Mi, 06:54 Uhr
08.07.2020
BUND-Einsätze zur Landschaftspflege 97 und 98
Lebendige Gipsfelsen
Sie sind weniger bekannt und viel kleimflächiger als unsere Trocken- und Halbtrockenrasen, die so genannten Felsfluren, auch Mauerpfefferreiche Pionierfluren oder Pionierrasen genannt. Diese manchmal weniger als einen Quadratmeter großen Flächen fallen sofort durch das oberflächlich anstehende Gestein auf, das felsig oder aber in Schutt verschiedener Korngrößen vorliegen kann und nicht selten keine oder aber nur eine sehr dünne Humusdecke trägt...
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 98. landschaftspflegerischen BUND-Einsatzes beobachten Schmetterlinge in der Nähe von Steigerthal. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Insbesondere der 98. landschaftspflegerische Einsatz von Mitgliedern und Freunden des BUND-Kreisverbandes Nordhausen vom vergangenen Sonnabend diente u.a. der Erhaltung von lückigen Beständen entsprechend angepasster artenreicher Pflanzengesellschaften.
Diese Felsfluren können trotz ihrer Kleinflächigkeit eine große Artenvielfalt von an extreme Hitze und Trockenheit angepassten Spezialisten aufweisen, denn meist begegnen wir ihnen an den stark besonnten Süd-, Südwest- und Westhängen unserer Gipsberge, auf denen man bei 35 Grad im Schatten, unter extremer Mittagssonne theoretisch vielleicht sogar ein Spiegelei braten könnte.
In den Felsfluren siedeln zahlreiche farbenfrohe Angehörige der so genannten Bunten Erdflechtengesellschaft mit vielen heute zum Teil hochgradig bedrohten Arten, aber auch an lange währende Ausstrocknung angepasste Moose und zarte einjährige oder dickblättrige ausdauernde, höhere Pflanzen. Manche fallen durch ihre Farben schon von Weitem auf, so wie die gelbblühenden Mauerpfefferarten oder auch der Frühblühende Thymian mit seinem kräftigen Violett. Andere typische Bewohner dieser Pionierfluren sind unscheinbar und geradezu zart, wie das Fünfmännige Hornkraut, die Dolden-Spurre, der Dreifinger-Steinbrech, der Frühblühende Ehrenpreis oder das Quendel-Sandkraut.
Früher waren diese Felsfluren mit ihren Spezialisten im Gebiet um Nordhausen verbreitet. Noch Anfang der 90er Jahre gab es zum Beispiel in der Rüdigsdorfer Schweiz mehr derartiger Flächen, als heute, wie Fotovergleiche und wissenschaftliche Aufzeichnungen belegen. Durch Verbuschung, Humusanreicherung infolge ungeeigneter Bewirtschaftung gingen sie dort, aber auch andernorts zurück. Für den in der FFH-Richtlinie der EU aufgeführten entsprchenden Lebensraumtyp 6110* (Kalk-Pionierrasen) empfiehlt das Bundesamt für Naturschutz einen weitestgehenden Verzicht auf Bewirtschaftung mit Ausnahme einer gelegentlichen Entbuschung.
Bewährt hat sich in unserem Gebiet, zum Beispiel zwischen Rüdigsdorf und Harzungen, jedoch auch eine extensive, professionelle Hütehaltung mit Schafen, die ihren Kot erst während der Nachtpferche, nicht aber während der Beweidung auf die sensiblen Pionierrasen und angrenzenden Trockenrasen abgeben. Eine punktuelle, gelegentliche und schonende Mahd im Umfeld der Pionierfluren verhindert unter Umständen ihr allmähliches Überwachsen mit konkurrenzstärkeren Gräsern und Kräutern.
Das Ziel muss in der Verhinderung einer Nährstoffanreicherung und damit einer Humus- bzw. Bodenbildung über diesen Fels- und Schotterfluren sein.
Besonders selten und bedroht sind im Landkreis Nordhausen solche noch artenreichen Pionierfluren inmitten von wenig geneigten, also eher flachen Trockenrasen geworden.
Die Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes bemühen sich mit gezielten Aktionen um die Erhaltung solcher Flächen z.B. in den Naturschutzgebieten Pfaffenköpfe und Alter Stolberg. Dabei isind auch die Informationen an die Untere Naturschutzbehörde sowie an den Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser von Bedeutung, wenn Gefährdungen für diesen besonderen Lebensraumtyp beobachtet werden.
Am vergangenen Sonnabend entfernten vier Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen an einem Steilhang im NSG Alter Stolberg den Aufwuchs junger Gehölze, der sich nach Entbuschungsmaßnahmen im zurückliegenden Herbst gebildet hatte. Auf mehreren noch vor wenigen Monaten überwiegend beschatteten Felsbildungen können sich so allmählich wieder Pflanzen- und Tierarten ansiedeln, die typisch für besonnte Pionierfluren sind.
Der Steilhang war jahrelang verbuscht, da sich niemand fand, ihn dauerhaft in seinem ursprünglichen, artenreichen und offenen Zustand zu erhalten. Der BUND-Kreisverband hat diese Fläche nun in sein regelmäßiges Jahrespflegeprogramm aufgenommen.
Vier Aktive aus Nordhausen und Kleinfurra widmeten sich der durchaus anstrengenden Arbeit im steil ansteigenden Gelände, das im vergangenen Winterhalbjahr ebenso durch uns einer aufwändigen Erstpflege mit großflächiger Entbuschung unterzogen worden war.
(Foto: Bodo Schwarzberg)
Die artenreichen Felsfluren sind im Vergleich zu unseren Trocken- und Halbtrockenrasen ungleich kleinflächiger ausgebildet und dadurch noch mehr gefährdet. Die auf sie spezialisierten Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften sind besonders durch ungeeignete Bewirtschaftung, wie Verbuschung und intensive Beweidung bedroht.
Dem versuchen Mitgieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen entgegenzusteuern. In solchen Felsfluren siedelt z.B. der gefährdete Frühe Ehrenpreis Veronica praecox.
Die Folge solcher Entbuschungsmaßnahmen auf jahrelang unbewirtschaftetem Gelände aber sind weitreichend: Es braucht mehrere Jahre konsequenter und regelmäßiger Folgepflege, um den Neuaustrieb der entfernten Gehölze auf diesen artenreichen Flächen mit dem Ziel einer Rückkehr von Trockenrasen- und Halbtrockenrasenarten in diese Bereiche zu verhindern. Mit einer einmaligen Aktion, wie sie in der Vergangenheit nicht selten zu beobachten waren, ist es noch lange nicht getan.
Das mitunter im Landkreis zu beobachtende Entwurzeln der Gehölze aber ist auch keine sinnvolle Alternative, da dies einen massiven, aber gar nicht alternativlosen, also vermeidbaren Eingriff in geschützte und schützenswerte Schutzgebiete bedeutet. Zudem ist dieser Hardcore-Naturschutz an Steilhängen kaum mit vertretbaren Mitteln durchführbar.
Das Grundproblem vieler Naturschutzmaßnahmen ist zudem die dauerhafte Absicherung von geeigneten Pflegemaßnahmen, wo der ehrenamtliche, nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten agierende, aktive Naturschutz im Vorteil ist.
Dutzende Male stiegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim 98. landschaftspflegerischen BUND-Einsatz am vergangenen Sonnabend den Steilhang bei Steigerthal im Zuge der durchgeführten Maßnahmen hinauf und wieder hinab. Es dürften hunderte Höhenmeter zusamengekommen sein.
Entschädigt wurden alle Teilnehmenden jedoch gleich dreifach: Durch ein tolles Mittagsmahl unter freiem Himmel, durch das Gefühl, wieder etwas für die Erhaltung des Artenreichtums in unserer einmaligen Gipskarstlandschaft getan zu haben und durch das hautnahe Erleben dieses Artenreichtums:
Denn selbst einem etwaig nicht naturinteressierten Menschen konnte das Treiben zahlloser Schmetterlinge nicht verborgen bleiben: Besonders der gerade leuchtend gelb blühenden Weidenblättrige Alant wird zum Beispiel von Tag-Pfauenauge, Kaisermantel, Damenbrett, Perlmuttfalter-Arten und C-Falter in einer geradezu unglaublichen Lebendigkeit umschwirrt.
Und damit wird augenfällig, wie wichtig unsere Naturschutzgebiete für die Erhaltung einer Artenvielfalt sind, die in Zeiten des erklärten Anthropozäns zu unser aller Lasten zunehmend Reliktcharakter trägt.
Um wenigstens diesen ein wenig mit erhalten zu helfen, waren bereits eine Woche zuvor, am 27.06., acht Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz im Einsatz gewesen. Immerhin seit 2003 werden Teile des betreffenden, größeren Halbtrockenrasenkomplexes zwischen Buchholz und Neustadt von Mitgliedern und Freunden des BUND-Kreisverbandes gepflegt, wodurch der einst sichere Verlust zum Beispiel der Orchidee Helm-Knabenkraut verhindert werden konnte.
Der durch den Nachweis eines massiven Insektensterbens berühmt gewordene Krefelder Entomologische Verein, der mit vergleichenden, über Jahrzehnte praktizierten Untersuchungen einen Rückgang der Insekten-Biomasse in einem großen Gebiet in geradezu dramatischen Größenordnungen erkannt hatte, hat in gewisser Weise auch unsere Pflegeeinsätze erreicht: Obwohl dies den zeitlichen Aufwand noch einmal beträchtlich erhöht, mähen wir bei Einsätzen vor August immer größere Teile unserer Trocken- und Halbtrockenrasen zunächst nicht. Die Larven verschiedenster Insektenarten sind auf intakte oberirdische Pflanzenteile für die erfolgreiche Vollendung ihres Lebenszyklus' angewiesen.
Andererseits fördert die langjährige, extensive und geeignete Bewirtschaftung unserer Gipskarstlandschaft genau jene Vielfalt von Pflanzenarten, auf die viele zum Teil bedrohte Insektenarten für ihr Überleben angewiesen sind. Unsere landschaftspflegerischen Einsätze versuchen sich der Förderung von Pflanzen- und Tierarten in gleicher Weise zu stellen.
Bodo Schwarzberg
BUND-Kreisverband Nordhausen
Autor: psg
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 98. landschaftspflegerischen BUND-Einsatzes beobachten Schmetterlinge in der Nähe von Steigerthal. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Insbesondere der 98. landschaftspflegerische Einsatz von Mitgliedern und Freunden des BUND-Kreisverbandes Nordhausen vom vergangenen Sonnabend diente u.a. der Erhaltung von lückigen Beständen entsprechend angepasster artenreicher Pflanzengesellschaften.
Diese Felsfluren können trotz ihrer Kleinflächigkeit eine große Artenvielfalt von an extreme Hitze und Trockenheit angepassten Spezialisten aufweisen, denn meist begegnen wir ihnen an den stark besonnten Süd-, Südwest- und Westhängen unserer Gipsberge, auf denen man bei 35 Grad im Schatten, unter extremer Mittagssonne theoretisch vielleicht sogar ein Spiegelei braten könnte.
In den Felsfluren siedeln zahlreiche farbenfrohe Angehörige der so genannten Bunten Erdflechtengesellschaft mit vielen heute zum Teil hochgradig bedrohten Arten, aber auch an lange währende Ausstrocknung angepasste Moose und zarte einjährige oder dickblättrige ausdauernde, höhere Pflanzen. Manche fallen durch ihre Farben schon von Weitem auf, so wie die gelbblühenden Mauerpfefferarten oder auch der Frühblühende Thymian mit seinem kräftigen Violett. Andere typische Bewohner dieser Pionierfluren sind unscheinbar und geradezu zart, wie das Fünfmännige Hornkraut, die Dolden-Spurre, der Dreifinger-Steinbrech, der Frühblühende Ehrenpreis oder das Quendel-Sandkraut.
Früher waren diese Felsfluren mit ihren Spezialisten im Gebiet um Nordhausen verbreitet. Noch Anfang der 90er Jahre gab es zum Beispiel in der Rüdigsdorfer Schweiz mehr derartiger Flächen, als heute, wie Fotovergleiche und wissenschaftliche Aufzeichnungen belegen. Durch Verbuschung, Humusanreicherung infolge ungeeigneter Bewirtschaftung gingen sie dort, aber auch andernorts zurück. Für den in der FFH-Richtlinie der EU aufgeführten entsprchenden Lebensraumtyp 6110* (Kalk-Pionierrasen) empfiehlt das Bundesamt für Naturschutz einen weitestgehenden Verzicht auf Bewirtschaftung mit Ausnahme einer gelegentlichen Entbuschung.
Bewährt hat sich in unserem Gebiet, zum Beispiel zwischen Rüdigsdorf und Harzungen, jedoch auch eine extensive, professionelle Hütehaltung mit Schafen, die ihren Kot erst während der Nachtpferche, nicht aber während der Beweidung auf die sensiblen Pionierrasen und angrenzenden Trockenrasen abgeben. Eine punktuelle, gelegentliche und schonende Mahd im Umfeld der Pionierfluren verhindert unter Umständen ihr allmähliches Überwachsen mit konkurrenzstärkeren Gräsern und Kräutern.
Das Ziel muss in der Verhinderung einer Nährstoffanreicherung und damit einer Humus- bzw. Bodenbildung über diesen Fels- und Schotterfluren sein.
Besonders selten und bedroht sind im Landkreis Nordhausen solche noch artenreichen Pionierfluren inmitten von wenig geneigten, also eher flachen Trockenrasen geworden.
Die Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes bemühen sich mit gezielten Aktionen um die Erhaltung solcher Flächen z.B. in den Naturschutzgebieten Pfaffenköpfe und Alter Stolberg. Dabei isind auch die Informationen an die Untere Naturschutzbehörde sowie an den Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser von Bedeutung, wenn Gefährdungen für diesen besonderen Lebensraumtyp beobachtet werden.
Am vergangenen Sonnabend entfernten vier Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen an einem Steilhang im NSG Alter Stolberg den Aufwuchs junger Gehölze, der sich nach Entbuschungsmaßnahmen im zurückliegenden Herbst gebildet hatte. Auf mehreren noch vor wenigen Monaten überwiegend beschatteten Felsbildungen können sich so allmählich wieder Pflanzen- und Tierarten ansiedeln, die typisch für besonnte Pionierfluren sind.
Der Steilhang war jahrelang verbuscht, da sich niemand fand, ihn dauerhaft in seinem ursprünglichen, artenreichen und offenen Zustand zu erhalten. Der BUND-Kreisverband hat diese Fläche nun in sein regelmäßiges Jahrespflegeprogramm aufgenommen.
Vier Aktive aus Nordhausen und Kleinfurra widmeten sich der durchaus anstrengenden Arbeit im steil ansteigenden Gelände, das im vergangenen Winterhalbjahr ebenso durch uns einer aufwändigen Erstpflege mit großflächiger Entbuschung unterzogen worden war.
(Foto: Bodo Schwarzberg)
Die artenreichen Felsfluren sind im Vergleich zu unseren Trocken- und Halbtrockenrasen ungleich kleinflächiger ausgebildet und dadurch noch mehr gefährdet. Die auf sie spezialisierten Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften sind besonders durch ungeeignete Bewirtschaftung, wie Verbuschung und intensive Beweidung bedroht.Dem versuchen Mitgieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen entgegenzusteuern. In solchen Felsfluren siedelt z.B. der gefährdete Frühe Ehrenpreis Veronica praecox.
Die Folge solcher Entbuschungsmaßnahmen auf jahrelang unbewirtschaftetem Gelände aber sind weitreichend: Es braucht mehrere Jahre konsequenter und regelmäßiger Folgepflege, um den Neuaustrieb der entfernten Gehölze auf diesen artenreichen Flächen mit dem Ziel einer Rückkehr von Trockenrasen- und Halbtrockenrasenarten in diese Bereiche zu verhindern. Mit einer einmaligen Aktion, wie sie in der Vergangenheit nicht selten zu beobachten waren, ist es noch lange nicht getan.
Das mitunter im Landkreis zu beobachtende Entwurzeln der Gehölze aber ist auch keine sinnvolle Alternative, da dies einen massiven, aber gar nicht alternativlosen, also vermeidbaren Eingriff in geschützte und schützenswerte Schutzgebiete bedeutet. Zudem ist dieser Hardcore-Naturschutz an Steilhängen kaum mit vertretbaren Mitteln durchführbar.
Das Grundproblem vieler Naturschutzmaßnahmen ist zudem die dauerhafte Absicherung von geeigneten Pflegemaßnahmen, wo der ehrenamtliche, nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten agierende, aktive Naturschutz im Vorteil ist.
Dutzende Male stiegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim 98. landschaftspflegerischen BUND-Einsatz am vergangenen Sonnabend den Steilhang bei Steigerthal im Zuge der durchgeführten Maßnahmen hinauf und wieder hinab. Es dürften hunderte Höhenmeter zusamengekommen sein.
Entschädigt wurden alle Teilnehmenden jedoch gleich dreifach: Durch ein tolles Mittagsmahl unter freiem Himmel, durch das Gefühl, wieder etwas für die Erhaltung des Artenreichtums in unserer einmaligen Gipskarstlandschaft getan zu haben und durch das hautnahe Erleben dieses Artenreichtums:
Denn selbst einem etwaig nicht naturinteressierten Menschen konnte das Treiben zahlloser Schmetterlinge nicht verborgen bleiben: Besonders der gerade leuchtend gelb blühenden Weidenblättrige Alant wird zum Beispiel von Tag-Pfauenauge, Kaisermantel, Damenbrett, Perlmuttfalter-Arten und C-Falter in einer geradezu unglaublichen Lebendigkeit umschwirrt.
Und damit wird augenfällig, wie wichtig unsere Naturschutzgebiete für die Erhaltung einer Artenvielfalt sind, die in Zeiten des erklärten Anthropozäns zu unser aller Lasten zunehmend Reliktcharakter trägt.
Um wenigstens diesen ein wenig mit erhalten zu helfen, waren bereits eine Woche zuvor, am 27.06., acht Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz im Einsatz gewesen. Immerhin seit 2003 werden Teile des betreffenden, größeren Halbtrockenrasenkomplexes zwischen Buchholz und Neustadt von Mitgliedern und Freunden des BUND-Kreisverbandes gepflegt, wodurch der einst sichere Verlust zum Beispiel der Orchidee Helm-Knabenkraut verhindert werden konnte.
Der durch den Nachweis eines massiven Insektensterbens berühmt gewordene Krefelder Entomologische Verein, der mit vergleichenden, über Jahrzehnte praktizierten Untersuchungen einen Rückgang der Insekten-Biomasse in einem großen Gebiet in geradezu dramatischen Größenordnungen erkannt hatte, hat in gewisser Weise auch unsere Pflegeeinsätze erreicht: Obwohl dies den zeitlichen Aufwand noch einmal beträchtlich erhöht, mähen wir bei Einsätzen vor August immer größere Teile unserer Trocken- und Halbtrockenrasen zunächst nicht. Die Larven verschiedenster Insektenarten sind auf intakte oberirdische Pflanzenteile für die erfolgreiche Vollendung ihres Lebenszyklus' angewiesen.
Andererseits fördert die langjährige, extensive und geeignete Bewirtschaftung unserer Gipskarstlandschaft genau jene Vielfalt von Pflanzenarten, auf die viele zum Teil bedrohte Insektenarten für ihr Überleben angewiesen sind. Unsere landschaftspflegerischen Einsätze versuchen sich der Förderung von Pflanzen- und Tierarten in gleicher Weise zu stellen.
Bodo Schwarzberg
BUND-Kreisverband Nordhausen


