Fr, 14:29 Uhr
25.09.2009
Tausche Klettern gegen Weidenzaun
Am 7. Oktober werden einige Menschen vermutlich den 60. Jahrestag der untergegangenen DDR feiern, werden beim zweiten Marktplatz tauschen. Allerdings, so hat Jessica Piper erfahren, werden immer noch Vereinbarungen aus der ersten Auflage eingelöst...
Hoch hinaus (Foto: Piper(pln)
Es ist ganz schön wacklig da oben. Ein wenig erleichtert ist Andreas Zaake schon, als er wieder festen Boden unter den Füßen hat. Die Hängebrücke im Hochseilgarten auf dem Petersberg ist ihm nicht ganz geheuer. Heute hat der Gruppenleiter der Nordthüringer Lebenshilfe in Klettenberg mit jungen Männern aus der dortigen Werkstatt im Mobilé-Hochseilgarten eine Vereinbarung eingelöst. Im vergangenen Jahr hat die Lebenshilfe auf dem Marktplatz für gute Geschäfte dieses Tauschgeschäft mit dem Jugendfreizeitprojekt Mobilé vom Jugendsozialwerk verabredet:
Die jungen Männer haben in der Lebenshilfe-Werkstatt einen Weidenzaun als Sichtschutz für den Hochseilgarten gebaut. Dafür hat Rüdiger Neitzke vom Mobilé-Team die Gruppe heute in die Kletteranlage eingeladen. Die Jungs waren gleich begeistert und wollten am liebsten gleich an dem Tag hoch, als wir den Zaun hier aufgebaut haben, erinnert sich Andreas Zaake. Es macht total Spaß, die Jungs zu sehen, wie sie sich gegenseitig sichern und anfeuern, findet Rüdiger Neitzke. Solche Geschäfte machen doch Sinn. Ich finde die Idee gut, Leistung gegen Leistung zu tauschen, ohne dass immer der eine den anderen bezahlt. Das ist ähnlich wie beim Tauschhandel im Mittelalter.
Andreas Zaake und Rüdiger Neitzke (v.l.) vorm neuen Sichtschutz
Damit hat Rüdiger Neitzke eigentlich schon den Kern vom Marktplatz beschrieben: Unternehmen und gemeinnützige Institutionen aus der Region helfen sich gegenseitig – mit Sach- oder Dienstleistungen anstatt mit Geld. Dabei sind auch ungewöhnliche Geschäfte entstanden, wie mit dem Förderverein Park Hohenrode. Wir haben für eine Veranstaltung im Park Spielgeräte bereitgestellt. Dafür habe ich mich in einem Seminar zum Parkführer qualifiziert.
Zum Beispiel Blumen tauschten Ronny Hildebrandt, Enrico Schulze und Peter Panse vom Toom-Markt (von links) beim Marktplatz ein
Auf Unternehmerseite stand Peter Panse, Leiter des Toom-Baumarkts in Nordhausen, der den Marktplatz so beschreibt: Sie kommen rein, dort stehen sehr viele Leute, es gibt ein paar kurze Ansprachen, die Gremien wie zum Beispiel die Notare werden vorgestellt. Dann ertönt der Gong, Sie reden mit vielen Leuten, füllen viele Vereinbarungen aus, die stempeln die Notare ab und schauen, ob alles seine Richtigkeit hat. Wir hatten sehr viel Zuspruch und am Ende rund 20 Vereinbarungen geschlossen.
Die meisten Gemeinnützigen sind inzwischen beim Toom-Baumarkt gewesen und haben ihre Vereinbarung eingelöst. Erst vor kurzem war der LV Altstadt hier und hat sich Malerbedarf abgeholt. Das war eine der Vereinbarungen, die wir ohne Gegenleistung geschlossen haben. Mit vielen Gemeinnützigen haben Peter Panse und seine beiden Kollegen auf dem Marktplatz aber Tauschgeschäfte im klassischen Sinne abgeschlossen. Der Jugend für Dora haben wir beispielsweise Arbeitshandschuhe zur Verfügung gestellt. Dafür bekommen wir eine Führung durch die Gedenkstätte. Oder mit dem Schullandheim Schneckenhengst in Bleicherode haben wir abgesprochen, dass sie für uns ein Ritteressen veranstalten. Dafür haben wir sie mit Holz, Werkzeug und Farbe unterstützt.
Eine langfristige Zusammenarbeit hat der Toom-Baumarkt inzwischen mit dem Verein Horizont aufgebaut. Die Leute von Horizont sind immer da, wenn wir anrufen und mal etwas brauchen. In diesem und im vergangenen Jahr haben sie bei unserem Frühlingsfest mitgemacht, ihre Hüpfburg mitgebracht, Kinderschminken und Basteln angeboten. Wir haben dafür dem Horizont-Verein zum Beispiel mit Baumaterial, Erde und Blumen weitergeholfen. Da ist wirklich eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit entstanden – für beide Seiten, so Peter Panse.
Dies ist auch eines der wichtigsten Anliegen: Kontakte und Kooperationen anzuregen, die über die eigentlichen Marktplatz-Vereinbarungen hinausgehen. Auch Mobilé hat beim Toom-Frühlingsfest die kleinen Gäste unterhalten und Spielgeräte mitgebracht. Und die Gegenleistung? Das war ein ganz einfache Geschichte: Um unseren Hochseilgarten und den Kletterturm auf dem Petersburg steht ein Zaun. Wir dachten, der sieht mit Kletterpflanzen einfach schöner aus und die haben wir von Toom bekommen, erzählt Rüdiger Neitzke.
Für mich ist eine wichtige Zielstellung, Kontakte zu knüpfen und im Austausch Ideen für neue Projekte zu entwickeln. Netzwerke sind eben wichtig, um schneller und effektiver in der Region zusammenzuarbeiten. Dabei muss man nicht immer eine konkrete Vereinbarung abschließen, manchmal reicht es schon, Visitenkarten auszutauschen. Und wenn man dann telefoniert, hat man schon ein Gesicht vor Augen, so Neitzke.
Auch wenn Geld auf dem Marktplatz der guten Geschäfte tabu ist, spielen doch auch wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle. Wir waren diesem neuen Projekt damals sehr aufgeschlossen gegenüber. Mitgemacht haben wir auch deshalb, weil wir den Marktplatz als Plattform gesehen haben, um neue Kunden zu gewinnen und unseren Bekanntheitsgrad zu steigern, sagt Peter Panse. Ähnlich sieht das auch Rüdiger Neitzke, denn auch für ihn war der Marktplatz eine Möglichkeit, die vielseitigen Angebote von Mobilé vorzustellen. Mit dabei sind wieder beide – am 7. Oktober beim zweiten Nordhäuser Marktplatz.
Wir machen mit, weil es uns Spaß gemacht hat. Man kommt ja nicht jeden Tag mit so vielen Vereinen und anderen Unternehmen zusammen. Auf dem Marktplatz kann man neue Dinge kennen lernen und miteinander ins Gespräch kommen, sagt Peter Panse. Wer auch auf dem Marktplatz stehen will, findet das Anmeldeformular, Kontaktdaten und hier weitere Informationen.
Jessica Piper
Autor: nnz
Hoch hinaus (Foto: Piper(pln)
Es ist ganz schön wacklig da oben. Ein wenig erleichtert ist Andreas Zaake schon, als er wieder festen Boden unter den Füßen hat. Die Hängebrücke im Hochseilgarten auf dem Petersberg ist ihm nicht ganz geheuer. Heute hat der Gruppenleiter der Nordthüringer Lebenshilfe in Klettenberg mit jungen Männern aus der dortigen Werkstatt im Mobilé-Hochseilgarten eine Vereinbarung eingelöst. Im vergangenen Jahr hat die Lebenshilfe auf dem Marktplatz für gute Geschäfte dieses Tauschgeschäft mit dem Jugendfreizeitprojekt Mobilé vom Jugendsozialwerk verabredet: Die jungen Männer haben in der Lebenshilfe-Werkstatt einen Weidenzaun als Sichtschutz für den Hochseilgarten gebaut. Dafür hat Rüdiger Neitzke vom Mobilé-Team die Gruppe heute in die Kletteranlage eingeladen. Die Jungs waren gleich begeistert und wollten am liebsten gleich an dem Tag hoch, als wir den Zaun hier aufgebaut haben, erinnert sich Andreas Zaake. Es macht total Spaß, die Jungs zu sehen, wie sie sich gegenseitig sichern und anfeuern, findet Rüdiger Neitzke. Solche Geschäfte machen doch Sinn. Ich finde die Idee gut, Leistung gegen Leistung zu tauschen, ohne dass immer der eine den anderen bezahlt. Das ist ähnlich wie beim Tauschhandel im Mittelalter.
Andreas Zaake und Rüdiger Neitzke (v.l.) vorm neuen Sichtschutz
Damit hat Rüdiger Neitzke eigentlich schon den Kern vom Marktplatz beschrieben: Unternehmen und gemeinnützige Institutionen aus der Region helfen sich gegenseitig – mit Sach- oder Dienstleistungen anstatt mit Geld. Dabei sind auch ungewöhnliche Geschäfte entstanden, wie mit dem Förderverein Park Hohenrode. Wir haben für eine Veranstaltung im Park Spielgeräte bereitgestellt. Dafür habe ich mich in einem Seminar zum Parkführer qualifiziert.
Zum Beispiel Blumen tauschten Ronny Hildebrandt, Enrico Schulze und Peter Panse vom Toom-Markt (von links) beim Marktplatz ein
Auf Unternehmerseite stand Peter Panse, Leiter des Toom-Baumarkts in Nordhausen, der den Marktplatz so beschreibt: Sie kommen rein, dort stehen sehr viele Leute, es gibt ein paar kurze Ansprachen, die Gremien wie zum Beispiel die Notare werden vorgestellt. Dann ertönt der Gong, Sie reden mit vielen Leuten, füllen viele Vereinbarungen aus, die stempeln die Notare ab und schauen, ob alles seine Richtigkeit hat. Wir hatten sehr viel Zuspruch und am Ende rund 20 Vereinbarungen geschlossen.
Die meisten Gemeinnützigen sind inzwischen beim Toom-Baumarkt gewesen und haben ihre Vereinbarung eingelöst. Erst vor kurzem war der LV Altstadt hier und hat sich Malerbedarf abgeholt. Das war eine der Vereinbarungen, die wir ohne Gegenleistung geschlossen haben. Mit vielen Gemeinnützigen haben Peter Panse und seine beiden Kollegen auf dem Marktplatz aber Tauschgeschäfte im klassischen Sinne abgeschlossen. Der Jugend für Dora haben wir beispielsweise Arbeitshandschuhe zur Verfügung gestellt. Dafür bekommen wir eine Führung durch die Gedenkstätte. Oder mit dem Schullandheim Schneckenhengst in Bleicherode haben wir abgesprochen, dass sie für uns ein Ritteressen veranstalten. Dafür haben wir sie mit Holz, Werkzeug und Farbe unterstützt.
Eine langfristige Zusammenarbeit hat der Toom-Baumarkt inzwischen mit dem Verein Horizont aufgebaut. Die Leute von Horizont sind immer da, wenn wir anrufen und mal etwas brauchen. In diesem und im vergangenen Jahr haben sie bei unserem Frühlingsfest mitgemacht, ihre Hüpfburg mitgebracht, Kinderschminken und Basteln angeboten. Wir haben dafür dem Horizont-Verein zum Beispiel mit Baumaterial, Erde und Blumen weitergeholfen. Da ist wirklich eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit entstanden – für beide Seiten, so Peter Panse.
Dies ist auch eines der wichtigsten Anliegen: Kontakte und Kooperationen anzuregen, die über die eigentlichen Marktplatz-Vereinbarungen hinausgehen. Auch Mobilé hat beim Toom-Frühlingsfest die kleinen Gäste unterhalten und Spielgeräte mitgebracht. Und die Gegenleistung? Das war ein ganz einfache Geschichte: Um unseren Hochseilgarten und den Kletterturm auf dem Petersburg steht ein Zaun. Wir dachten, der sieht mit Kletterpflanzen einfach schöner aus und die haben wir von Toom bekommen, erzählt Rüdiger Neitzke.
Für mich ist eine wichtige Zielstellung, Kontakte zu knüpfen und im Austausch Ideen für neue Projekte zu entwickeln. Netzwerke sind eben wichtig, um schneller und effektiver in der Region zusammenzuarbeiten. Dabei muss man nicht immer eine konkrete Vereinbarung abschließen, manchmal reicht es schon, Visitenkarten auszutauschen. Und wenn man dann telefoniert, hat man schon ein Gesicht vor Augen, so Neitzke.
Auch wenn Geld auf dem Marktplatz der guten Geschäfte tabu ist, spielen doch auch wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle. Wir waren diesem neuen Projekt damals sehr aufgeschlossen gegenüber. Mitgemacht haben wir auch deshalb, weil wir den Marktplatz als Plattform gesehen haben, um neue Kunden zu gewinnen und unseren Bekanntheitsgrad zu steigern, sagt Peter Panse. Ähnlich sieht das auch Rüdiger Neitzke, denn auch für ihn war der Marktplatz eine Möglichkeit, die vielseitigen Angebote von Mobilé vorzustellen. Mit dabei sind wieder beide – am 7. Oktober beim zweiten Nordhäuser Marktplatz.
Wir machen mit, weil es uns Spaß gemacht hat. Man kommt ja nicht jeden Tag mit so vielen Vereinen und anderen Unternehmen zusammen. Auf dem Marktplatz kann man neue Dinge kennen lernen und miteinander ins Gespräch kommen, sagt Peter Panse. Wer auch auf dem Marktplatz stehen will, findet das Anmeldeformular, Kontaktdaten und hier weitere Informationen.
Jessica Piper




