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Di, 09:54 Uhr
23.04.2019
Im Osten bundesweit größter Anstieg bei Alkoholerkrankungen

Immer mehr Rauschtrinker in Thüringen

Die Zahl der Rauschtrinker ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, vor allem in den östlichen Bundesländern. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Das zweitgrößte Plus verzeichnete die KKH in Thüringen...


Dort wurden 2017 rund 1.000 Versicherte wegen eines akuten Alkoholrauschs oder psychischer Probleme aufgrund von Alkohol ärztlich behandelt – 58 Prozent mehr als noch 2007. Im Bundesdurchschnitt fiel der Anstieg mit 37 Prozent deutlich geringer aus. 2017 waren deutschlandweit rund 33.500 KKH-Versicherte betroffen.

Beim Geschlechtervergleich zeigt sich, dass der Anteil der Männer mit Alkoholerkrankungen in Thüringen etwa dreimal so hoch ist wie der der Frauen, allerdings war der Anstieg bei den Frauen mit 76 Prozent deutlich höher als bei den Männern (44 Prozent). Bundesweit sieht es etwas anders aus: Im Schnitt sind rund doppelt so viele Männer wie Frauen betroffen, der Anstieg bei den Frauen war nur geringfügig höher.

Rauschrinken: Die top drei Bundesländer mit dem größten Anstieg
Sachsen (63 Prozent)
Sachsen-Anhalt/Thüringen (je 58 Prozent)
Brandenburg (56 Prozent)

Rauschtrinken: Die top drei Bundesländer mit dem geringsten Anstieg
Saarland (19 Prozent)
Hamburg (26 Prozent)
Hessen (29 Prozent)

„Gesundheitsschädlicher Alkoholkonsum gilt als Mitverursacher für zahlreiche Krankheiten, unter anderem Bluthochdruck, Übergewicht, Leberzirrhose und Krebs“, warnt Sebastian Schulz vom KKH-Servicezentrum in Erfurt. Vor allem Rausch­trinken ist besonders riskant, weil es darüber hinaus akute Schäden wie Alkoholvergiftung und Verletzungen sowie Gewalt nach sich ziehen kann.

Das Robert Koch-Institut spricht von Rauschtrinken, wenn Betroffene mindestens einmal im Monat sechs oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit, beispielsweise einer Party, konsumieren. „Es ist aber nichts dagegen einzuwenden, wenn gesunde Menschen hin und wieder ein Glas Rotwein zum Essen oder ein kleines Bier zum Fußballgucken trinken“, sagt Schulz. Doch wo liegt die Grenze zum riskanten, schädlichen oder gar abhängigen Konsum?

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bewegen sich gesunde Frauen bereits bei mehr als 0,3 Liter Bier und gesunde Männer bei mehr als 0,6 Liter Bier pro Tag in einem gesundheitlich riskanten Bereich. „Egal, ob Mann oder Frau: Mindestens zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein“, betont Schulz.

Die KKH hält es für unerlässlich, bereits im Jugendalter über das Thema Alkohol aufzuklären: Ein wichtiger Baustein ist das Projekt „Tom & Lisa“ in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Suchtprävention Villa Schöpflin. Mit dem interaktiven Planspiel werden Schülern der 8. bis 10. Klasse spielerisch die Gefahren exzessiven Rauschtrinkens aufgezeigt.

Sie lernen, wie sie verantwortungsbewusst mit Alkohol umgehen und in Gefahrensituationen reagieren sollen. Die Schüler sind dann zwischen 13 und 16 Jahre alt. „Wichtig ist es, Jugendliche möglichst früh zu informieren, am besten schon, bevor sie überhaupt anfangen, Alkohol zu trinken“, sagt Sebastian Schulz. Weitere Informationen zum richtigen Umgang mit Alkohol gibt es unter kkh.de/alkohol.
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