Mo, 07:03 Uhr
07.03.2011
PPS: Der Doktor und das liebe Volk
Noch einmal nimmt sich Jürgen Wiethoff dem Thema des Herrn von und zu Guttenberg an. Und wieder kommt der Autor nicht umhin einige interessante Fragen zu stellen.
Mit diesen drei Veröffentlichungen unter diesem Titel bin ich nicht angetreten, um Karl-Theodor zu Guttenberg zu ent- oder belasten. Mehrere Kommentatoren haben das auch erkannt. Danke an alle, welche mich auch zu weiterem Denken und Recherchieren angeregt haben. Es sollte durch Fragestellungen und Auswertung der Antworten in den Medien Ursache und Wirkung voneinander getrennt werden.
Die von vielen erhoffte Wirkung ist nun eingetreten und wir können uns noch einmal entspannt den Ursachen zuwenden: Fakt ist, eine Doktorarbeit, abgegeben an der Uni Bayreuth, wurde vor fast vier Jahren mit summa cum laude (der Bestnote) bewertet. 2011 hat die Uni nach massiver Einwirkung von außen festgestellt, dass diese Arbeit nicht akzeptable Mängel enthält und den falschen Doktor auf dessen eigenen Wunsch aberkannt. Alles in allem ein Vorgang, der mir unerklärlich ist und bisher unvorstellbar war. Professoren, die – teilweise schon deutlich nach Erreichen des Rentenalters, also nach Ablauf ihrer Karriere - nicht oder nicht mehr in der Lage sind, ein Plagiat von einem Original zu unterscheiden und selbst nach Aufdeckung eines solchen Plagiats die Arbeit von ihrem fast allerbesten Studenten noch verteidigen, haben ihren Ruf verspielt und ein Disziplinarverfahren nach allen Regeln der Kunst verdient.
Inzwischen hat sich auch der 2. Gutachter der Doktorarbeit von KT, Professor Rudolf Streinz, zu Wort gemeldet. Seine Stellungnahme lautete in Kurzfassung: Er habe dem Erstgutachter (Doktorvater) zu sehr vertraut. Er hat erst seit ganz kurzer Zeit eine Software zur Plagiatskontrolle zur Verfügung. Die Verteidigung der Arbeit sei von dem Einreichenden, also KT, ganz souverän bestanden worden und dieser habe den Eindruck erweckt, mit dem Thema sehr vertraut zu sein. Prof. Streinz im Interview mit dem SPIEGEL: Prominent war er damals noch nicht, für einen Prominentenmalus sah ich damals keinen Anlass. (Was er damit meint, ist mir nicht klar. Malus ist das Gegenteil von Bonus und bedeutet Abzug, Minus. Warum sollen Prominente schlechter bewertet werden?)
Nicht vorstellbar waren für mich bisher Wissenschaftler, die erkennen, dass Veröffentlichungen von ihnen gleich seitenweise abgeschrieben wurden, dazu fast 4 Jahre stumm sind.
Die Fülle der Fragen, die sich daraus ergeben können, habe ich in dem PS-Artikel schon kurz skizziert. Die Kernfrage an alle Doktoranden lautet zukünftig: Tatsächlich eigene Arbeit, abgeschrieben, schreiben lassen oder gekauft?
Wie sagte doch mal Hans Moser als Oberkellner in einem alten deutschen Spielfilm: Und wenn einer halt garnix is, sag i einfach Herr Doktor zu ihm. Einmal möchte ich auch in meinem Kaffeesatz lesen. Hier sind die bedrückenden Ergebnisse:
Wäre KT nie Doktor geworden, wäre er noch Minister.
Wäre KT nie Minister geworden, wäre er noch Doktor.
Merke: Falscher Doktor kann man ohne Risiko nur so lange bleiben, bis man echter Minister wird. Aber dann immer noch so lange, wie niemand Interesse verspürt, den Menschen aus der Politik zu vertreiben. Wenn Sie wollen, denken Sie nun mal darüber nach, wer alles Interesse daran gehabt haben könnte, KT aus der Politik zu vertreiben. Sie werden staunen, wie lang die Liste wird.
Zum Schluss ein Absatz in eigener Sache: Dies ist mein letzter Beitrag für nnz-online. Das hat den Vorteil, dass ich nun geringfügig mehr Zeit habe, mich anderen schönen Beschäftigungen hinzugeben. Wenn Sie dennoch vermuten, dass dieser oder jener Absatz oder Artikel in anderer Presse von mir stammen könnte, kann aber muss das nicht richtig sein. Ehrgeiz, meinen Namen gedruckt zu sehen, habe ich schon lange nicht mehr, vielleicht auch nie gehabt.
Sollte mich die Lust dazu packen, werde ich mich als Kommentator (also blau – die Schrift meine ich) hier melden. Allerdings mit vollem Namen, denn Alles, was ich nicht mit diesem unterzeichnen kann, stiehlt Ihnen und mir nur die Zeit. In diesem Sinne: Auf Wiederlesen irgendwo im Blätterwald und bleiben sie mir gewogen(1).
Jürgen Wiethoff
(1) Gängige Verabschiedungsformel von Jochen Busse, Kabarettist und Schauspieler (Beispiel für ordentliche Fußnote für alle zukünftigen Doktoranden)
Autor: nnzMit diesen drei Veröffentlichungen unter diesem Titel bin ich nicht angetreten, um Karl-Theodor zu Guttenberg zu ent- oder belasten. Mehrere Kommentatoren haben das auch erkannt. Danke an alle, welche mich auch zu weiterem Denken und Recherchieren angeregt haben. Es sollte durch Fragestellungen und Auswertung der Antworten in den Medien Ursache und Wirkung voneinander getrennt werden.
Die von vielen erhoffte Wirkung ist nun eingetreten und wir können uns noch einmal entspannt den Ursachen zuwenden: Fakt ist, eine Doktorarbeit, abgegeben an der Uni Bayreuth, wurde vor fast vier Jahren mit summa cum laude (der Bestnote) bewertet. 2011 hat die Uni nach massiver Einwirkung von außen festgestellt, dass diese Arbeit nicht akzeptable Mängel enthält und den falschen Doktor auf dessen eigenen Wunsch aberkannt. Alles in allem ein Vorgang, der mir unerklärlich ist und bisher unvorstellbar war. Professoren, die – teilweise schon deutlich nach Erreichen des Rentenalters, also nach Ablauf ihrer Karriere - nicht oder nicht mehr in der Lage sind, ein Plagiat von einem Original zu unterscheiden und selbst nach Aufdeckung eines solchen Plagiats die Arbeit von ihrem fast allerbesten Studenten noch verteidigen, haben ihren Ruf verspielt und ein Disziplinarverfahren nach allen Regeln der Kunst verdient.
Inzwischen hat sich auch der 2. Gutachter der Doktorarbeit von KT, Professor Rudolf Streinz, zu Wort gemeldet. Seine Stellungnahme lautete in Kurzfassung: Er habe dem Erstgutachter (Doktorvater) zu sehr vertraut. Er hat erst seit ganz kurzer Zeit eine Software zur Plagiatskontrolle zur Verfügung. Die Verteidigung der Arbeit sei von dem Einreichenden, also KT, ganz souverän bestanden worden und dieser habe den Eindruck erweckt, mit dem Thema sehr vertraut zu sein. Prof. Streinz im Interview mit dem SPIEGEL: Prominent war er damals noch nicht, für einen Prominentenmalus sah ich damals keinen Anlass. (Was er damit meint, ist mir nicht klar. Malus ist das Gegenteil von Bonus und bedeutet Abzug, Minus. Warum sollen Prominente schlechter bewertet werden?)
Nicht vorstellbar waren für mich bisher Wissenschaftler, die erkennen, dass Veröffentlichungen von ihnen gleich seitenweise abgeschrieben wurden, dazu fast 4 Jahre stumm sind.
Die Fülle der Fragen, die sich daraus ergeben können, habe ich in dem PS-Artikel schon kurz skizziert. Die Kernfrage an alle Doktoranden lautet zukünftig: Tatsächlich eigene Arbeit, abgeschrieben, schreiben lassen oder gekauft?
Wie sagte doch mal Hans Moser als Oberkellner in einem alten deutschen Spielfilm: Und wenn einer halt garnix is, sag i einfach Herr Doktor zu ihm. Einmal möchte ich auch in meinem Kaffeesatz lesen. Hier sind die bedrückenden Ergebnisse:
Wäre KT nie Doktor geworden, wäre er noch Minister.
Wäre KT nie Minister geworden, wäre er noch Doktor.
Merke: Falscher Doktor kann man ohne Risiko nur so lange bleiben, bis man echter Minister wird. Aber dann immer noch so lange, wie niemand Interesse verspürt, den Menschen aus der Politik zu vertreiben. Wenn Sie wollen, denken Sie nun mal darüber nach, wer alles Interesse daran gehabt haben könnte, KT aus der Politik zu vertreiben. Sie werden staunen, wie lang die Liste wird.
Zum Schluss ein Absatz in eigener Sache: Dies ist mein letzter Beitrag für nnz-online. Das hat den Vorteil, dass ich nun geringfügig mehr Zeit habe, mich anderen schönen Beschäftigungen hinzugeben. Wenn Sie dennoch vermuten, dass dieser oder jener Absatz oder Artikel in anderer Presse von mir stammen könnte, kann aber muss das nicht richtig sein. Ehrgeiz, meinen Namen gedruckt zu sehen, habe ich schon lange nicht mehr, vielleicht auch nie gehabt.
Sollte mich die Lust dazu packen, werde ich mich als Kommentator (also blau – die Schrift meine ich) hier melden. Allerdings mit vollem Namen, denn Alles, was ich nicht mit diesem unterzeichnen kann, stiehlt Ihnen und mir nur die Zeit. In diesem Sinne: Auf Wiederlesen irgendwo im Blätterwald und bleiben sie mir gewogen(1).
Jürgen Wiethoff
(1) Gängige Verabschiedungsformel von Jochen Busse, Kabarettist und Schauspieler (Beispiel für ordentliche Fußnote für alle zukünftigen Doktoranden)

