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Fr, 17:10 Uhr
16.09.2016
Wie steht es um den Breitbandausbau?

Schnelles Internet auch auf dem Land

Straßen, Wasser-, Strom-, und Gasanschluss - das war bisher kritische Infrastruktur. Im 21. Jahrhundert sind schnelle Datenraten mindestens genauso wichtig. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee war heute im Landkreis, um sich über den Stand des Breitbandausbaus im Südharz zu informieren...

Es ist gar nicht so lange her, da war das Internet ein geradezu gemütlicher Ort. Das Modem ratterte fröhlich vor sich hin, dem Seitenaufbau konnte man als Nutzer Schritt für Schritt zu sehen, Kaffee trinken, ausharren und dem fiepen und kreischen des kleinen Kästchens lauschen. Heute würde man beim Schneckentempos des Modemzeitalters schlicht verzweifeln - Schnelligkeit ist relativ, was früher als rasant galt, ist heute nicht mehr tragbar.

Die aktuelle Zauberformel, aus Sicht des Bundes, lautet "50 mbit pro Sekunde". Mit dieser Geschwindigkeit sollen bis 2018 möglichst viele Bundesbürger, auch auf dem weiten Land, ins World Wide Web gehen können. Die Ziele, die Bund, Länder und auch die EU verfolgen würden, seien "ehrgeizig", meinte heute Thüringens Wirtschafsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) im Nordhäuser Landratsamt, insgesamt sei man aber auf einem guten Weg.

Als Modellregion sei der Kyffhäuserkreis, mit rund 6,6 Mio. Euro Fördergeldern, auf die "digitale Überholspur" gegangen, Nordhausen folge in Thüringen direkt dahinter, so der Wirtschaftsminister. Rund 3/4 aller Haushalte im Kreis, so die Zahlen des Thüringer Breitbandkompetenzzentrums, würden bereits mit der angepeilten Geschwindigkeit unterwegs sein, der Rest soll bis 2018 folgen.


Dabei bedient man sich öffentlich-privater Partnerschaften - die Wirtschaft, also die Netzbetreiber wie die Telekom, seien gefordert das Ziel des Bundes zu verwirklichen, meinte Tiefensee. Das Problem war dabei bisher vor allem die Wirtschaftlichkeit - auf dem Land sind die Leitungen naturgemäß länger, die Datenraten damit niedriger und am Ende sitzen auch noch weniger Kunden, als in den Ballungszentren. Die Investionsfreude der privaten Wirtschaft hielt sich bisher entsprechend in Grenzen. Bund und Land seien dabei diese "Wirtschaftlichkeitslücke" zu schließen, erklärte Tiefensee. Mit Geld versteht sich, der Bund hat ein Förderprogramm von rund 4 Milliarden Euro aufgelegt.

An diese Gelder heranzukommen ist aber gar nicht so leicht. Die Hürden sind vor allem bürokratischer Natur, der Landkreis Nordhausen bedient sich, wie andere Kreise auch, einer Beraterfirma um möglichst schnell durch den Antragsdschungel hindurch zu finden, auch dafür gibt es Förderung vom Bund. Technisch sind die Schwierigkeiten durchaus zu bewältigen. Zumindest solange man an der Datenübertragung via Kupferkabel festhält. Diese Kabel liegen schon im Boden, entscheidend ist die Entfernung zum nächsten Verteiler. Die Stadt Nordhausen hat man über diesen Weg größtenteils versorgt, es fehlen noch die abgelegeneren Ortsteile wie Hochstedt, Stempeda und Rodishain.

Anders sieht es aus, wenn man einen Schritt weiter gehen will. Was das Kupferkabel für das vergangene Jahrhundert war, soll die Glasfaser für das 21. Jahrhundert werden, so die Einschätzung der Experten. Nur müssen die eben neu verlegt werden und das wird noch dauern. Datenraten bis zu 1 Gigabit pro Sekunde wären dann möglich. Diese "nächste Stufe" habe man bereits im Blick, besonders im Hinblick auf die Mittelstandsförderung, meinte Tiefensee.

Für den Hausgebrauch wäre man mit den angepeilten 50 mbit/s gut versorgt, meinte Landrat Matthias Jendricke. Ein ordentlicher Internetzugang sei vielen Bürgern wichtiger, als manches politische Großthema, wie etwa die Gebietsreform, berichtete Nordhausens Landrat. Insgesamt gebe es noch 30 Kommunen und Ortsteile, die an die bessere Versorgung angeschlossen werden müssten, "es haben sich alle bei uns gemeldet", sagte Jendricke, in Sachen Breitbandausbau würden "alle mitziehen". Es gehört zu den bürokratischen Hürden das die einzelnen Kommunen ihren Bedarf bei den Landkreisen anmelden müssen, bevor die aktiv werden können.

Aber auch wenn dieses Ziel einmal erreicht ist, das Thema "schnelles Internet" wird auch danach noch aktuell bleiben. Infrastruktur, auch die digitale, ist eine Daueraufgabe staatlichen Handelns. Heute geht es um mehr Verteiler, morgen um Glasfaser und übermorgen um den nächsten technischen Schritt. 56k - ISDN - DSL - was heute als Gipfel der Geschwindigkeit gepriesen wird, kann schon in ein paar Jahren nur noch eine vage Erinnerung an einen kaum tragbaren Zustand sein. Eine Erinnerung die dann aber ohne summen, fiepen und kreischen auskommen muss.
Angelo Glashagel
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Kommentare

16.09.2016, 18.17 Uhr
Stechbarth | Herr Jendricke hat beste Verbindungen nach EF
Daumen hoch Landrat Matthias Jendricke! Ich finde es toll, dass Sie fast jede Woche die wichtigen Politiker unserer Landesregierung hier zu uns nach Nordhausen holen!

Das kann keiner so wie Sie! Sie haben beste Verbindungen zur Landesregierung.

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16.09.2016, 18.33 Uhr
Liane Enzinger | Der Landrat braucht eine Beraterfirma...
... um Anträge auszufüllen!

Armer Landrat, armer Landkreis. Können Menschen, die Leistungen nach SGB II beziehen, diese Firma auch in Anspruch nehmen, um die Anträge in den Griff zu bekommen?

Oder kleine Unternehmer, die für alles und jedes einen Antrag stellen müssen? Oder ich für meine Steuererklärung?

Ich bitte um Mitteilung der Sprechzeiten der Beraterfirma! Kosten trägt ja sicher sowieso der Steuerzahler!

Schönes Wochenende, Herr Landrat. Und gute Nacht Landkreis.

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