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Do, 18:30 Uhr
21.11.2019
Verein Sozialfonds übergab Spenden

Das gibt es eigentlich nicht

Manchen fehlen ein paar ordentlich Sportschuhe, anderen ein Turnbeutel, der eine kann vielleicht nicht an der Klassenfahrt teilnehmen, der oder die nächste kommt ohne funktionierenden Taschenrechner in den Unterricht. Kindern und Jugendlichen, die es nötig haben, möglichst direkt zu helfen, diese Aufgabe verfolgt der Verein "Sozialfonds Nordhausen" seit zehn Jahren. Heute war es wieder an der Zeit, die jährlichen Spenden zu übergeben...


Bevor der Verein im Jahr 2009 geboren wurde, da saßen die zukünftigen Gründungsmitglieder des "Sozialfonds Nordhausen" des öfteren beisammen, erzählte Schatzmeister Georg Müller heute. "Wir haben jeden Abend die Welt gerettet, viel darüber geredet was man machen müsste und könnte aber am Ende hat das Reden natürlich nichts geändert".

Wie es in der Kinder- und Jugendhilfe zugeht, wie das soziale Gerüst beschaffen ist und wo seine Hürden und Herausforderungen liegen, das wussten sie alle aus der eigenen Berufserfahrung. Man habe in Deutschland zwar ein gutes soziales Netz, aber die Hilfe komme nicht immer dort an, wo sie dringend gebraucht werde, erklärte Joachim Claus heute. Zwischen denen die Hilfe brauchen und den Institutionen die sie geben können, steht zudem in der Regel eine dicke Wand aus bürokratischen Vorgaben. Ist es nicht die Bürokratie, sind es vielleicht die Verhältnisse in den Familien, die effektiver Hilfe im Wege stehen.

Das alles sollte der Verein "Sozialfonds" umgehen und Hilfe direkt und unbürokratisch zu denen bringen, die wissen wo der Schuh drückt: zu Lehrern, Trainern und Fördervereinen. In den zehn Jahren seiner Existenz hat der Verein Stand heute 31.500 Euro sammeln und verteilen können. 100% der Einnahmen aus den Beiträgen der elf Mitglieder, anonymen Spenden und finanziellen Zuwendungen von Einrichtungen wie der Kreissparkasse werden einmal im Jahr an Sportvereine und Schulfördervereine ausgegeben, die einzigen Kosten die entstehen, sind ein paar Briefmarken. "Das dem Finanzamt zu erklären war gar nicht so einfach, dort hat man uns damals gesagt, dass es so etwas eigentlich nicht gäbe". Inzwischen funktioniert der Ansatz des Vereins aber ganz gut, auch beim Finanzamt.


In diesem Jahr wurde die Grundschule Bertold Brecht, die Grund- und Regelschule Am Förstemannweg sowie die Grund- und Regelschulen in Niedersachswerfen und Bleicherode mit jeweils 500 Euro bedacht. Die Sportvereine BSG Altstadt Nordhausen und SG Blau Gelb Görsbach erhielten 250 Euro.

Was sie mit dem Geld anfangen wollen, das wissend die Damen und Herren sehr genau. An der Regelschule Bleicherode wird man Material und Arbeitshefte für den "DaZ"-Unterricht besorgen. Die Grundschule Niedersachswerfen blickt auf die kalte Jahreszeit und will einzelnen Kindern passende Bekleidung besorgen. "Wir sehen Kinder deren Jacken zu klein oder deren Schuhe durchgelaufen sind und wir wissen das dass von zu Hause nicht geregelt werden wird. Das geht einem durch und durch", erzählt die Vertreterin des Fördervereins. Beim SG Blau Gelb Görsbach soll die Spende genutzt werden um Sportschuhe, Turnhosen und Sportbeutel zu besorgen, eine Regelschule will ein paar Taschenrechner
und Zeichenmaterial für bedürftige Schülerinnen und Schüler vorhalten.

Die Mitglieder des Sozialfonds engagieren sich als Privatpersonen, nicht als Vertreter ihrer jeweiligen Institutionen. Alles was man von den Bedachten braucht, ist eine Quittung, keine Zielvereinbarungen, Indikatorenblätter, Verwendungsnachweise und Projektabrechnungen. Nach Möglichkeit hätte man gerne eine Rückmeldung wie das Geld verwendet wurde und vielleicht ein kennen-lernen mit den Kindern und Jugendlichen. "Wir erwarten gar keine "Danke schön", wir wollen der Hilfe ein Gesicht geben", erklärt Joachim Claus, Studien hätten gezeigt das persönliche Hilfe in der Jugend eher dazu führe, das sich die Kinder von einst im Erwachsenenalter selber engagieren und bereit sind, anderen zu helfen.
Angelo Glashagel
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Kommentare

21.11.2019, 21.40 Uhr
Psychoanalytiker | Es ist aller Ehren wert ...
... was dieser Verein vollbringt. Nur bräuchte es diesen Verein garnicht, wenn das SOZIALE in dieser Marktwirtschaft wieder den Stellenwert erhielte, den es bräuchte, um alle Arten von Armut auszuschalten. Ich muss es leider immer mal wiederholen: Ein allein erziehendes Elternteil muss heute oftmals 2 oder 3 Jobs ausüben, um einigermaßen "über die Runden" zu kommen. Wohlgemerkt, neben der Erziehung und neben der Haushaltsführung. Altersarmut gibt es auch, das soll die Grundrente verhindern. Aber diejenigen, die auch nur einen Tag weniger als 35 Jahre arbeiteten, haben nichts davon, bleiben meist in der Altersarmut. Solche Beispiele zeigen mir sehr deutlich, dass das SOZIALE an der "Sozialen Marktwirtschaft" nichts weiter ist, als eine Worthülse. Und leider ist meine politische Ausrichtung (SPD) stark daran beteiligt. Um in der Regierung zu bleiben, verkauft sich diese Partei lieber an die CDU, muss "Abstriche" hinnehmen und feiert dies noch als Errungenschaft. Also SPD, werdet wieder "sozial", und dass nicht nur mittels Hilfe in einem Verein ...

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