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Do, 07:03 Uhr
11.04.2019
Verborgene Orte in Nordhausen

Geschichte trifft Digital

In virtuelle Welten der Stadt einzutauchen, wurde beim Vortrag von Michael Garke im Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins am Dienstagabend möglich. Mit Geschick und Gespür für das technische Mögliche hält der Fotograf die Orte fest, die für die Mehrheit der Nordhäuser Einwohner eher unzugänglich sind und doch ihren eigenen geschichtlichen Reiz und Charme haben...

Vortrag im Tabakspeicher (Foto: Marie-Luis Zahradnik) Vortrag im Tabakspeicher (Foto: Marie-Luis Zahradnik)
Mit Engagement und Begeisterung sprach Michael Garke über seine anfängliche Idee, die verborgene Unterwelt der Stadt fotografisch zu erkunden und ihre Geschichte festzuhalten. „Allein bei den alten Kellergewölben interessierte mich zunächst vor allem, wie tief die darunterliegenden Keller liegen, das hat mich an der Geschichte besonders gereizt, leitete der Referent sein Thema ein.

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Rund 110 Gäste erhielten Einblicke in die technischen Möglichkeiten von 3D-Aufnahmen und die dazugehörige Bilddarstellung. Die Leistung einer 3D-Kamera ist erstaunlich und hilfreich für das Konservieren von Orten und ihrer Geschichte, wenn die Bilder sich in der Mitte einer virtuellen Kugel befinden und die Kugel alles zeigen kann, was rund herum ist. Mit spezieller Führung und hochauflösender digitaler Kamera, die dann zwischen 12 bis 24 Bilder miteinander verrechnet, kann die virtuelle Kugel eines Raums entstehen.

Rund zwei Stunden dauerte der digitale Rundgang durch den Mecklenburger Hof, den Walkenrieder Hof, den Johannishof und den Felsenkeller. Zu jedem digitalen Film zeigte Garke auch soweit wie möglich erhaltende Stadt-, Lage-, und Baupläne, um seine Recherchen über die Orte im Bauaktenarchiv der Stadt anschaulich und belegbar zu erklären.

Dabei wurde deutlich, dass jedoch nicht jeder Bestand aufgeführt ist und sich hier und da Lücken in der Geschichte eines Objektes auftaten. Bei manchen Größenangaben im Bauplan des Sudhauses stolperte Michael Garke über die Maßeinheit Fuß, eine heute in Europa weniger gebräuchliche Maßeinheit, die meist etwa 28 bis 32 cm beträgt. Um für die digitale Berechnung so genau wie möglich an die Raumlänge zu kommen, nahm der Referent kurzentschlossen selbst den Zollstab in die Hand und vermaß Bereiche des Kellers.

„Die Kamera sieht manchmal mehr als das menschliche Auge“ und so wurde bei der Nachbearbeitung von Fotos der Kellergewölbe des Mecklenburger Hofs beispielsweise sichtbar, dass sie mit zwei Rohren verbunden waren. Das Finden von besonderen oft unscheinbaren Objekten im Raum half, die wenigen Anweisungen in den Bauplänen von 1908, wie z. B. dem der mehrmals baulich veränderten Schroterei und dem eines weiterer Gewölbekellers, der unter bzw. über einen bereits vorhandenen Keller errichtet wurde, besser nachzuvollziehen.

Die Verbindungsgänge zwischen den Kellergewölben zeigten, dass die Gewölbehöhen von Keller zu Keller ganz unterschiedlich hoch waren, je nach baulicher Veränderung oder nach Art der Nutzung wie für die Produktion zur Bierherstellung oder für Aufbewahrungszecke. Jedoch waren die unterirdischen Gewölbe nicht nur Aufbewahrungsorte. Die Nordhäuser Bewohner fanden im Verborgenen unter der Erde Schutz vor Bombenangriffen in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs. Die oft zwei-geschossigen Keller dienten als Luftschutzkeller 1945.

So wurden die unterirdischen Räume des Felsenkellers als Luftschutzanlage ausgebaut und auch weitere Bunkeranlagen im Innenstadtbereich errichtet. Michael Garke erklärte, dass die schutzsuchenden Menschen in die obere Etage des Keller flüchteten und ausharrten, um bei Bedarf, den Ort schnell wieder verlassen zu können, was im tieferliegenden Keller nicht möglich gewesen wäre, da die Menschen dort hätten verschüttet werden und keine Ausgänge mehr hätten finden können. An den Ausführungen Garkes offenbarte sich die Dramatik jener Zeit. Sie gaben einen kurzen Einblick dafür, wie viel Angst die Menschen im Dunkeln, ohne zu wissen, was auf den Straßen passierte, doch aushalten mussten.

Am Ende wurde aus dem Vortrag erkennbar, dass Michael Garkes Arbeit nicht nur die interessierten Gäste mit wissenswerten Berichten von eher unbekannten Orten der Unterwelt Nordhausens begeisterte, sondern mit seinem Engagement einen eindrucksvollen Beitrag für die Bewahrung des städtischen Gedächtnisses leistet.

Auch im nächsten Monat gibt es wieder einen spannenden Vortag, dann zum Thema 150 Jahre Eisenbahn Nordhausen-Erfurt. Darüber wird Paul Lauerwald am 14. Mai 2019, um 19.30 Uhr, im Tabakspeicher Nordhausen, referieren.
Marie-Luis Zahradnik
Autor: red

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