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Fr, 13:30 Uhr
29.06.2018
Schüler experimentierten im Park Hohenrode

Ein ganz heißes Eisen

Die meisten von uns wären ohne Smartphone, Strom und fließend Wasser wohl schnell verloren. Dennoch hat es die Menschheit es bis hierhin geschafft, die meiste Zeit ohne Elektronik und High-Tech. Einem Stück der Lebensrealität vergangener Jahrhunderte spürte man jetzt am Herder-Gymnasium nach...

Experimente im Park Hohenrode (Foto: Angelo Glashagel) Experimente im Park Hohenrode (Foto: Angelo Glashagel)

Wann schmilzt Eisen? Eine Frage für den Chemieunterricht, die Antwort: bei einer Temperatur von 1540 Grad Celsius. Wie haben es ein paar einfache Bauern am Rande des Südharzes vor 2000 Jahren und mehr geschafft solche Temperaturen zu erzeugen? Die Antwort: gar nicht.

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Wie es den Menschen dennoch gelungen ist aus unscheinbaren rotem Gestein ein Erz zu gewinnen mit dem sie Werkzeuge und Waffen herstellen konnten, damit hat man sich in der vergangenen Woche am Herder-Gymnasium beschäftigt.

Wie schon im vergangenen Jahr machten sich Schülerinnen und Schüler der siebenten Klassen im Park Hohenrode daran einen eigenen "Rennofen" aus Lehm und Stroh zu bauen und ihn mit Holzkohle und dem nötigen Rohmaterial zu füllen. Auch der "Ofengeist" durfte nicht fehlen, schließlich sollte ja alles gut gehen mit dem Feldversuch.

Was im Inneren des Ofen passiert und worauf man achten muss, das wurde den jungen Forschern von ihren Mitschülern erklärt, die im vergangenen Jahr ihre eigenen Erfahrungen mit dem Experiment gemacht hatten.

Anders als früher üblich wurde der Ofen damals nicht aufgebrochen, sondern für die Dauerausstellung des Museums Tabakspeicher bewahrt. Unter der Anleitung von Archäologin Nadine Holesch wollte man dieses mal noch ein wenig weiter gehen. Der Ofen sollte aufgebrochen, die "Luppe" geborgen und zu einem Barren geschmiedet werden, aus dem man wiederrum ein Messer, Nägel oder andere Werkzeuge fertigen könnte.

Der Ofen muss regelmäßig befüllt werden (Foto: Angelo Glashagel) Der Ofen muss regelmäßig befüllt werden (Foto: Angelo Glashagel)

Doch bis dahin muss man erst einmal kommen, denn so leicht wie das alles klingt ist es nicht. Da wäre die Frage nach der Temperatur. Die Holzkohle im Lehmofen kann kein Eisen schmelzen, sehr wohl aber das Gestein welches das Erz umgibt. "Dafür brauchen wir eine konstante Temperatur von etwa 1.100 Grad Celsius", erklärt Archäologin Holesch, "zu schnell darf die Temperatur aber nicht steigen, sonst schmilzt die Wand des Ofens". Alles muss stimmen: die Holzkohle darf nicht einfach nur brennen, sondern muss gute Glut produzieren, die Luftzufuhr muss reguliert werden, sonst droht der Ofen zu bersten, das Rohmaterial muss rechtzeitig und in ausreichender Menge nachgelegt werden. Wie haben unsere Vorfahren das alles geschafft? Mit viel Geduld und jahrhundertelanger Erfahrung, meint die Archäologin, die Eisenverhüttung sei damals eine gemeinschaftliche Großaufgabe gewesen, die wahrscheinlich saisonale bewältigt wurde um den Bedarf ganzer Gruppen zu decken.

Experiment geglückt, der Magnet hält (Foto: Angelo Glashagel) Experiment geglückt, der Magnet hält (Foto: Angelo Glashagel)

Die Forscher vom Herder-Gymnasium bedienen sich im 21. Jahrhundert dann doch ein paar moderner Hilfsmittel: ein Thermometer misst die Temperatur an der Außenwand des Ofens, ein kleiner Kompressor sorgt für die Luftzufuhr. Dennoch geht am Mittwoch nicht alles glatt über die Bühne, das große Finale des Versuches muss um mehrere Stunden verschoben werden.

Am Ende schaffen es auch die Neuzeitler ihren Metallklumpen zu bergen. Der Test mit dem Magnet bestätigt: es ist Eisen. Experiment geglückt.
Angelo Glashagel
Experimente im Park Hohenrode (Foto: Gisela Hartmann)
Experimente im Park Hohenrode (Foto: Angelo Glashagel)
Experimente im Park Hohenrode (Foto: Angelo Glashagel)
Experimente im Park Hohenrode (Foto: Angelo Glashagel)
Experimente im Park Hohenrode (Foto: Angelo Glashagel)
Experimente im Park Hohenrode (Foto: Angelo Glashagel)
Experimente im Park Hohenrode (Foto: Angelo Glashagel)
Experimente im Park Hohenrode (Foto: Angelo Glashagel)
Autor: red

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