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Mo, 10:42 Uhr
20.04.2020
Angemerkt:

Wir machen weiter…

Der Ausfall des alltäglichen Lebens trifft die ganze Gesellschaft. Behördengänge sind nur noch bedingt möglich, vieles muss telefonisch geregelt werden. Gerade für Flüchtlinge und/oder Migranten sind die Alltagshürden damit noch einmal ein Stück höher geworden. Der Horizont-Verein versucht der Lage unter erschwerten Bedingungen Herr zu werden und findet kreative Lösungen. Dazu Anmerkungen von Sara Müller, der Bereichsleiterin Integration und Migration…


Deutsch ist keine leichte Sprache und amtliche Schreiben und Verordnungen sind selbst für manch Einheimischen nicht eben leichte Lektüre. In der jetzigen Situation, in der eine Anordnung die nächste jagt, fällt es gerade Menschen ohne gute Deutschkenntnisse zunehmend schwer, dem Lauf der Dinge zu folgen. Viele unserer Klienten sind momentan sehr hilflos. Einige wichtige Behörden sind für den Besucherverkehr geschlossen und nur noch telefonisch oder digital erreichbar. Für diejenigen, die mit der Sprachbarriere zu kämpfen haben, macht das die Situation sehr schwer. Wir haben aber auch Leute die gut deutsch sprechen und in gefestigten Strukturen leben, sich aber mit rechtlichen Fragen befassen müssen, was noch mal eine ganz andere Herausforderung ist. Hinzu kommt, dass viele nicht über die technische Ausstattung wie Scanner und Drucker verfügen, um ihre Dinge digital zu regeln.

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In normalen Zeiten funktioniert der Beratungsbetrieb in den verschiedenen Projekten des Fachbereichs auf sehr persönlicher Ebene. Wer Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen oder der Übersetzung von Dokumenten braucht, der schaut direkt bei den Sozialarbeitern vorbei. Aktuell ist das nicht mehr beziehungsweise nur sehr eingeschränkt möglich. Der Verein hat deswegen seine Beratungsangebote auf telefonische und digitale Erreichbarkeit umgestellt. Wir können Telefonkonferenzen aufbauen und Teilnehmer hinzuschalten. Außerdem benutzen wir schon seit geraumer Zeit die Möglichkeit, Videodolmetscher hinzuziehen. Zusätzlich haben wir jetzt Chatgruppen eingerichtet, unsere Mitarbeiter sind für die Klienten persönlich erreichbar, können Fragen stellen und Dokumente abfotografieren.

Für geflüchtete Menschen gibt es Dokumente, Formulare und Hinweise in Übersetzungen, an anderer Stelle musste man jetzt selber zum Wörterbuch greifen. „Die Allgemeinverfügungen des Landkreises mussten wir zumindest zusammenfassen und ins Arabische übersetzen. Es ist essentiell wichtig, dass die Vorgaben von allen verstanden werden können, auch von Menschen mit Migrationshintergrund. Insgesamt funktionieren die Informationsketten von den Behörden zu den Trägern und Sozialarbeitern aber ganz gut. Das gilt sowohl für das Land wie auch den Landkreis oder Einrichtungen wie der SWG.

Soweit der berufliche Alltag. Unter dem Eindruck der Kontaktverbote, Schulschließungen und Spielplatz-Sperrungen sieht man jetzt aber noch ganz andere Bedarfe. In Zusammenarbeit mit dem Haus der Generationen überlege man im Moment, wie man weitere Angebote machen kann, die über die übliche Beratung hinausgehen. Derzeitig erstellen wir einen řouTube-Kanal, über den unsere Mitarbeiter und Ehrenamtlichen verschiedene Dinge umsetzen könnten, etwa die aktuellen Verordnungen des Landkreises in einfacher Sprache erklären, aber auch Märchen und Geschichten vorlesen, damit die Kinder daheim nicht den Kontakt zur deutschen Sprache verlieren. Weiterhin werden dort Beschäftigungsangebote auf Deutsch vorgestellt. Einfach Möglichkeiten, die den Alltag in den eigenen vier Wänden etwas leichter machen.

Gerade in solchen schweren Zeiten sei es wichtig, Solidarität zu zeigen. Wir sitzen jetzt alle im gleichen Boot und jeder trägt Verantwortung für sich und die Allgemeinheit, unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Sprachvermögen. Wir werden unser Bestes geben, um dafür zu Sorge zu tragen, dass auch unsere Klienten ihren Teil zur Überwindung der Krise beitragen können und wir alle diese Zeit gut überstehen.
Sara Müller
Autor: red

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Kommentare
harzwj
21.04.2020, 10:09 Uhr
Dem Beitrag ist...
prinzipiell zuzustimmen. Eine Anmerkung sei jedoch zur Bemerkung im Text, "...wir sitzen alle im selben Boot..." erlaubt. Gut wäre es, wenn alle mitrudern würden und sich nicht von den Ruderern übers Wasser und durch die "Klippen" fahren lassen würden. Denn, nur unter diesen Bedingungen kann das "gemeinsame Boot" auf Kurs gehalten werden.
Bleiben Sie alle schön gesund
W. Jörgens
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