganz persönlichen (auch finanziellen) Beitrag zu leisten haben. Wie groß dieser ausfällt, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös sagen. Zu viele Unbekannte gibt es noch in der Rechnung.
"Was unseren kleinen Kosmos hier in Nordhausen betrifft, so wird dem aufmerksamen Beobachter nicht entgangen sein, dass die EVN vom ersten Tag ihrer Gründung an Ressourcen schonende und höchst effiziente Energiewirtschaft betreibt. Auch deshalb ist der Energiemix in Nordhausen so positiv. Heute sind es nicht einmal mehr 6 Prozent des Stromes, der aus Kernkraftwerken stammt (Bundesdurchschnitt rd. 24 %). Dieser Anteil wird zukünftig kontinuierlich weiter sinken, denn das Engagement der EVN im alternativen Bereich geht unvermindert weiter. Aber, auch das sei gesagt, immer unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Das sind wir unseren Gesellschaftern, aber auch den Menschen, die in unserem Unternehmen arbeiten, schuldig", so Dörflinger.
Selbstverständlich habe aber auch die EVN Lieferverträge zu erfüllen. Um es klar zu sagen, "es gibt keinen Schalter, den man nur umlegen muss und schon ist die Energiewende vollzogen. Es ist und bleibt ein Prozess. Diese Erkenntnis muss in der Diskussion wieder Platz greifen", beschreibt es der EVN-Geschäftsführer im nnz-Gespräch. Auch muss die Einteilung der Menschen aufhören, die alle die, die für alternative Energien sind, als Gutmenschen und alle anderen als Schlechtmenschen betrachten."
Der gegenseitige Respekt und auch das Geltenlassen einer anderen Meinung werden zur Versachlichung der Diskussion beitragen. Und dann ist da noch eine Facette, die von den Sofort-Aussteigern immer mal gern wieder unterschlagen wird: Ökostrom ist eben teurer. In Nordhausen - auch das ist ein Fakt - wird er kaum nachgefragt. In all den Jahren, da die Nordhäuser Energieversorgung einen Ökostromtarif angeboten hatte, gab es von den Kunden kaum ein Interesse.
Der Autor dieser Zeilen ist nicht gegen alternative Energien, nur muss betrachtet werden, welcher Preis momentan beim Schalterumlegen dafür gezahlt werden müsse, rechnet man zum Beispiel die Subventionen mal aus der Aufstellung raus. Ich persönlich möchte nicht ab dem kommenden Jahr 30, 40 oder 50 Cent für eine Kilowattstunde zahlen. Und die meisten Nordhäuser ebenfalls nicht. Die Menschen, die in den vergangenen Tagen ihre Unterschrift für einen schnellen Ausstieg der EVN aus Atomstrom geleistet haben, ob die wohl letztlich bereit wären, einem weit höheren Preis zu zahlen. Auch jetzt - nach Fukushima?
Peter-Stefan Greiner

