Do, 15:55 Uhr
09.04.2020
ANTON ADLERAUGE MEINT
Ansturm auf eine heiß begehrte Ware
Corona und kein Ende. Unser Landrat traf Vorsorge und bestellte insgesamt 1,3 Millionen Atemschutzmasken, die im Monatsverlauf nach und nach geliefert würden. Unser "Anton Adlerauge" war in den Morgenstunden auch auf Maskenjagd...
Die erste Ladung, 150 000 Stück, traf gestern ein. 50 Stück pro Haushalt könnte man vergeben, war zu lesen. Wir freuen uns, dass uns die Apotheken im Landkreis unterstützen und Masken anbieten werden, tat der Kreischef kund. Und fügte überzeugend an: Niemand brauche jetzt Hamsterkäufe machen.
Voller Erwartung ob der Euphorie des Landrates machte ich mich heute so um 9 Uhr auf Spurensuche. Und kam dennoch zu spät! In der Apotheke Am Rosengarten fand sich keine einzige Maske mehr. Die Leute hätten Schlange gestanden. 50 Stück pro Haushalt sei publiziert worden. Etliche Kunden hätten auf diese Anzahl bestanden, erfuhr ich von einer freundlichen Verkäuferin. Man wollte sich mit ihnen nicht anlegen, zumal es ja so zu lesen war. Wie gekommen, so zerronnen. Es brauchte keine Stunden bis zum letzten Maskenzipfel.
Vor der Kreuz-Apotheke kam mir ein Herr, in gleicher Angelegenheit unterwegs, mit leeren Händen entgegen. Die angelieferten Masken, insgesamt 1000 Stück, wären noch vor 10 Uhr vergeben gewesen, erklärte er. Wie in alten Zeiten, als es in der DDR in irgendeinem Geschäft Bananen gab, habe er sich gefühlt. Einfach unmöglich.
In der Apotheke Grimmelhof soll es noch einen Vorrat geben, machte er sich und mir Hoffnung. Dort kurz nach 10 Uhr angekommen, erwartete uns die nächste Enttäuschung: Ausverkauft! So einen Ansturm habe man noch nicht erlebt, meinte eine junge Mitarbeiterin. Wir sollten am Nachmittag noch mal nachfragen.
Ausverkauf um diese Zeit vermeldete auch die Mohren-Apotheke. Trotz einer größeren Lieferung sei die Nachfrage derart gewesen, was ein schnelles Ende der Corona-Schützer zur Folge hatte.
In beschleunigtem Tempo in die Sophien-Apotheke. Zaghaft wagte ich nach einer Maske zu fragen. Sie wolle nachsehen, ob sie noch was finde, machte mir die nette Kollegin Hoffnung. Mit einem kleinen Päckchen, das noch drei Stück dieser Dinger enthielt, kam sie zurück. Für sie die letzten! Kaum stand ich vor dem Haus, kam ein Mann eilig angeradelt. Als er mein Päckchen, das ich noch in Händen hielt, erblickte, hellte sich seine Miene auf. Da habe er ja noch mal Glück gehabt, meinte er. Ich hielt meine Ware mit den Worten hoch: Es sind die letzten! Er glaubte mir aber nicht so recht, eilte in die Apotheke, kam sogleich wieder zurück und gratulierte mir zum Erfolg.
Gut gelaunt ist jetzt auch mein Freund Wolfgang. In der Cranach-Apotheke erhielt er die heiß begehrte Ware. Drei Masken pro Person. Mit Frau im Schlepptau waren es sechs. Nicht so guter Stimmung ist hingegen Franz von nebenan. Der Stadtpark-Apotheke lag am Vormittag noch keine Lieferung vor. Franz wird am heutigen Tag nicht der letzte Mensch in der Stadt gewesen sein, der sich enttäuscht sah.
War es klug von Matthias Jendricke, zu verkünden, es könnten 50 Masken pro Haushalt vergeben werden? Etliche Leute, die heute eine Apotheke betraten, bestanden vehement auf diese Zahl. Zumeist sind es Frauen, die hinter dem Tresen stehen. In diesen stressigen Tagen möchten sie nicht noch zusätzlich Schimpf über sich ergehen lassen und sich daher auch nicht unbedingt mit Ramschern anlegen. Nur so wäre ein so umgehender Ausverkauf erklärbar.
Bei 1,3 Millionen Mundschutzmasken sollte der Verkauf bei nachfolgenden Lieferungen doch wohl anders verlaufen.
Anton Adlerauge
Autor: redDie erste Ladung, 150 000 Stück, traf gestern ein. 50 Stück pro Haushalt könnte man vergeben, war zu lesen. Wir freuen uns, dass uns die Apotheken im Landkreis unterstützen und Masken anbieten werden, tat der Kreischef kund. Und fügte überzeugend an: Niemand brauche jetzt Hamsterkäufe machen.
Voller Erwartung ob der Euphorie des Landrates machte ich mich heute so um 9 Uhr auf Spurensuche. Und kam dennoch zu spät! In der Apotheke Am Rosengarten fand sich keine einzige Maske mehr. Die Leute hätten Schlange gestanden. 50 Stück pro Haushalt sei publiziert worden. Etliche Kunden hätten auf diese Anzahl bestanden, erfuhr ich von einer freundlichen Verkäuferin. Man wollte sich mit ihnen nicht anlegen, zumal es ja so zu lesen war. Wie gekommen, so zerronnen. Es brauchte keine Stunden bis zum letzten Maskenzipfel.
Vor der Kreuz-Apotheke kam mir ein Herr, in gleicher Angelegenheit unterwegs, mit leeren Händen entgegen. Die angelieferten Masken, insgesamt 1000 Stück, wären noch vor 10 Uhr vergeben gewesen, erklärte er. Wie in alten Zeiten, als es in der DDR in irgendeinem Geschäft Bananen gab, habe er sich gefühlt. Einfach unmöglich.
In der Apotheke Grimmelhof soll es noch einen Vorrat geben, machte er sich und mir Hoffnung. Dort kurz nach 10 Uhr angekommen, erwartete uns die nächste Enttäuschung: Ausverkauft! So einen Ansturm habe man noch nicht erlebt, meinte eine junge Mitarbeiterin. Wir sollten am Nachmittag noch mal nachfragen.
Ausverkauf um diese Zeit vermeldete auch die Mohren-Apotheke. Trotz einer größeren Lieferung sei die Nachfrage derart gewesen, was ein schnelles Ende der Corona-Schützer zur Folge hatte.
In beschleunigtem Tempo in die Sophien-Apotheke. Zaghaft wagte ich nach einer Maske zu fragen. Sie wolle nachsehen, ob sie noch was finde, machte mir die nette Kollegin Hoffnung. Mit einem kleinen Päckchen, das noch drei Stück dieser Dinger enthielt, kam sie zurück. Für sie die letzten! Kaum stand ich vor dem Haus, kam ein Mann eilig angeradelt. Als er mein Päckchen, das ich noch in Händen hielt, erblickte, hellte sich seine Miene auf. Da habe er ja noch mal Glück gehabt, meinte er. Ich hielt meine Ware mit den Worten hoch: Es sind die letzten! Er glaubte mir aber nicht so recht, eilte in die Apotheke, kam sogleich wieder zurück und gratulierte mir zum Erfolg.
Gut gelaunt ist jetzt auch mein Freund Wolfgang. In der Cranach-Apotheke erhielt er die heiß begehrte Ware. Drei Masken pro Person. Mit Frau im Schlepptau waren es sechs. Nicht so guter Stimmung ist hingegen Franz von nebenan. Der Stadtpark-Apotheke lag am Vormittag noch keine Lieferung vor. Franz wird am heutigen Tag nicht der letzte Mensch in der Stadt gewesen sein, der sich enttäuscht sah.
War es klug von Matthias Jendricke, zu verkünden, es könnten 50 Masken pro Haushalt vergeben werden? Etliche Leute, die heute eine Apotheke betraten, bestanden vehement auf diese Zahl. Zumeist sind es Frauen, die hinter dem Tresen stehen. In diesen stressigen Tagen möchten sie nicht noch zusätzlich Schimpf über sich ergehen lassen und sich daher auch nicht unbedingt mit Ramschern anlegen. Nur so wäre ein so umgehender Ausverkauf erklärbar.
Bei 1,3 Millionen Mundschutzmasken sollte der Verkauf bei nachfolgenden Lieferungen doch wohl anders verlaufen.
Anton Adlerauge


