eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Mo, 06:58 Uhr
25.04.2005

Japan in der Kirche

Nordhausen/Sondershausen (nnz). Zu einem ganz besonderen Konzert wurde gestern in eine Kirche in Sondershausen eingeladen. Für die nnz hörte Katrin Landgraf aufmerksam zu...


Besonders voll war die Kirche zum heutigen Konzert des Tokioter Solisten-Dreiecks nicht, aber das lag wahrscheinlich an der noch sehr kalten Trtinitatiskirche. Doch diese Kälte verwandelte sich sehr schnell in Wärme. In Wärme für die Seele, die durch die Musik ermöglicht wurde. Während sich die Solisten des 2002 in Leipzig gegründeten Ensembles im Trinitatissaal warm spielten, nutzen die Besucher die Gelegenheit, die am Morgen eröffnete Ausstellung über den Apostel Andreas zu betrachten, die Bilder, Kirchen, Architekturdetails, Briefmarken und Orgeln zeigte und uns daran erinnern soll, dass die Aposteln auch heute noch eine sehr wichtige Rolle spielen.

Dieser Sonntag steht unter dem Psalm Kantate und ist ein Lobpreis an die Musik. Nicht nur im morgendlichen Gottesdienst wurde der Gemeinde dies bewusst gemacht, sondern auch in dem Konzert der 3 Japaner am Abend, die sich auf dem letzten Konzert ihrer Deutschlandtournee befinden.

Eingeleitet wurde das Konzert mit Mozarts Alleluja aus den 3 Motetten, die eigentlich für Sopran und Orchester geschrieben wurde. Zu hören war sie in dieser Besetzung vor 2 Jahren - dem Jahr der Bibel - zum Lobkonzert. In der heutigen Besetzung jedoch stellte sie einen interessanten Kontrast dar und zeigte, wie verschieden ein Halleluja von ein und dem selben Komponisten klingen kann.

Im Anschluss folgte ein Stück von Albinoni für Orgel und Posaune. Im 2. Satz fanden sich erstaunliche Parallelen zum Cello Konzert des Komponisten wieder. Es wirkte jedoch düsterer, was vor allem an der Disposition der Hey-Orgel lag. Die Organistin Minori Mori nutze geschickt leise Zungenregister und einen dunklen Bordoun, um diese Stimmung zu schaffen, die sich hervorragend mit dem schnorrigen Klang der Posaune ergänzte.

Ein interessanter Klangpunkt war auch die Improvisation von Crespo gespielt von dem Posaunisten Ryutaro Horie. Nicht unbedingt zugänglich für den "normalen" Konzertbesucher, war es doch ein beeindruckender Beweis von dem Tonumfang einer Posaune gespickt mit glänzender Technik. Teilweise mit Jazzelementen rutsche das Stück immer wieder in völlig diffuse Tonsprünge, wie man sie nur bei Improvisationen findet. Meine persönliche Hochachtung, so etwas auswendig zu lernen, wobei dem Publikum ein Verspieler sicher nicht mal aufgefallen wäre.

Eingeschoben in das Programm wurde noch eine Triosonate von Bodin de Boismotier. Die kraftvolle Posaune wich einem einem sanften weichen Klang, der versuchte sich an die Hausorgel und die Flöte anzupassen, um sie nicht zu erdrücken. Aber eigentlich sind Posaunen nicht wirklich geeignet, um derart zierliche Musik zu spielen.

Mit Mozarts Konzert für Flöte stellte nun Chika Kawanishi ihre Virtuosität unter Beweis. Und hier war er. Ein weicher, unbeschreiblicher Klang einer Querflöte. Ein Solostück wäre angebracht gewesen, jedoch reichte der schüchternen Japanerin das Solo bei Mozart völlig aus.

Richtig "Japanisch" wurde es dann mit den Stücken Bergahorn und Dorffest, in dem die Posaune erstmals einen Dämpfer benutzte, um trotz der Stille den typisch knarrigen Ton zu erzielen. Die für asiatische Musik typische Pentatonik fand ihre Mystik und ihren Reiz bei den Besuchern und entlockte selbigen einen herzlichen Applaus.

Highlight des Abends war jedoch ein argentinischer Komponist. Klassik wurde eben bei Seite gerückt und ersetzt durch einen der schönsten Tangos, die Astor Piazolla je geschrieben hat: Oblivion. Was man hörte, war nicht die Musik, sondern die sinnlich schleifenden Schritte eines Tanzpaares. Man roch den Rauch der vernebelten Tangobars und schmeckte den süßlich bitteren Geschmack abgestandener Cocktails. Tango bedeutet Erotik. Tango bedeutet Melancholie. Tango ist ein Lebensgefühl. Tango ist ein trauriger Gedanke, den man lebt. Tango versetzt uns in unsere innerste Seele.

Schade eigentlich, dass das Tokioter Solisten-Dreieck dieses Stück nicht als Abschluss wählte, denn man möchte diese Musik nicht aus dem Ohr haben. Nach dem Schlussstück und einem herzlichen Applaus spielten sie als Zugabe das „Jesu bleibet meine Freude“ von Bach und nach Aufforderung eines Besuchers, erzählte Ryutaro Horie - Kopf des Ensembles - noch ein bisschen über sich.

Zeit für weitere Konzerte findet sich am 4.5. in der Trinitatiskirche um 20 Uhr. Flöte und Orgel stehen dann auf den Programm und wollen das Publikum in die Welt der Musik entführen.
Katrin Landgraf
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)