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So, 09:49 Uhr
10.05.2020
BEHERZT WAGT DIE GASTWIRTIN DEN NEUANFANG, DENN:

Stirbt die Gaststätte, stirbt das gesellschaftliche Leben

Sie sind in die Jahre gekommen. Dennoch hatten sich die ehemaligen Mädchen und Jungen der Dorfschule, die mittlerweile 76 und weit über 80 Lenze hinter sich brachten, wie die kleinen Kinder auf ihr traditionelles Klassentreffen gefreut. Freitag nach Ostern sollte es in der Gaststätte „Am Hagen“ stattfinden...

Steffi Spieß im Gastraum (Foto: Kurt Frank) Steffi Spieß im Gastraum (Foto: Kurt Frank) Steffi Spieß ist Gastwirtin mit Leib und Seele, Herz und Verstand.

Günzerode. Corona kam dazwischen. Die Enttäuschung riesengroß. Auch bei der Vereinigung der Landsenioren, die hier am 25. März sich zu ihrer Mitgliederversammlung mit Vorstandwahl treffen wollten. Glücklich konnten sich noch die Karnevalisten schätzten, deren Auftritte noch öffentlich im Februar über die Saalbühne gingen. Seitdem sah das Gasthaus keine Gäste mehr.

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Die Coronakrise geht dem Gastgewerbe an die Nieren. Sagt Wirtin Steffi Spieß. Null-Einnahmen. Bei laufenden Kosten. Sie habe einen Antrag auf Hilfen gestellt. Bislang aber noch keinen Euro bekommen. Die Situation gehe an die Substanz. Am 15. des Monats will sie den Schlüssel auf „Geöffnet“ drehen, strikt alle notwendigen Vorschriften beachten. Aber: Die Verluste, die „Am Hagen“ seit Schließung einfuhr, werden nicht mehr zu kompensieren sein, befürchtet die Wirtin schweren Herzens.

Nicht nur Schülertreffen und Zusammenkunft der Landsenioren fielen der Pandemie zum Opfer. Ebenso Jugendweihefeiern und zahlreiche geplante wöchentliche Veranstaltungen. Für die Gastwirtin eine Zeit zum Verzweifeln. Doch Steffi Spieß ist eine Kämpfernatur. Eine Gastwirtin mit Leib und Seele, Herz und Verstand. Es war wohl 1991 ein Wink des Schicksals. Die junge Frau war arbeitslos, im Ort die ehemalige Konsum-Gaststätte wirtslos geworden. Beherzt stellte sie sich auf die eigenen Beine. Zunächst als Pächterin. Fortan bestimmte der Beruf ihr Leben.

Kreativ warb die junge Frau für das Wirtshaus. Malte Schilder in großen Lettern, stellte sie gut sichtbar auf. Nach und nach kamen Gäste. Die gute Küche sprach sich herum. Es ging voran. Die Restaurantfachfrau kaufte später das gesamte Objekt. Investierte. Auch in das Kellergeschoss. Drei Doppelzimmer mit TV, Dusche und WC entstanden. Drei-Sterne-Niveau. Gäste aus nah und fern übernachteten, darunter Niederländer und Österreicher. Geburtstage, Hochzeiten, Jugendweihen, Auftritte des Karnevalsvereins – im Gastraum mit 35 Personen, im Saal, der 120 Personen Platz bietet oder kleiner in Familie auf der überdachten Freiterrasse, wo es sich 18 Besucher gemütlich machen können.

Vor der Gaststätte in Günzerode (Foto: Kurt Frank) Vor der Gaststätte in Günzerode (Foto: Kurt Frank)
Eine Erfolgsgeschichte mitten im Wirtshaussterben rundum in den Dörfern, das schon lange vor der Corona-Pandemie zu spüren war. Die Gaststätte „Am Hagen“ bestimmt das gesellschaftliche Leben in dem 240-Seelen-Ort. Kindergarten, Schützenverein und Feuerwehr sind Geschichte. Fällt die Gaststätte, stirbt im Ort auch das gesellschaftliche Leben, sagen sich Fuchs und Hase dann auf Dauer „Gute Nacht“.

Alles Gute, Steffi Spieß für den Neuanfang.
Kurt Frank
Autor: psg

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Kommentare
alterNeunordhäuser
10.05.2020, 11:12 Uhr
Daumen drücken
Wir drücken Dir liebe Steffi, ganz fest die Daumen für den Neustart und sagen Danke, für die vielen schönen Stunden und die immer nette Bewirtung.
Heike, Uwe und die Pitchy
Audio
10.05.2020, 12:20 Uhr
Mach dich ran, Landrat !
Mir blutet immer wieder das Herz, wenn ich von solchen Schicksalen, wie dem oben geschilderten, höre. Es kann doch, weiß Gott, nicht so schwer sein, dem Gaststättengewerbe kurzfristig zu helfen. Mit "Helfen" meine ich eine Öffnungsgenehmigung für die Gaststätten, welche den geforderten Sicherheitsstandard erfüllen können. Ich denke dabei an solche mit Außenterassen, wie eben bei Steffi.
Was ist nur in diesem Land los ? Da dürfen sich hunderte von sogenannten "Freiheitsbürgern"auf Plätzen versammeln und die (schlecht bezahlten) Polizisten mit Steinen und Flaschen bewerfen!
Sie bezeichnen die Pandemie als Fake und Verschwörung und begreifen nicht, dass sie mit ihrem verantwortungslosen Handeln Mitbürger anstecken. Warum befielt hier nicht der zuständige
Ministerpräsident "Knüppel raus" wie damals zur "Dutschke-Zeit" ? Na ja, das waren ja Linke, die den kapitalistischen Staat stürzen wollten - also eine größere Gefahr als eine handvoll "Schwachmaten".
Lange Rede - kurzer Sinn. Herr Jendricke, Sie haben bisher" Rückrat" gezeigt, was viele Nordthüringer auch anerkennen. Deshalb hier mein Appell: genehmigen Sie die Öffnung der entsprechenden Gaststätten und tragen Sie damit bei, dass das gesellschaftliche Leben in der Region wieder in Gang kommt !
Danke !
Waldemar Ceckorr
10.05.2020, 14:01 Uhr
es müsste viel mehr freiheitsbürger geben,
die warten wenigstens nicht ob sie eine erlaubnis bekommen, die machen einfach.
ich kann nur sagen, kneipen auf, leute auf die strasse.
wir haben rechte, maskenpflicht ist körperverletzung.

der waldi
Leser X
10.05.2020, 16:15 Uhr
Manche haben noch immer nicht begriffen...
... dass uns derzeit eine Pandemie beherrscht. Sowas wie höhere Gewalt. Dafür kann man weder dem Landrat noch der Kanzlerin Schuld geben oder sie dafür verurteilen, dass sie unpopuläre Schutzmaßnahmen treffen müssen.

Selbst einige Amerikaner haben inzwischen schon begriffen, dass sie sich mit einem Colt nicht schützen können. Der Virus ist zu klein, um ihn erschießen zu können...
Wolfi65
10.05.2020, 17:43 Uhr
Genau
Corana ist eine Erfindung der Großkopferten und die Corona Toten sind in Wahrheit an Herzversagen gestorben.
Dass in ein paar Tagen und Wochen wegen steigender Infektionszahlen die Lockerungen wieder zurückgenommen werden müssen, ist auch nur erfunden.
Liebe Bürger der Freiheit.
Geht mal in die Krankenhäuser, wo die Menschen den Ärzten wegen Corona unter den Händen wegsterben.
Man wird erst ruhiger, wenn man selbst die Seuche am Hals hat und kaum noch Luft kriegt.
Da pfeif ich doch auf kulturelles Leben.
Und die Schutzmaske trage ich doch nur, wenn ich mich in öffentlichen Gebäuden aufhalte.
Wo ist das denn Körperverletzung, wenn ich andere vor Ansteckung schütze?
Die Büchse der Pandora ist geöffnet worden und nun müssen wir alle sehen, dass der Virus wieder dahin zurückkehrt.
Die Spass- und Erlebnisgesellschaft muss eben noch ein wenig warten.
Paulinchen
10.05.2020, 18:55 Uhr
@Waldemar Ceckorr...
...na dann gute Reise. Sie haben die Wahl zwischen 14 Ländern auf unserem schönen Planeten, welche noch nach eigenen Angaben keine Coronainfektion haben.

Dort können Sie nach Lust und Laune leben und ander gute Dinge machen. Zum Beispiel keine Masken tragen..... Ob Sie dort allerdings demonstrieren dürfen, habe ich nicht bei Google geprüft.
Tamara Jagellovsk
10.05.2020, 19:00 Uhr
Lieber Wolfi,
warum wird dann in den Krankenhäusern kurz-gearbeitet, wenn es auch so viele Coronakranke dort gibt ?
Die Frage bei den Todesfällen ist doch, sind die MIT oder AN corona gestorben.
Das sagt eigenartigerweise keiner.

Tamara Jagellovsk GSD
b@st3l76
10.05.2020, 20:49 Uhr
Das kann doch nicht so schwer sein
Gastronomie zu unterstützen und zu öffnen.
Wer will geht hin, wer nicht lässt es bleiben.
Warum kann ich nicht essen, und 2 Tisch weiter wird auf der Terrasse auch gegessen? Dann dürfte ich auch nicht rausgehen oder? Die Gastronomie stirbt aus, wenn der Staat so weiter macht...
Brocky
11.05.2020, 10:55 Uhr
Dorfgaststätten sind unverzichtbar
So wie Kurt Frank es beschrieben hat ist das genau richtig. Das gesamte kulturelle Leben hängt von der engagierten Gaststätte ab. Es sind der Karnevalsverein, die Landfrauen, die Rentner und die Familienfeiern die sich hier aufgehoben fühlen und die das kulturelle und gesellschaftliche Leben eines Dorfes wie Günzerode widerspiegeln. Es muss doch möglich sein, dass man im Außenbereich wieder öffnet und dass man auch im Saal mit einem gewissen Sicherheitsabstand ein Bier und ein Essen genießen kann. Abgesehen von dem Pensionsbetrieb. Auch wenn ich selbst nicht ein ständiger Besucher der Gaststätte bin, aber es kann nicht sein, dass diese Einrichtungen auf den Dörfern durch die Krise unnötiger Weise zerstört werden.
Außerdem hat Steffi Geburtstag, da wünschen wir alles Gute und ganz viel Gesundheit und ihren Angestellten viel Durchhaltevermögen.
G. Brockt
Waldemar Ceckorr
11.05.2020, 15:10 Uhr
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