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Di, 08:21 Uhr
31.08.2021
BUND lud in den Pavillon

Der Gips, das Klima und die Artenvielfalt

Im Klimapavillon befassten sich die Naturschützer des Nordhäuser BUND am Wochenende wieder einmal mit der Gipsfrage. Der Vortrag „Gipskarstlandschaft Südharz Klimawandel und Artenvielfalt“ fand im Klimapavillon am Wochenende unter reger Beteiligung interessierter Bürger der Region statt, schreibt der Verband...

Wie paradox Gipsabbaugenehmigungen im Südharz in Zeiten von Klimawandel sind, wurde mit Fotos vom Himmelsberg und dem Altem Stolberg von der BUND Referentin Ursula Schäfer demonstriert: „Während im Harz flächig sterbende Fichtenforsten die Landschaft prägen, wird im Karst der Gipsabbau fast immer in intakten klimastabilen und hochproduktiven Laubwäldern genehmigt“, so die Diplom-Biologin.

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„Die Kahlschläge vernichten temperaturregulierende Buchenwälder, die im Gegensatz zum Harz zudem noch intakte Holzlieferanten darstellen. Eine Wiederherstellung dieser Wälder und der ausgeräumten Böden würde viele Generationen dauern und ist unter den Bedingungen des Klimawandels quasi unmöglich!“, so die Diplom-Biologin Schäfer.

Der BUND Thüringen hat 2020 ein umfangreiches Gutachten erstellen lassen, das vielfältige Alternativen zum Naturgipsverbrauch im Baubereich aufzeigt, die bereits alle auf dem Markt sind. Neben nachwachsenden Rohstoffen sind Recycling-Gips und -Zement sowie Sekundärgipse, u.a. aus der Zitronensäureherstellung, dem Naturgips gleichwertige oder überlegene Stoffe. Wenn die Vernichtung der Artenvielfalt, die CO 2 Freisetzung durch Humusbodenzerstörung, der Verbrauch von nur begrenzt verfügbaren, weil endlichen, Rohstoffen sowie die Rekultivierung von Steinbrüchen in das Endprodukt eingepreist würden, würden Substitute wie Chemiegipse und Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen nicht länger ein Nischendasein fristen.

Referentin Ursula Schäfer sprach im Klima-Pavillon über den Gipskarst (Foto: BUND) Referentin Ursula Schäfer sprach im Klima-Pavillon über den Gipskarst (Foto: BUND)


Der BUND Nordhausen fordert also, dass diese Vernichtung von Artenvielfalt und Klimaschutzfunktionen durch den Gipsabbau nicht der Steuerzahler trägt, sondern die Abbaufirmen. „Die Landespolitik muss hier ihre Hausaufgaben zum Klimaschutz noch erledigen und die Feldesabgabe pro Tonne Naturgips um alle diese Faktoren erhöhen!“ so Beiträge aus der regen Diskussion.

Kritik gab es auch zu aktuellen Aussagen der Landesregierung. „Es ist katastrophal, ausschließlich Naturschutzgebiete in Thüringen als unangreifbar für die Naturgipsgewinnung zu bezeichnen. Eine Verknappung der Vorranggebiete für den Gipsabbau, die im 1. Entwurf des Regionalplanes Nordthüringen 670 ha einnehmen sollten, stellt eine grundlegende Voraussetzung für den Strukturwandel in der Gips/Baustoffindustrie dar“, so die Auffassung der Teilnehmer im Klimapavillon. Würde hier seitens der beteiligten ministeriellen Ressorts von Umwelt, Regionalplanung und Wirtschaft nicht eingegriffen, stünde zu befürchten, dass die Forschung für Alternativen zum Naturgips erst dann in ein greifbares Ergebnis mündet, wenn die letzte Gipskrume in der Bauplatte verarbeitet ist.
Autor: red

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