Mo, 21:33 Uhr
12.11.2018
Ausstellung zum Ende des I. Weltkrieges
Der vergessene Krieg
Kurz vor sechs Uhr in der Frühe, am Morgen des 11.11.1918 schwiegen an der Westfront die Waffen. Der erste Weltkrieg fand ein Ende. Ein Krieg, den viele zwar gewollt, mit dessen katastrophalen Ausmaßen aber niemand gerechnet hatte. In Nordhausen will der Verein "Gegen das Vergessen - für Demokratie" jetzt an den Krieg und sein Ende erinnern...
In Deutschland wird Erinnerungskultur gerne groß geschrieben. Wenn es um den großen, dunklen Schandfleck der eigenen Geschichte geht, müssen sich die Nachgeborenen nicht vorwerfen lassen, die Lehren der Vergangenheit vergessen zu wollen.
Dem Vorgänger des zerstörerischen Krieges, der schließlich auch Nordhausen in Schutt und Asche legte, schenkt man hingegen kaum Aufmerksamkeit. Während man etwa in Großbritannien und den Ländern des Commonwealth seit 1919 den "Armistice Day", den Tag des Waffenstillstands, feiert und sich bis heute in Erinnerung an die vom Blut getränkten Schlachtfelder Westeuropas rote Mohnblumen ans Rever heftet, scheint man die Schrecken des ersten großen Krieges des 20. Jahrhunderts nahezu vergessen zu haben. Keine großen Gedenkveranstaltungen, keine Blumen an Kriegsdenkmälern, keine feierlichen Reden.
Dabei bietet auch der erste Weltkrieg heute allen Grund, sich seiner Lehren bewusst zu werden. Der Krieg hatte 1914 in der Luft gelegen, viele hatten ihn gewollt, im Deutschen Reich und anderswo in Europa, mit welcher Wucht der Konflikt über den Kontinent ziehen würde, das hatte aber niemand geahnt. Im August 1914 war die Generalität noch davon überzeugt den Gegner schnell niederringen zu können. Kaum drei Monate später beklagte man bereits rund 3,5 Millionen Tote. Maschinengewehre und Trommelfeuer, Bombardements aus der Luft, Stellungskrieg und Materialschlacht, später Gasangriffe und Panzer - man führte einen Krieg mit Mitteln, die man so noch nie erprobt und die bis dato kein Schlachtfeld gesehen hatte. Das Ergebniss sollte verheerend sein: neun Millionen Tote Soldaten, sechs Millionen Tote Zivilisten, 20 Millionen Verletzte. Die alte Ordnung wurde hinweggefegt, in der Neuordnung des Kontinents legte man den Keim für noch größere Zerstörung.
Deren Schatten liegt bis heute über dem ganz eigenen Grauen des Ersten Weltkrieges. Zum 100. Jubiläum des Waffenstillstandes hat der Verein "Gegen Vergessen - für Demokratie" in Nordhausen heute versucht wenigstens ein kleines Zeichen zu setzen. In der Kreismusikschule zeigt der Verein Teile einer Ausstellung zum Ersten Weltkrieg, die bereits 2014 in der Flohburg zu sehen war. Es sind nur ein paar Plakate, die den Verlauf des Krieges und seine Auswirkungen auf das Leben in Nordhausen behandeln, aufgehängt in einem Seitengang der Kreismusikschule.
Warum man zu so einem gewichtigen Jubiläum keinen prominenteren Ort für die Ausstellung zu finden war, darüber wollte Organisator Joachim Heise am Abend nicht spekulieren. "Die kleine Ausstellung so vor allem eine Erinnerung sein", sagt Heise, "wir wollten diesen Tag nicht einfach so vorübergehen lassen."
Auch am Humboldt-Gymnasium hat man sich im Kurs von Frau Silvia Werner mit dem Geschehen auseinandergesetzt. Man suchte Informationen, Texte und Gedichte und versuchte sich dem Ersten Weltkrieg kreativ zu nähern. Das Ergebniss zeigten die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse am Abend. Vom Schreibpult der Schule und dem Pauker der seinen Schülern einheizt bis zum sterben im Schützengraben über Gedichte und Texte von Erich Kästner, Thomas Mann und Rainer Maria Rilke zeigte man ein breites Spektrum der Betrachtung. Unterstützt von Musiker Ronald Gäßlein gestalteten die Schülerinnen und Schüler den Abend.
Der Musiker wird am Donnerstag um 19:00 Uhr mit Lieder aus der Zeit des Ersten Weltkriegs außerdem zu einer musikalischen Zeitreise in die Cyriacikapelle einladen. Am Humboldt-Gymnasium werden sich die 12. Klassen in ihrem Stück "Blut ist Schicksal" mit dem Krieg und seinen Folgen für die Menschen auseinandersetzen. Die Vorstellungen finden am 21.11. um 18 Uhr, sowie am 23.11. um 14 Uhr und am 28.11. um 19 Uhr im Proberaum der Schule in der Domstraße statt.
Angelo Glashagel
Update: Die letzte Vorstellung des Stückes "Blut ist Schicksal" findet bereits am 27.11. um 18:30 Uhr statt.
Autor: redIn Deutschland wird Erinnerungskultur gerne groß geschrieben. Wenn es um den großen, dunklen Schandfleck der eigenen Geschichte geht, müssen sich die Nachgeborenen nicht vorwerfen lassen, die Lehren der Vergangenheit vergessen zu wollen.
Dem Vorgänger des zerstörerischen Krieges, der schließlich auch Nordhausen in Schutt und Asche legte, schenkt man hingegen kaum Aufmerksamkeit. Während man etwa in Großbritannien und den Ländern des Commonwealth seit 1919 den "Armistice Day", den Tag des Waffenstillstands, feiert und sich bis heute in Erinnerung an die vom Blut getränkten Schlachtfelder Westeuropas rote Mohnblumen ans Rever heftet, scheint man die Schrecken des ersten großen Krieges des 20. Jahrhunderts nahezu vergessen zu haben. Keine großen Gedenkveranstaltungen, keine Blumen an Kriegsdenkmälern, keine feierlichen Reden.
Dabei bietet auch der erste Weltkrieg heute allen Grund, sich seiner Lehren bewusst zu werden. Der Krieg hatte 1914 in der Luft gelegen, viele hatten ihn gewollt, im Deutschen Reich und anderswo in Europa, mit welcher Wucht der Konflikt über den Kontinent ziehen würde, das hatte aber niemand geahnt. Im August 1914 war die Generalität noch davon überzeugt den Gegner schnell niederringen zu können. Kaum drei Monate später beklagte man bereits rund 3,5 Millionen Tote. Maschinengewehre und Trommelfeuer, Bombardements aus der Luft, Stellungskrieg und Materialschlacht, später Gasangriffe und Panzer - man führte einen Krieg mit Mitteln, die man so noch nie erprobt und die bis dato kein Schlachtfeld gesehen hatte. Das Ergebniss sollte verheerend sein: neun Millionen Tote Soldaten, sechs Millionen Tote Zivilisten, 20 Millionen Verletzte. Die alte Ordnung wurde hinweggefegt, in der Neuordnung des Kontinents legte man den Keim für noch größere Zerstörung.
Deren Schatten liegt bis heute über dem ganz eigenen Grauen des Ersten Weltkrieges. Zum 100. Jubiläum des Waffenstillstandes hat der Verein "Gegen Vergessen - für Demokratie" in Nordhausen heute versucht wenigstens ein kleines Zeichen zu setzen. In der Kreismusikschule zeigt der Verein Teile einer Ausstellung zum Ersten Weltkrieg, die bereits 2014 in der Flohburg zu sehen war. Es sind nur ein paar Plakate, die den Verlauf des Krieges und seine Auswirkungen auf das Leben in Nordhausen behandeln, aufgehängt in einem Seitengang der Kreismusikschule.
Warum man zu so einem gewichtigen Jubiläum keinen prominenteren Ort für die Ausstellung zu finden war, darüber wollte Organisator Joachim Heise am Abend nicht spekulieren. "Die kleine Ausstellung so vor allem eine Erinnerung sein", sagt Heise, "wir wollten diesen Tag nicht einfach so vorübergehen lassen."
Auch am Humboldt-Gymnasium hat man sich im Kurs von Frau Silvia Werner mit dem Geschehen auseinandergesetzt. Man suchte Informationen, Texte und Gedichte und versuchte sich dem Ersten Weltkrieg kreativ zu nähern. Das Ergebniss zeigten die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse am Abend. Vom Schreibpult der Schule und dem Pauker der seinen Schülern einheizt bis zum sterben im Schützengraben über Gedichte und Texte von Erich Kästner, Thomas Mann und Rainer Maria Rilke zeigte man ein breites Spektrum der Betrachtung. Unterstützt von Musiker Ronald Gäßlein gestalteten die Schülerinnen und Schüler den Abend.
Der Musiker wird am Donnerstag um 19:00 Uhr mit Lieder aus der Zeit des Ersten Weltkriegs außerdem zu einer musikalischen Zeitreise in die Cyriacikapelle einladen. Am Humboldt-Gymnasium werden sich die 12. Klassen in ihrem Stück "Blut ist Schicksal" mit dem Krieg und seinen Folgen für die Menschen auseinandersetzen. Die Vorstellungen finden am 21.11. um 18 Uhr, sowie am 23.11. um 14 Uhr und am 28.11. um 19 Uhr im Proberaum der Schule in der Domstraße statt.
Angelo Glashagel
Update: Die letzte Vorstellung des Stückes "Blut ist Schicksal" findet bereits am 27.11. um 18:30 Uhr statt.



