Do, 07:22 Uhr
03.05.2007
nnz-Forum: Nicht unser Erfolg
Nordhausen (nnz). Abwärts, so titelte gestern die nnz hinsichtlich des Trends bei den Arbeitslosenzahlen in Nordthüringen. Dazu die Anmerkung eines nnz-Lesers.
Eine schöne Überschrift, die alles offen läßt. Ich habe hier in diesem Forum wiederholt meine Auffassung zu den gemeldeten Zahlen aus Nürnberg geschrieben. Auch heute möchte ich diese Statements untermauern: Selbst seriöse Fachleute räumen bekanntermaßen ein, dass ca. 1,4 Millionen Menschen nicht mit gezählt werden, weil sie in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen stecken, viele über 58jährige und alle Ein-Euro-Jobber fallen aus der monatlichen Propagandashow von Nürnberg.
Nun kloppt man sich regierungsseitig wohlwollend auf die Schultern und bezeichnet die nun mehr vier Millionen erlogenen Arbeitslosen als Erfolg der Politik. Welch ein Zynismus. welch eine Heuchelei. Fakt aber ist eben: An der Langzeitarbeitslosigkeit, an der Erwerbslosigkeit der Niedrig-Qualifizierten hat sich nichts, aber auch nicht das geringste geändert.
Darüber hinaus gehen diese Zahlen einher mit steigender Anzahl jener Menschen, die durch Personalvermittlungsagenturen einen "Job" gefunden haben. 15% der Beschäftigen arbeiten so zu einem Stundenlohn, der unter 7,50 Euro liegt. Nun hat man auch noch die Ursache des "Erfolges" gefunden, so wie Kinder auf dem Petersberg zu Ostern die bunten Eier. Hartz IV, das sei nun bewiesen, war und ist der richtige Schritt in Richtung des weiteren Abbaus der Arbeitslosigkeit. Dämlicher kann man nun gar nicht mehr argumentieren.
Was diese Reform und andere gebracht hat bzw. haben, ist das systematische Ausplündern von Alten, Patienten und Jugendlichen, die Senkung des Werts der Ware Arbeitskraft durch flächendeckende Einführung eines Niedriglohnsektors. Selbst die regierungsnahe Blätterwelt empfindet langsam die öde, dreifaltige Frechheit – Freude über vier Millionen Arbeitslose; das ist unser Erfolg; Arbeitslöhne, mit denen keine Miete bezahlt werden kann – als politisch langweilig. Sie sagte am Mittwoch: Das sogenannte Prekariat stellt die Mehrheit (Westfalenpost), traurige Melodie der neuen Ausbeutung (Frankfurter Rundschau), Flächenbrand (Leipziger Volkszeitung).
Fazit: Wenn die da oben schier vor Freude schreien, sollten wir hier unten nicht in Tränen ausbrechen, aber ein Stückweit unsere Reihen enger schließen. Denn: deren "Erfolg" ist noch lange nicht der unserige.
Jürgen Nagel, Nordhausen
Autor: nnzEine schöne Überschrift, die alles offen läßt. Ich habe hier in diesem Forum wiederholt meine Auffassung zu den gemeldeten Zahlen aus Nürnberg geschrieben. Auch heute möchte ich diese Statements untermauern: Selbst seriöse Fachleute räumen bekanntermaßen ein, dass ca. 1,4 Millionen Menschen nicht mit gezählt werden, weil sie in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen stecken, viele über 58jährige und alle Ein-Euro-Jobber fallen aus der monatlichen Propagandashow von Nürnberg.
Nun kloppt man sich regierungsseitig wohlwollend auf die Schultern und bezeichnet die nun mehr vier Millionen erlogenen Arbeitslosen als Erfolg der Politik. Welch ein Zynismus. welch eine Heuchelei. Fakt aber ist eben: An der Langzeitarbeitslosigkeit, an der Erwerbslosigkeit der Niedrig-Qualifizierten hat sich nichts, aber auch nicht das geringste geändert.
Darüber hinaus gehen diese Zahlen einher mit steigender Anzahl jener Menschen, die durch Personalvermittlungsagenturen einen "Job" gefunden haben. 15% der Beschäftigen arbeiten so zu einem Stundenlohn, der unter 7,50 Euro liegt. Nun hat man auch noch die Ursache des "Erfolges" gefunden, so wie Kinder auf dem Petersberg zu Ostern die bunten Eier. Hartz IV, das sei nun bewiesen, war und ist der richtige Schritt in Richtung des weiteren Abbaus der Arbeitslosigkeit. Dämlicher kann man nun gar nicht mehr argumentieren.
Was diese Reform und andere gebracht hat bzw. haben, ist das systematische Ausplündern von Alten, Patienten und Jugendlichen, die Senkung des Werts der Ware Arbeitskraft durch flächendeckende Einführung eines Niedriglohnsektors. Selbst die regierungsnahe Blätterwelt empfindet langsam die öde, dreifaltige Frechheit – Freude über vier Millionen Arbeitslose; das ist unser Erfolg; Arbeitslöhne, mit denen keine Miete bezahlt werden kann – als politisch langweilig. Sie sagte am Mittwoch: Das sogenannte Prekariat stellt die Mehrheit (Westfalenpost), traurige Melodie der neuen Ausbeutung (Frankfurter Rundschau), Flächenbrand (Leipziger Volkszeitung).
Fazit: Wenn die da oben schier vor Freude schreien, sollten wir hier unten nicht in Tränen ausbrechen, aber ein Stückweit unsere Reihen enger schließen. Denn: deren "Erfolg" ist noch lange nicht der unserige.
Jürgen Nagel, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.

