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Di, 15:30 Uhr
13.08.2019
Alte Theatertruppe kam wieder nach Nordhausen

Bonjour, ma chere, es ist zu lange her

Die 90er Jahre waren eine Zeit des Umbruchs, auch am Nordhäuser Theater. Viele junge Künstler, gerade aus dem Ballett, durchlebten hier ihre ersten, formativen Jahre und nutzen die Nordhäuser Bühne als Sprungbrett zu größeren Häusern. Nach über einem Vierteljahrhundert traf man sich am vergangenen Wochenende wieder an der alten Wirkungsstätte...


Das große Wiedersehen beginnt, wie könnte es anders sein, vor dem Theater. 27 ehemalige Balletttänzer und Tänzerinnen zog es am vergangenen Freitag noch einmal nach Nordhausen. Ein paar sind der Stadt treu geblieben, Esther Hairich etwa, die von 1990 bis '94 am Theater getanzt hat und nach Engagements in Neu-Strelitz und Leipzig in den Südharz zurückkehrte und hier ihre Tanzschule "Taimba" gründete. Auch Dagmar Kindervater ist noch da. Seit 1985 arbeitet sie am Theater, erst als Tänzerin, dann als Sängerin im Chor und dann als Ankleiderin. Uwe Rüdiger wechselte von der Bühne zum Klassenzimmer und ist heute Bereichsleiter für Physiotherapie an der pro vita Akademie. Und natürlich Matthias Mitteldorf. Der Schauspieler kennt viele der Ehemaligen. "Ich durfte zweimal beim Ballett mitproben", erinnert sich Mitteldorf, "nach der ersten Probe hat mir der damalige Ballettchef gesagt, das es schön wäre wenn ich das nächste mal nicht dabei wäre, weil alle anderen immerzu über mich lachen mussten."

Andere trieb es hinaus in die Welt. Henning Paar etwa, der 2. Ballettchef nach der Wende, war in Kassel, Münster und München, immer in leitender Position. Ralf Schlosser wurde Ballettmeister und stellvertrender Direktor am Schweriner Staatstheater, Bühnenbildner Michael Haufe entwarf das Kostüm des kleinen Drachen "Tabaluga" und ist heute für deutsche Musikgrößen wie Udo Lindenberg tätig. "Viele haben das Haus hier damals als Sprungbrett nutzen können", sagt Paar, wie es sich heute verhält sei schwer zu sagen, die Wahrnehmung sie aber eine andere als damals.

Lebhafte Erinnerungen an die gemeinsame Zeit haben auch Kamelia Petova und ihre Tochter Mariela. "Wir kamen kurz nach der Wende aus Bulgarien nach Nordhausen als ich gerade drei Jahre alt war. Meine Mutter hatte hier niemanden und musste mich mit zu den Proben nehmen. Wir waren zuvor für ein Jahr getrennt gewesen und ich konnte nicht ohne meine Mama. So wurde ich das "Theaterkind", immer mit dabei und wenn es bei den Schauspielern Kinderrollen zu vergeben gab, dann stand ich auch auf der Bühne." Der Kunst ist die junge Frau treu geblieben, auch wenn sie selber kein Theater spielt. Stattdessen entwirft sie Ballettbekleidung und ist als Fotografin tätig.


Man sei damals wie eine kleine Familie gewesen, erzählt Florence alias "Bellomie". Zusammen mit Patrice Zabolone aus Australien hat sie das Treffen in die Wege geleitet, das ursprünglich als Urlaubsausflug geplant war. Einige aus der Truppe hätten über Facebook Kontakt gehalten oder wieder aufgenommen, erzählt die Französin, nach einigem hin und her habe man erstaunlich viele Leute zusammenbekommen.

Auch damals ging es am Theater international zu. Ein Teil des Ensembles war schon zu DDR-Zeiten am Haus, nach der Wende kamen viele junge Kräfte aus dem weiteren Europa und der Welt. "Die Fachsprache im Ballett ist französisch aber unterhalten haben wir uns meist auf deutsch", erinnert sich Florence und auch zum Wiedersehen am vergangenen Wochenende fliegen beide Sprachen durcheinander.

Gerne hätte man noch einmal das alte Haus von innen gesehen, was aber leider nicht möglich war. Der Ballettsaal, versichert Mariela, die vor einer guten Woche die Chance hatte hineinzusehen, sieht (und riecht) aber noch fast genauso aus wie damals.
Angelo Glashagel
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Kommentare

13.08.2019, 17.36 Uhr
Altstadtfan | Sehr schön !
Aber wo war Herr Michael Schindhelm , dem es zu verdanken ist ,dass das Theater Nordhausen und das Lohorchester Sondershausen zusammengeführt wurden
und dadurch ein Überleben unserer Musentempel gesichert wurde.
Schönen Abend

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