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Mi, 17:06 Uhr
05.08.2020
BUND sieht Gipskarstlandschaft in Gefahr:

Gipsindustrie rüttelt an Regierungsvertrag

Im Himmelsberg-Mühlberg-Massiv bei Niedersachswerfen will Saint Gobain seinen Gips-Steinbruch gleich in zwei Richtungen erweitern. Die dafür gestellten Anträge stehen im Widerspruch zur eindeutigen Formulierung im Regierungsvertrag von Rot-Rot-Grün, keine neuen Abbauflächen mehr zu genehmigen...

Gipskartslandschaft im Südharz im Jahr 2014 (Foto: BUND) Gipskartslandschaft im Südharz im Jahr 2014 (Foto: BUND)
Der BUND Thüringen fordert die Landesregierung auf, sich an ihr Versprechen zu halten und die Anträge abzulehnen.

„Die Thüringer Landesregierung muss jetzt Rückgrat beweisen“, fordert Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Es dürfen keine neuen Abbauflächen mehr genehmigt werden. Alles andere käme einem Wortbruch gleich.“

Eines der geplanten Abbaugebiet läge, dem Verband zufolge, außerhalb der bergbaulichen Berechtigungsfläche. Vogel: „Die Erschließung dieses Abbaugebietes kommt einer Neuverritzung gleich, welche die Thüringer Landesregierung bei Amtsantritt ausdrücklich abgelehnt hat.“ Das Unternehmen plane die Genehmigung dafür nach Immissionsschutzrecht zu erwirken. „Damit kann Saint Gobain eine Öffentlichkeitsbeteiligung umgehen und die Naturschutzverbände werden gar nicht erst angehört“, so Vogel weiter.

Auch die zweite Erweiterungsfläche sei laut Verband „tabu“ – im wahrsten Sinne des Wortes. „Mit Anerkennung dieser ‚Tabufläche‘ durfte das Unternehmen eine damalige FFH-Verträglichkeitsprüfung aussetzen“, erklärt Vogel. „Jetzt stellt Saint Gobain das komplette Planfeststellungsverfahren von 2013 in Frage – und dass, obwohl der aktuelle Hauptbetriebsplan noch bis zum 31.12.2021 läuft. Eine behördliche Genehmigung des Gipsabbaus auf der ‚Tabufläche‘ würde das ganze Verfahren von damals ad absurdum führen.“

Die sogenannte „Tabufläche“ sollte nach Angabe des BUND Thüringen die Verbindung der beiden Wald-Naturschutzgebiete „Himmelsberg“ und „Mühlberg“ dauerhaft sicherstellen. Vogel: „Die geplante Rodung durch Saint-Gobain würde den Wald-Korridor auf 40 m reduzieren – viel zu schmal für einen intakten Waldlebensraum.“ Um dies zu verhindern, hatte die Thüringer Landesregierung den Ausweisungsprozess für das Naturschutzgebiet „Bromberg“ gestartet. Dieser sei aber mittlerweile ins Stocken geraten. Die Folgen seien fatal.

Vogel: „Wenn wir noch länger warten, ist bald nichts mehr zu schützen da. Auch CASEA plant mittlerweile, seine Abbaufläche im selben Gebiet zu erweitern und bemüht sich um angrenzende Grundstücke. Die Landesregierung muss unbedingt den Buchenwald von 50 bis 100 m Breite nördlich des Abbaugebietes ‚Himmelsberg‘ in das geplante Naturschutzgebiet ‚Bromberg‘ integrieren.“

Kritik übt der Verband auch an der „Salami-Strategie“ von Saint-Gobain. Anträge auf Abbaugenehmigen würden immer wieder „scheibchenweise“ gestellt, um Verfahren möglichst einfach zu halten. So würden nur die zuständigen Behörden als Träger öffentlicher Belange beteiligt und nicht die anerkannten Naturschutzverbände oder die Öffentlichkeit. Vogel: „Auch wenn das rechtlich einwandfrei sein mag, ist das Unternehmen scheinbar zu feige, sich der öffentlichen Debatte zu stellen.“

„Dieser Raubbau auf Raten muss endlich ein Ende haben“, fordert Vogel. „Wenn die Gipsindustrie weiterhin nur an ihren eigenen Gewinnen interessiert ist, setzt sie die Zukunft der ganzen Region Südharz aufs Spiel. Das darf die Thüringer Landesregierung nicht zulassen!“
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Kommentare

05.08.2020, 20.40 Uhr
Harzer66 | Gebt doch alles hin
Da wir vor dem Gipsmoloch eh nie Ruhe haben werden gebt doch einfach alles hin. Die machen dann halt den Gipskarst absolut eben. Anschließend Solarplatten drauf und fertig. Dann kann die Region mit der größten Solarfläche Europas um Touristen werben. Und da ja die Gipslobby dann keine Arbeit mehr hat können die ja zum Solarpark -Ranger umschulen
Sarkasmus aus.

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05.08.2020, 20.48 Uhr
der Neue | Schade um die schöne Natur
Diese Firma aus dem Westen macht hier in Nordthüringen unsere Natur kaputt, und niemand hier in Thüringen hat etwas davon. Unglaublich.

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05.08.2020, 20.51 Uhr
murmeltier | Wie immer hyperventiliert:
Die innerhalb des Regionalen Raumordnungsplanes vorgesehenen Abbau- und Vorrangflächen machen mal gerade etwas mehr als zwei Prozent des Gipskarstgürtels von Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt aus. Also was soll das Lamentieren? Stellt Euch vor, es würde in Deutschland kein Gips mehr abgebaut, dann kommt der aus Marokko oder Spanien, vielleicht auch aus GB. Die deutschen Verarbeitungswerke stehen dann in der Nähe der Nordsee-Häfen dieses Landes. Oh Mann, lass es endlich Hirn regnen. Die Verschandelung der Landschaft mit Windrädern entlang der A 38 zum Beispiel hat viel gravierende Konsequenzen für die Gesamtheit, die uns umgibt.

Aber sei es drum, wenn ihr Neider der Gipsindustrie das schon nicht gönnt, dann wenigstens den Giganten hinter den Windparks, die Geld selbst von uns allen bekommen, wenn ihre Windräder still stehen, weil kein oder zu viel Wind weht. Das ist Irrsinn.

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05.08.2020, 20.54 Uhr
P. Kortschagin | Gefahr in Verzug!
Klasse Artikel, nur warum sich auf das Eingreifen der Landesregierung verlassen? Hier sehe ich ALLE Nordhäuser und Bewohner der Südharzregion aufgefordert sich in der Frage Umweltschutz / Gipsabbau zu positionieren. Es geht hier um Biotope die, einmal zerstört, durch Rekultivierung nicht wieder herstellbar sind! Das „Aktionsbündnis Südharz bleibt, natürlich!“ stemmt sich seit Jahren gegen die Neuverritzung unserer Landschaft um neue Gipslagerstätten auszubeuten. Die Unterstützung aller Bewohner des Südharzes die sich dem Naturschutz verschrieben haben ist jetzt gefragt!

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05.08.2020, 21.56 Uhr
Paulinchen | Reicht man einem...
... Raubtier nur den kleinen Finger, fehlt am Ende die gesamte Schulter. Hat jemand daran Zweifel gehabt? Am Ende versteht von den Haien keiner mehr das Wort Renaturierung. Tote und öde Landschaft wird das Resultat vom Gipsabbau sein. Oder anders gesagt, schaut auf den Kohnstein!

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05.08.2020, 22.06 Uhr
Harzer66 | @murmeltier
Windräder können bedenkenlos rückgebaut werden. Dann sieht der Acker aus wie vorher. Wie schafft das der Gipsmoloch zum Beispiel in Appenrode? Auffüllen und Buchen anpflanzen? War echt ein Witzkommentar. Schönen Abend noch.

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06.08.2020, 10.25 Uhr
MHGAB | Kein Nehmen ohne Geben
Das die Gipsindustrie versuchen wird, einen möglichst großen Teil vom vorhandenen Gips abzubauen dürfte jedem klar sein. Meines Erachtens kann man sich auch unter ökologischen Gesichtspunkten darüber streiten wie weit diese Abbauflächen gehen dürfen.

Auf ein vollkommenes Unverständnis stößt bei mir aber die anscheinend große Unfähigkeit der Lokalpolitik langfristig einen Nutzen für die Region aus diesen Flächen zu ziehen. Wenn nach dem Kohleausstieg die einzigen nennenswerten Gipsflächen Deutschlands im Südharz liegen, verstehe ich nicht, warum wir hier wieder nur eine verlängerte Werkbank des Westens sein sollen.

Die Lokalpolitik hätte den Abbau einfach mit der Auflage verbinden sollen, dass die Firmenzentralen oder die Deutschlandzentralen in die Region verlegt werden müssen. Das wäre dann zwar zum Nachteil der anderen Regionen gewesen, aber unsere Lokalpolitiker sind nunmal der Region verpflichtet. Hier hat man augenscheinlich gepennt. Wenn die Flächen verbracht sind, sind die Arbeitsplätze weg. Die Politik wäre hier in der Pflicht gewesen massiv Druck auf die Unternehmen aufzubauen.

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