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So, 10:32 Uhr
07.07.2019
BARMER-Umfrage zur Zweitmeinung

Bürger zweifeln am Sinn von Operationen

Millionen Patienten in Deutschland zweifeln an der Notwendigkeit von planbaren medizinischen Eingriffen. Das belegt eine repräsentative BARMER-Erhebung, für die im März bundesweit 1.000 Männer und Frauen ab 18 Jahren befragt wurden. Demnach ist mehr als jeder Zweite (56 Prozent) unsicher, ob die Operation tatsächlich notwendig ist...


Aber nur 57 Prozent der Befragten mit einem planbaren medizinischen Eingriff veranlassen ihre Zweifel, sich eine Zweitmeinung einzuholen. Dabei zeige die Umfrage, dass die Meinung anderer Ärztinnen oder Ärzte in nicht wenigen Fällen ganz anders ausfalle. Zwar gäben 72 Prozent der Befragten an, die Diagnose bestätigt bekommen zu haben, 21 Prozent bekämen die Therapieempfehlung bestätigt.

Damit wurden diese Antwortalternativen am häufigsten gewählt. Acht Prozent erhielten jedoch eine andere Diagnose, 17 Prozent eine andere Therapieempfehlung. „Wir haben ein Informationsdefizit in Deutschland, was Operationen angeht. Wissens- und Informationslücken dürfen nicht dazu beitragen, dass unnötige Eingriffe vorgenommen werden“, sagt Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER. Er forderte die Patientinnen und Patienten auf, konsequent vom Recht auf Zweitmeinung Gebrauch zu machen. Wer zwei Meinungen höre, folge laut Umfrage zu mehr als der Hälfte der Alternativauffassung (56 Prozent).

Die zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen respondi durchgeführte Online-Umfrage zeige, dass die Faktoren Alter, Bildung und Einkommen die Offenheit gegenüber Zweitmeinungen beeinflussen. Je höher Einkommen und Bildung, desto öfter würden weitere Meinungen erfragt. Der Effekt zeige sich auch bei einzelnen Altersgruppen, wobei die 40- bis 49-Jährigen als besonders kritisch auffielen. „Mit dem sozialen Status und der Lebenserfahrung steigt die Bereitschaft, ärztliche Empfehlungen zu hinterfragen. Zweitmeinungen sind jedoch für Patientinnen und Patienten jeden Alters interessant, die vor einem planbaren Eingriff stehen“, so Straub. Die BARMER habe seit dem Jahr 2013 Angebote für Zweitmeinungen vor Eingriffen an Rücken, Knie, Hüfte und zu Zahnersatz aufgelegt.

Ergebnisse der Umfrage im Detail

Sozioökonomische Einflussfaktoren
Zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) bejahten, dass sie vor einem planbaren medizinischen Eingriff Wert auf eine Zweitmeinung legen würden. Bei Frauen ist die Bereitschaft dazu mit 69 Prozent deutlicher ausgeprägt als bei Männern, von denen dies nur 61 Prozent wichtig finden. Den Einfluss der sozioökonomischen Faktoren Alter, Bildung und Einkommen zeigt die folgende Grafik. Offenbar besteht ein Zusammenhang zwischen der Höhe des Einkommens und des Bildungsstandes mit der Bereitschaft zum Einholen einer Zweitmeinung. Tendenziell wächst auch mit dem Lebensalter die Bereitschaft, medizinische Diagnosen und darauf basierende Therapieoptionen zu hinterfragen.

Wenn Zweifel fehlen
Von den Befragten, die keine Zweitmeinung eingeholt haben, nennen 67 Prozent als Grund für den Verzicht, dass sie die Notwendigkeit des Eingriffs nicht bezweifelten. Mehr als jeder Zweite (55 Prozent) fühlte sich vom Arzt ausreichend aufgeklärt.

Zwei zusätzliche Meinungen am häufigsten
Die Mehrheit derer, die Zweifel an einer anstehenden Therapie hat, wünscht sich der Umfrage nach sogar mehr als nur eine weitere Meinung. So holt mehr als die Hälfte zwei weitere Einschätzungen ein (56 Prozent). Während vier von zehn Befragten (38 Prozent) mit einer zusätzlichen Meinung auskommen, holen sechs Prozent drei und mehr zusätzliche Voten ein. Dabei scheint die Wahl mit der Zahl zusätzlicher Einschätzungen schwieriger zu werden. Von den Patientinnen und Patienten, die sich auf zwei Meinungen stützen, folgen 56 Prozent der zweiten Empfehlung. Haben die Befragten drei oder mehr Experten gehört, fällt ihre Wahl zu etwa gleichen Teilen auf die erste, zweite und dritte Meinung.

Entscheidung folgt Nutzen-Risiko-Abwägung
Leitkriterium für die letztendliche Entscheidung der Patientinnen und Patienten ist dann eine Abwägung zwischen möglichen Risiken und dem zu erwartenden persönlichen Nutzen des Eingriffs (58 Prozent). Der Ruf der Klinik, in dem der Eingriff stattfinden sollte, war für ein Drittel der Befragten entscheidend.

Facharztgruppen und Eingriffsarten
Am häufigsten holten die Befragten Zweitmeinungen ein, wenn es um planbare Eingriffe im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie (27 Prozent) und der allgemeinen Chirurgie (24 Prozent), der Gynäkologie (zehn Prozent) sowie der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (acht Prozent) ging. Am häufigsten ging es bei Zweitmeinungen um Eingriffe am Bewegungsapparat (19 Prozent), dem Verdauungstrakt und den Geschlechtsorganen (jeweils neun Prozent). Hier finden Sie den kompletten Bericht.
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Kommentare

07.07.2019, 11.44 Uhr
Strandläufer | Das Krankenhaus als Wirtschaftsunternehmen...
...ist ein ganz großes Übel unserer Zeit. So darf immer erst einmal per se die Notwendigkeit einer OP, einer Bestrahlung, einer Chemo...what ever angezweifelt werden. Das ist eine ganz schlimme Entwicklung, die das zwingend notwendige Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient brüchig werden lässt.

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07.07.2019, 13.30 Uhr
Latimer Rex | Sinn von OP/Honorar-Maximierung
Wissenschaftliche Dokumentationen im Fernsehen und
Berichte von Ärzte-Kongressen belegen seit langem: Die
meisten Knie- und Augen-Operationen sind unnötig. Sie
dienen nur der Honorar-Maximierung. Bekannt sind Fälle.
in denen eine normale Untersuchung (z.B. bei Diabetes)
von Augenärzten verweigert wurden, wenn nicht vorher
eine teure IGEL (mehr als hundert E) vorgenommen
wurde. Darunter leidet das Vertrauensverhältnis zum Arzt.

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07.07.2019, 15.24 Uhr
tannhäuser | Zustimmung an beide Vorkommentatoren.
Und nach der Knie- oder Hüft-OP (Egal ob ge- oder misslungen) geht's erst mal zwangsweise sofort zur Reha, wie z . B. in unserer Region nach Heiligenstadt.

Und danach folgt mit etwas Pech trotz anderer Vorhersagen altersunabhängig ein restliches Leben mit Rollator. Am Vertrieb dieser Geräte muss ja schließlich auch jemand (mit)verdienen.

Aber Hauptsache, unsere Gesundheitspolitiker können mit dem Hickhack um freiwillige Organspenden oder einer Widerspruchslösung von den Zuständen ablenken, die jedem nach einem Unfall oder jahrzehntelangem körperlichen Schuften drohen können.

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