So, 17:54 Uhr
27.01.2002
nnz-Forum: Nur für die Cleveren?
Nordhausen (nnz). In die Diskussion um die Rolle einzelner Betriebsräte hat sich nun ein Mitglied der Gewerkschaft NGG eingemischt. Hier sein Statement.
Hat Manfred Tessmann aus Vienenburg etwa den Nagel auf den Kopf getroffen? In seinem Beitrag (23.01.2002) spricht er das Problem aus der richtigen Sicht an. Die Vorgänge bei und um Reemtsma in Nordhausen kommen mir doch sehr bekannt vor. Anfang der 90iger Jahre gab es eine ganze Reihe von Betrieben, die - wie es im Volksmund hieß - plattgemacht wurden. Gerade in diesen Betrieben ließ die Arbeit der BR zu wünschen übrig. Sie hatten keine Zeit mehr für Gewerkschaftsarbeit, die Zusammenarbeit mit NGG wurde von ihnen auf Eis gelegt und schließlich die, mir immer in Erinnerung bleibenden Worte: ....wir müssen erst die Ärmel hochkrempeln und unsere Betrieb aufbauen, erst dann können wir wieder Gewerkschaftsarbeit leisten... .
Wehmütig musste ich im Laufe der Zeit feststellen, diese Betriebe gibt es nicht mehr! Aber es ist doch einfacher anderen immer die Schuld für eigenes Versagen vor zuwerfen, nämlich den Gewerkschaften (siehe auch Deusa, Brandt-Zwieback, Wolf, Brauereien usw.) Und so ist es auch im Falle Reemtsma Nordhausen. Kollege Voß gehört offensichtlich zu den 3,3% der Umfrage (vom 25.9.2001) mit dem Ergebnis: Abwarten. Ihm scheint offensichtlich einiges nicht bewusst, denn kurz nach der Wende begann eine tarifliche Aufwärtsbewegung, die das Umfeld in Erstaunen versetzte. Die Entlohnung in der Zigarette war schon so üppig, dass die Einkommen der Mehrzahl der übrigen Bereiche in der NGG wie Sozialhilfe anmutete. In der Zigarette ging alles seinen sozialistischen Gang, letztendlich aus den Altbundesländern solidarisch gesteuert. Nun sind die andere Rudergänger am Werk und es geht nicht mehr so weiter, das ist doch der Knackpunkt. Selbst Landrat und Oberbürgermeisterin haben dies erkannt (siehe Beitrag 21.01.2002).
Aus mit der Blauäugigkeit hinein in den real, existierenden Kapitalismus! Apropos Gewerkschaftstussi und Bezirksleiter, lieber Kollege Voß. Wenn Du dich doch wenigstens mit der Gewerkschaftsstruktur auskennen würdest, um Dich schon in der Vergangenheit durch ehrenamtliche Gewerkschaftsarbeit als Interessenvertreter Anderer einzusetzen, hättest Du längst begriffen, daß die Zeit der Bezirksparteileitung der Vergangenheit angehört. Die Geschäftführerin der Verwaltungsstelle Erfurt/Suhl, Anke Siedentop, als auch die Sekretärin Monika Leichtenberger leisten für unsere Gewerkschaftsmitglieder eine sehr gute Arbeit. Diese beiden Kolleginnen betreuen einen räumlichen Bereich von Eisenach bis Apolda, von Suhl bis Nordhausen. Dafür gebührt ihnen unser Dank! Die vielen unzähligen Stunden in denen sie sich und andere mit Reemtsma Nordhausen beschäftigten, wurde nämlich die Mitgliederbetreuung in anderen wichtigen Betrieben zwangsläufig vernachlässigt. Unbestritten bleibt doch der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Das funktioniert aber nur mit der Gewerkschaft. Ohne sie kommt kurz und mittelfristig ein Aus für alle Arbeitnehmer. Oder nur nicht für den Cleveren.
Bernhard Kind, Mitglied der Gewerkschaft NGG
Autor: nnzHat Manfred Tessmann aus Vienenburg etwa den Nagel auf den Kopf getroffen? In seinem Beitrag (23.01.2002) spricht er das Problem aus der richtigen Sicht an. Die Vorgänge bei und um Reemtsma in Nordhausen kommen mir doch sehr bekannt vor. Anfang der 90iger Jahre gab es eine ganze Reihe von Betrieben, die - wie es im Volksmund hieß - plattgemacht wurden. Gerade in diesen Betrieben ließ die Arbeit der BR zu wünschen übrig. Sie hatten keine Zeit mehr für Gewerkschaftsarbeit, die Zusammenarbeit mit NGG wurde von ihnen auf Eis gelegt und schließlich die, mir immer in Erinnerung bleibenden Worte: ....wir müssen erst die Ärmel hochkrempeln und unsere Betrieb aufbauen, erst dann können wir wieder Gewerkschaftsarbeit leisten... .
Wehmütig musste ich im Laufe der Zeit feststellen, diese Betriebe gibt es nicht mehr! Aber es ist doch einfacher anderen immer die Schuld für eigenes Versagen vor zuwerfen, nämlich den Gewerkschaften (siehe auch Deusa, Brandt-Zwieback, Wolf, Brauereien usw.) Und so ist es auch im Falle Reemtsma Nordhausen. Kollege Voß gehört offensichtlich zu den 3,3% der Umfrage (vom 25.9.2001) mit dem Ergebnis: Abwarten. Ihm scheint offensichtlich einiges nicht bewusst, denn kurz nach der Wende begann eine tarifliche Aufwärtsbewegung, die das Umfeld in Erstaunen versetzte. Die Entlohnung in der Zigarette war schon so üppig, dass die Einkommen der Mehrzahl der übrigen Bereiche in der NGG wie Sozialhilfe anmutete. In der Zigarette ging alles seinen sozialistischen Gang, letztendlich aus den Altbundesländern solidarisch gesteuert. Nun sind die andere Rudergänger am Werk und es geht nicht mehr so weiter, das ist doch der Knackpunkt. Selbst Landrat und Oberbürgermeisterin haben dies erkannt (siehe Beitrag 21.01.2002).
Aus mit der Blauäugigkeit hinein in den real, existierenden Kapitalismus! Apropos Gewerkschaftstussi und Bezirksleiter, lieber Kollege Voß. Wenn Du dich doch wenigstens mit der Gewerkschaftsstruktur auskennen würdest, um Dich schon in der Vergangenheit durch ehrenamtliche Gewerkschaftsarbeit als Interessenvertreter Anderer einzusetzen, hättest Du längst begriffen, daß die Zeit der Bezirksparteileitung der Vergangenheit angehört. Die Geschäftführerin der Verwaltungsstelle Erfurt/Suhl, Anke Siedentop, als auch die Sekretärin Monika Leichtenberger leisten für unsere Gewerkschaftsmitglieder eine sehr gute Arbeit. Diese beiden Kolleginnen betreuen einen räumlichen Bereich von Eisenach bis Apolda, von Suhl bis Nordhausen. Dafür gebührt ihnen unser Dank! Die vielen unzähligen Stunden in denen sie sich und andere mit Reemtsma Nordhausen beschäftigten, wurde nämlich die Mitgliederbetreuung in anderen wichtigen Betrieben zwangsläufig vernachlässigt. Unbestritten bleibt doch der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Das funktioniert aber nur mit der Gewerkschaft. Ohne sie kommt kurz und mittelfristig ein Aus für alle Arbeitnehmer. Oder nur nicht für den Cleveren.
Bernhard Kind, Mitglied der Gewerkschaft NGG
Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. |
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Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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