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So, 08:30 Uhr
01.04.2018
Autonomes fahren auf Nordhausens Straßen

Die Zukunft beginnt hier

Bus und Bahn sind gerade für kleinere Kommunen wie Nordhausen eigentlich teurer Luxus. Angesichts schwindender Fahrgastzahlen und steigender Kosten wird seit Jahren diskutiert wie der ÖPNV zu retten wäre und bezahlbar bleiben kann. Die Lösung könnte bald aus unerwarteter Ecke kommen: vom Auto...

Autonom unterwegs auf Nordhausens Straßen (Foto: Angelo Glashagel) Autonom unterwegs auf Nordhausens Straßen (Foto: Angelo Glashagel)

Mit etwas über 30 km/h rollt das Fahrzeug auf die Kreuzung zu, der Blinker wird gesetzt, es geht in die Kurve und wieder geradeaus. Der Fahrer? Hat die Hände auf dem Schoß. In der Rothenburgstraße führt man seit vergangener Woche erste Tests mit autonom gesteuerten Fahrzeugen durch und bald schon könnte auch die gute alte Nordhäuser Straßenbahn ohne Fahrer auskommen.

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"Wir wollen es langsam angehen", sagt Eric Benkenstein, einer der beiden Chefs der Firma Intrasol, "es gibt hier nicht viel Verkehr aber immer wieder Hindernisse und sich ändernde Bedingungen durch parkende Lkw und dergleichen, für erste Probefahrten ist das ideal." Benkensteins Firma hat sich als Innovationsmotor in Sachen Mobilität in der Region schon einen Namen gemacht und bietet seit vergangenem Jahr in Nordhausen Car-Sharing an. Seit neuestem fahren die Elektrofahrzeuge des Nordhäuser Start-Ups auch im Kyffhäuserkreis.

Bei Intrasol will man jetzt aber noch einen Schritt weitergehen und den Fahrer aus der Gleichung nehmen. Autonome Mobiliät sei mit heutiger Technik realisierbar, sagt Sebastian Kupfer, Mitbegründer von Intrasol und meint damit nicht unbedingt vollautonome Lösungen. "Was muss das Fahrzeug können? Gas geben, Bremsen, die Spur wechseln und auf sich verändernde Verkehrsituationen entsprechend reagieren. Gerade in Systemen in denen Fahrzeuge zyklisch auf immer gleichen Strecken unterwegs sind ist das kein Hexenwerk mehr und autonome Mobilität eine echte Alternative", sagt Kupfer.

Noch braucht es den menschlichen Fahrer für den Fall der Fälle (Foto: Angelo Glashagel) Noch braucht es den menschlichen Fahrer für den Fall der Fälle (Foto: Angelo Glashagel)

Etwa bei Bussen und Bahnen. Erste Feldversuche hierzu gibt es bereits in Berlin auf dem Campus der Charité. Und in Nordhausen. Vor Ort will man sich aber erst einmal mit der Sensortechnik im Alltagsgebrauch vertraut machen. "Für uns ist das auch noch Neuland. Wenn wir genügend Erfahrungen und vor allem Daten gesammelt haben wird der nächste Schritt folgen", sagt Benkenstein, in rund sechs Monaten, so die Hoffnung, werde man kleinere Shuttlebusse auf größere Strecken schicken können.

Ist die Technik einmal ausgereift, sei es kein Problem mehr ein effizientes Rufbussystem zu unterhalten, meint Kupfer, die Fahrzeuge könnten je nach Bedarf angefordert werden und sich autonom auf fest vorgegebenen Wegen bewegen. "Unrentable Strecken würden der Vergangenheit angehören. Der ÖPNV würde sich nach dem "Fahrplan" der Menschen richten und nicht umgekehrt."

Autonom fahren, autonom "tanken" - mittels Induktionssschleife (Foto: Angelo Glashagel) Autonom fahren, autonom "tanken" - mittels Induktionssschleife (Foto: Angelo Glashagel)

Auch autonome Straßenbahnen wären denkbar, zumal hier die Stromversorgung bereits sicher gestellt ist. Denn natürlich werde man bei Intrasol am elektrischen Antrieb festhalten, so Benkenstein. Deswegen werden in der Rothenburgstraße neben der Sensortechnik auch automatische Ladestationen getestet. Eine Steckdose, die den Mensch als handelndes Subjekt noch wie bisher vorraussetzen würde, gebe es dann nicht mehr. Stattdessen sollen die Akkus der Fahrzeuge mittels Induktionsschleife geladen werden.

"Die Zukunft ist jetzt und sie beginnt hier in Nordhausen", sagen Kupfer und Benkenstein. Und im öffentlichen Bereich werde sie elektrisch und autonom sein. Im Jahr 2025 wird autonome Mobiltät zum Alltag gehören, schätzen die Unternehmer. Am Südharzrand könnte es zwar etwas schneller gehen aber die "Early Adopter", die Technik-Pioniere, werden sich noch eine Weile gedulden müssen. Erste Feldversuche mit Fahrgästen wird es nicht vor April nächsten Jahres geben.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Kritiker86
01.04.2018, 10:51 Uhr
Große Klasse...
haben die Unternehmen wieder ein Weg gefunden Personal einzusparen oder ganz abzuschaffen. Alle entlassen und selbst fahren lassen. Da mach ich nicht mit. Ich lass mich lieber von einen Menschen chauffieren als der Technik blind zu Vertrauen. Aber da klingeln die Kassen bei den Unternehmern, da würde das Portmonee noch dicker anschwellen. Da muss man dranbleiben ist klar, da lässt sich Unmengen von Geld rausziehen. Toll, weiter so.
berni
01.04.2018, 12:01 Uhr
Scherz
April, April
Addi 70
01.04.2018, 12:07 Uhr
Immer cool bleiben
Hallo Kritiker 86,
immer schön entspannt bleiben,
heute ist der 1. APRIL.
Sie wissen schon ;-)
Schöne Ostern noch an alle leichtgläubigen.
Motte83
01.04.2018, 12:09 Uhr
Kritiker halten die Entwicklung nicht auf
Super, dass ein Nordhäuser Unternehmen vorwärts denkt. Ja klar, es dauert, bis die Technik so weit ist. Aber so ist man wenigstens von Anfang an dabei und kann mitgestalten, statt zum Getriebenen zu werden.

Autonomes fahren, KI in Medizin und Pflege, virtuelle Klassenzimmer wegen Lehrermangels vor Ort. All das wird sich entwickeln.

Die Zukunft kommt unweigerlich, das halten wir nicht auf. Wir - und auch Kritiker - sind gut beraten, nicht an einem Arbeitsmarkt aus Bismarcks Zeiten festzuhalten, sondern einen menschenwürdigen Arbeitsmarkt 4.0 mitzugestalten.

Irgendwann werden wir froh sein, Unternehmen wie Intrasol In der Region zu haben.
Martina Mustermann
01.04.2018, 12:30 Uhr
@Kritiker86
Ich komme aus dem Lachen nicht mehr raus. Genau deshalb bleibt Dir leider nichts anderes übrig, als in Stammtischmanier hier gegen die bösen Kapitalisten zu schimpfen - weil Dir einfach der intellektuelle Zugang zu so mancher Materie fehlt. Schönes Eigentor, hoffentlich kommst Du Dir selbst etwas dumm vor. Liebe Grüße und frohe Ostern, Martina.
geloescht.20250302
01.04.2018, 14:31 Uhr
Ein Taxi ohne Fahrer - Toll!
Keiner, der sich aufregt, wenn die Passagiere hinten rauchen, kiffen, saufen, die Knarre durchladen oder Sex haben...

Spass muss sein am 1. April!

Frohe Ostern!
Starboy333
01.04.2018, 18:38 Uhr
Nicht überstürzen!
Man sollte lieber vorsichtig sein was autonomes fahren im ÖPNV anbelangt.
Was soll das den werden?
Sollen alle Fahrer entlassen werden oder nur da sitzen und nichts machen?
Natürlich kommt irgendwann Mal die Zeit das Autos selber fahren,aber im ÖPNV sollte man lieber Fahrer ans Steuer lassen und nicht blind der Technik vertrauen.
Paletti
01.04.2018, 18:42 Uhr
Ha Ha Ha
Na Kritiker, genug nachgedacht und erkannt ? Dieser Kommentar hat sein Ziel zum 1.April erreicht, zumindest bei wenigen Schnelldenkern, aber nicht schlimm-blamieren tut sich jeder irgendwann mal.
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