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Do, 17:12 Uhr
09.03.2017
GEDANKEN ZUM AMTSVERZICHT DES STADTOBERHAUPTES

Alles Gute, Dr. Klaus Zeh

Unser Stadtoberhaupt Dr. Klaus Zeh gibt auf. Der Rückzug kam völlig überraschend. Parteiübergreifend. Auch für mich. Persönliche Anmerkungen von nnz-Autor Kurt Frank...

Damals im Gehege (Foto: Kurt Frank) Damals im Gehege (Foto: Kurt Frank)
Der Oberbürgermeister engagierte sich vehement für unsere gemeinsame Aktion und packte bei Aufräumungsarbeiten im Gehege tatkräftig an.

In dem Interview, das in der nnz am 17. Mai des Vorjahres unter „Falsche Behauptungen sind unerträglich“ erschien, sprach er noch von seiner robusten Gesundheit... Doch er machte keinen Hehl daraus, wie ihn persönliche Anfeindungen, Beschimpfungen und all der Stress des Amtes zu schaffen machte.

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Die Hälfte seines Gehalts, sei Schmerzensgeld, meinte er. Den Beweis blieb er nicht schuldig. Ein Arbeitstag von 14 bis 16 Stunden und eine Schlagzeile in einer Tageszeitung, die ihn sehr aufwühlte und maßlos ärgerte: „Wer seine Meinung sagt, wird im Rathaus verfolgt“, las er. Sein Gegenspieler hatte das behauptet. Zeh tröstete sich mit dem Wissen, das seine Frau, die Kinder und die vielen Menschen, die ihn kannten, wussten: dies ist eine falsche Behauptung.

Klaus Zeh blieb äußerlich gelassen, doch seinen Worten war zu entnehmen, wie ihm diese öffentliche Behauptung an die Nieren ging, ihm stark zu schaffen machte. Ihm war schon bewusst: Als politischer Mandatsträger muss man sich eine besonders kritische Begleitung seines Handelns gefallen lassen. Zwar hat er sich in seiner politischen Laufbahn ein etwas dickeres Fell zugelegt, zumal man es nicht jeden Menschen recht machen kann. Aber so ein Satz war jenseits der Toleranzgrenze.

Klein kariertes Gezänk, wenn jemand betrügt und Vertrauen missbrauche, um sich Vorteile zu verschaffen, Stress, Ärger, ein langer Arbeitstag, der kaum Zeit für Erholung lässt, sind der Gesundheit nicht dienlich. Auf Dauer hauen sie auch den Stärksten um. Vielleicht wird dieser und jener jetzt sagen: Bis 2018, dem Jahr seines regulären Ausscheidens aus dem Amt, hätte er es auch noch geschafft. Nein, Klaus Zeh handelt richtig. Das Leben wird dem Menschen nur ein einziges Mal gegeben, wenngleich er als gläubiger Katholik an ein Leben nach dem Tode glauben sollte.

Mut und Kraft in schwieriger Zeit gab ihm die Familie, gaben viele aufmunternde Gespräche mit, wie er sagte, vernünftigen Leuten, die Zusammenarbeit im Team, wenn alle ehrlich zusammenstehen. Ohne seine verständnisvolle Frau könne er dieses Amt nicht machen, betonte er mir gegenüber. Er freue sich, wenn es bei den Kindern und Enkeln gut laufe, wenn er bei Wanderungen im Urlaub, Fahrradfahren oder bei Gartenarbeiten auftanken konnte.

Ich mag den Oberbürgermeister. Immer hatte er ein offenes Ohr, wenn ich ein Anliegen hatte. So zögerte er nicht, als ich ihn um ein so genanntes lockeres Interview bat, das auch Einblicke in sein Familienleben bot. Er fing sofort Feuer, als ich ihm die gemeinsame „Aktion sauberes Gehege“ zwischen der nnz und dem Rathaus vorschlug. Sichtbar zeitigte sie Erfolg. Der Oberbürgermeister war sich nicht zu schade, die stärksten Äste auf Haufen zu schleppen.

Mit 64 hat man noch viele Jahre vor sich – wenn man auf den Rat der Ärzte hört und rechtzeitig die Reißleine zieht. Dr. Zeh tat es jetzt. Auf sein Wirken kann er stolz sein. In seiner Amtszeit blühte vor allem die Altstadt auf. Wer offenen Auges durch Nordhausen wandelt, kann selbst ermessen, was sich hier in den letzten Jahren unter seiner Regie alles zum Guten veränderte. Wie jeder unter uns hatte Klaus Zeh auch seine Schwächen. Vielleicht war er in manchen Entscheidungen zu zögerlich. Die Annalen Nordhäuser Geschichte wird er aber um ein wertvolles Kapitel bereichern.

Nach seinem Wunsch im letzten Amtsjahr befragt, nannte der OB die Konsolidierung der Finanzen und das Feuerwehrhaus. Zum Stadionneu –oder Umbau und zur Theatersanierung würde er gern eine verbindliche Lösung auf den Weg bringen. Eine große Investition im Industriegebiet war noch ein großer Wunsch. Der dürfte sich als der schwierigste erweisen.

Dr. Klaus Zeh wird die kommenden Jahre als Pensionär im Unruhestand mit seiner Familie nachholen, wofür im Amt keine Zeit blieb. Auch ein gutes Buch lesen. Er sollte alles, was ihm gut tut, auch tun, dann sind Glück und Zufriedenheit garantiert. Und ein langes Leben. Alles Gute, Dr. Klaus Zeh.
Kurt Frank

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Autor: red

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Kommentare
Altstadtfan
09.03.2017, 20:21 Uhr
Ich sehe es anderst !
Schöne Wohnungen reichen nicht um ein gutes Geschäftsklima zuschaffen . Zählen Sie mal die Geschäfte die noch überlebt haben .
Duplex
10.03.2017, 07:21 Uhr
Alles Gute Herrn Dr. Zeh und danke für Ihre geleistete Arbeit
Alles gute für seinen weiteren Lebensweg und Danke für die Arbeit, die er geleistet hat.
Geschäfte zählen, die in Städten überleben oder überlebt haben, kann man in jeder Stadt oder Ort. Doch wer ist denn am Ableben dieser Geschäfte Schuld? Doch nicht die Politik allein, wir alle Bürger, wenn wir immer mehr das Internet nutzen oder in die Supermarkttempel fahren. Egal wie der Nachfolger heißen wird, hoffen wir auf seine gute Arbeit.
Hans Dittmar
10.03.2017, 23:26 Uhr
In die Altstadt kommt Leben
Geschäfte werden nicht von der Politik eröffnet oder verordnet, sondern von tüchtigen Geschäftsleuten eröffnet. Mit dem Wohnungsbau kommt leben in die Altstadt. Geschäfte starben und sterben immer mehr in unseren Straßen. Ein Kommentator hat es schon erwähnt. Großmärkte wie Herkules oder Marktkauf haben Anfang der 1990er Jahren zum Absterben den Grundstein gelegt. Die nun vorhandenen Einkaufscenter geben den kleinen Einzelhändlern der letzten Stoß.

Herrn Dr. Zeh danke ich für seine Arbeit und wünsche Ihm vor allem Gute Besserung.
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