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Di, 13:15 Uhr
24.08.2021
Betrachtet

Mittelmaß ist der Maßstab

Zumindest das Wetter und die dafür "Verantwortlichen" hatten Verständnis für die regionale Wirtschaft. Denn: wer hätte gestern Vormittag und Mittag noch gedacht, dass eine Podiumsdiskussion als Open-Air-Event durchgezogen werden kann. Der NUV hatte die gehörige Portion Glück, zumindest mit dem Wetter…

Den aufgezeichneten Live-Stream finden Sie hier.

Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl im Park Hohenrode (Foto: agl) Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl im Park Hohenrode (Foto: agl)

Und so standen sie denn im Park Hohenrode nicht unter Regen-, sondern unter Sonnenschirmen - die Kandidaten, die Ende September um die Stimmen der Wähler buhlen wollen. Über den Ablauf der Parkrunde hatten wir gestern bereits in einem Live-Ticker berichtet. Vielleicht gab es da und dort noch einen “Splitter”, der einer näheren Betrachtung wert gewesen wäre?

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Doch wie eine Betrachtung beginnen, wenn es eigentlich nichts mehr zu betrachten gibt? Außer: wenn das die Leute sein sollen, die maßgeblich die Politik der nächsten vier Jahre in Deutschland mitbestimmen sollen, können oder wollen, dann ist es um dieses Land wahrlich nicht gut bestellt.

Galt bislang, dass Mittelmaß als die Messlatte des politischen Handelns reiche, so ist seit gestern dem wirtschaftsnahen Auditorium klar, dass es noch weiter runter gehen könnte. Das liegt keinesfalls am veranstaltenden Unternehmerverband, das lag und liegt an den Akteuren. Also den zu Wählenden.

Nehmen wir mal den Langzeitkandidaten Manfred Grund ebenso raus, wie der selbsternannte "Volksanwalt" Jürgen Pohl mit einer vierjährigen Erfahrung in der Berliner Welt, dann präsentierte sich da gestern ein Völkchen, dass in meinen Augen eigentlich unwählbar ist. Nicht nur, dass nicht ein einziger Kandidat aus dem Landkreis Nordhausen kommt, nein, einige Kandidaten sind nicht einmal in dem Wahlkreis beheimatet, in dem sie sich zur Wahl stellen.

Was bitteschön soll ich denn hier im obersten Thüringer Norden mit Möchtegern-Politikern anfangen, die aus Südthüringen oder Erfurt stammen? Zum Beispiel mit der Frau Möller aus Erfurt oder dem Herrn Schneider oder dem FDP-Ersatzmann Gerald Ulrich aus Südthüringen? Haben die Parteien vor Ort, besonders aber im Landkreis Nordhausen und Nordhausen als weit und breit größter Stadt nicht genügend Personal, um selbst Kandidaten aufzustellen? Scheinbar nicht, denn das Importieren hat mittlerweile Tradition.

Und wenn man dann als Interessent an Politik solche Schlagwörter hört wie "Digitalisierung", "Bürokratie", "Ortsumfahrungen" oder "Gerechtigkeit", dann schaltet man ab oder wartet verzweifelt auf Nachrichten, die in der Statuszeile des eigenen Smartphones angezeigt werden. Oder fühlt sich in die Vergangenheit versetzt, immer schön im Abstand von vier Jahren, wenn gewahlkämpft wird.

Und so plätschert dann die Politik an der politischen Oberfläche dahin, jede größere Wellenbewegung vermeidend. Gestern brauchte es eine geschlagene Stunde, ehe das Stichwort "Klimaveränderung" fiel. Viel gesagt wurde dazu nichts, außer von der Grünen Frau Möller, die die CO2-Bepreisung nicht so schlimm findet, denn pro Person bekommt man ja im Jahr 45 Euro zurück. Und wer von den anwesenden Unternehmern verheiratet ist, der bekomme die 45 Euro zweimal. Pro Jahr.

Enttäuschung auf der ganzen Linie? Ja, denn dazu gehört auch die Mitgliedschaft des NUV. Die hatte gerade mal zwei Fragen: Zur Versorgung von Ladesäulen im Bereich des Nordhäuser Bahnhofs mit ausreichend Strom und zur Forschung bezüglich alternativer Antriebe. Was sollen Menschen zur Situation des Nordhäuser Bahnhofes sagen, die das Revier überhaupt nicht kennen? Die Antwort kann sich jeder selbst geben.

Die interessanteste Frage des Parknachmittags stellte Wolfgang Jörgens aus Sophienhof. Der wollte einfach mal wissen, wie es mit dem 32-Millionen-Euro teuren Industriegebiet weitergehen könnte? Manfred Grund befand die Situation als "traurig", war aber noch der Ansicht, dass mit der Vermarktung die ESK beauftragt sei. Nein, Herr Grund, es ist die LEG. Noch besser machte es Volksanwalt Pohl, der hatte sich vergebens bemüht, den Neubau des BKA in der Goldenen Aue anzusiedeln. Vielleicht unternimmt er noch einen nächsten Versuch, dann könnte das Bundesamt für Verfassungsschutz ja gleich auch noch mit unterkommen.

Das soll es gewesen sein mit dieser traurigen Veranstaltung. Dem Veranstalter, dem NUV jedoch, dem muss ein großes Lob ausgesprochen werden. Organisatorisch perfekt, von der Auswahl des Moderators bis zum Rinderfilet. Eigentlich hätte man sich die Kandidaten sparen können. Aber so wurde zumindest einem kleinen ausgewählten Kreis die politische Qualität des Jahres 2021 nähergebracht.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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Kommentare
Trüffelschokolade
24.08.2021, 14:03 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Beitrag
Kontrapost
24.08.2021, 18:37 Uhr
Nordhausen bekommt was es verdient!
Das hat sich nicht nur bei der letzten OBWahl gezeigt. Mittelmaß wäre ja schon ok aber es geht noch drunter nicht nur in der Stadt. Wenn man es aber konkret ablesen will welche Folgen Wahlen unter Mittelmaß haben, zu haben der sollte sich in Nordhausen die Strassen, Wege und Plätze ansehen, sich abends auf dem Petersberg ins BTM "Getümmel" stürzen oder sich an den nunmehr seit über einen Jahr beschmierten Lichtmasten, Stromkästen, Mauern usw erfreuen. Nordhausen und eine Region im Abstieg, fast schlimmer als vor 1989. Alles selbst gewählt unter Mittelmaß.
ja-man
24.08.2021, 21:39 Uhr
Naja, ...
... der Artikel ist auch ein bisschen unter Mittelmaß.
Bodo Schwarzberg
25.08.2021, 00:44 Uhr
Politik: Zwischen Sattheit, Machtgier und Verdruss...
..bewegt sich wohl der übliche deutsche Berufspolitiker. Verachtet von der Wählerschar wegen verbreiteter Unfähigkeit und Unvermögen, beneidet und beschimpft wegen exorbitanter, von uns allen finanzierten Diäten und finanziellen Altersruhebänkchen.

Und dann noch konfrontiert mit dem eigenen Verdruss und Abgestumpftsein wegen verbreiteter Wirkungslosigkeit, die sich nunmal aus dem Damoklesschwert der Parteidisziplin und vieler anderer Einflussfaktoren, wie z.B. dem Lobbyismus ergibt.

Und schließlich ist da noch das ewige Herumgeschacher um Mehrheiten für diesen oder jenen guten Zweck, das den Berufspolitiker trotz aller Diäten schon zermürben kann - weil dadurch, demokratisch legitimiert, vieles, was vorangehen müsste, nicht wirklich vorangeht.

Die Diskrepanz zwischen den erdrückenden, ja existenziellen, z.B. ökologischen Aufgaben, die zu bewältigen wären und der Realität, zwischen der Wahrheit und den Zwängen der eigenen Machtwünsche, wird immer größer. Und je größer sie wird, je weniger sich also Politiker als wirkliche Problemlöser präsentieren können, umso mehr verlieren sie an Ansehen, und damit die gesamte Demokratie. - Bis zum großen, so oder so gearteten Knall.

Und was gibt es noch so für Ergebnisse all der Schikanen, denen der Berufspolitker ausgesetzt ist?
"Die Überzeugung, dass er es draußen im Lande mit Millionen Idioten zu tun hat, gehört zur psychischen Grundausstattung des Politikers", meinte Hans Magnus Enzensberger. - Was übrigens im Wahlkampf, wie wir beim "politischen Schlagabtausch" im Park Hohenrode offenbar erleben durften, noch mehr zu gelten scheint.
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