Mi, 17:06 Uhr
14.09.2016
Bielener Heimatverein
Flurbefahrung im Herbst
Der Bielener Heimatverein pflegt noch immer die gute Tradition der Flurbefahrung. Wenn die Ernte eingescheuert ist, wird die rote Erde unserer Landschaft wieder sichtbar - Zeit der Flurbefahrung...
Mit Traktor und Wagen grüßen die Bielschen alljährlich in froher Runde nach der Ernte sinnbildhaft das Land der fruchtbaren Goldenen Aue um Bielen, Leimbach, Sundhausen, Heringen, Auleben, Nordhausen, Uthleben und Windehausen. Das unterstreicht zum einen die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat und fördert darüber hinaus auch den Gemeinschaftssinn.
Uta Heydecke, Bürgermeisterin von Bielen und Vorsitzende des Bielener Heimatvereins weiß das zu würdigen und hatte darum in diesem Jahr entschieden, die Teilnahme nicht nur auf die Mitglieder des Vereins selbst zu beschränken, sondern die Flurbefahrung allen Interessierten zu ermöglichen. Die Resonanz war überwältigend.
Am Speckschnitzer – Eck trafen sich vergangenen Sonntag über hundert Teilnehmer bei schönstem Spätsommerwetter, um die Flur zu befahren. Sieben Traktoren mit Wagen der Agrarproduktion Zorgeland GmbH standen bereit. An sechs Stationen hörten die Anwesenden interessiert den Worten Udo Försters zu, der über das Land viel Wissenswertes kund gab.
Über ein Kreisgebiet und eine Landesgrenze ging die Fahrt mit Unterbrechungen. Sieben Stunden war man unterwegs zum Stausee und zurück auf Wegen, die sonst nur selten Wanderer oder Fahrradfahrer passieren. Kuhbach, Krummbach, Mühlbach waren u.a. Gegenstand der Betrachtung. Man erfuhr, wie kompliziert es u.a. früher in der Region war, allein Wasch- und Brautage zu koordinieren, da man das fließende Wasser gemeinsam nutzte. Vorbei an Hamsteroasen (für Hamster mitten im Feld stehen gelassene Fruchtflächen als geplante Hamstergehege, die das übrige Terrain hamsterfrei halten sollen) ging es über den alten Bahndamm.
Dieser galt vor über 100 Jahren als Musterbeispiel einer großen Ingenieursleistung, da man ihn durch sumpfiges Gelände führen musste. Er verband Halle und Kassel. Heute läuft die neue Strecke parallel. Neben dem alten Bahndamm, auf dem der Wagenzug sich durch die Landschaft bewegte, fließt beschaulich die Nebenhelme.
Gemäß der EU-Wasserrichtlinie hat man an diesem Nebenzweig der Helme eine Fischtreppe errichtet, um den europäischen Lachs hier wieder passieren zu lassen. Das Helmewehr verhinderte lange die Lachswanderung. Gut zu hören: Man hat wohl auch schon welche gesichtet, die den neuen Weg fanden.
Zum Mittag kehrte man standesgemäß vor der Deichkrone am nördlichen Ufer des Stausees im wahrsten Sinne des Wortes beim Wiesenwirt ein. Unter heißer Mittagssonne gab es ein zünftiges Eisbein auf Sauerkraut mit Blick über den Stausee. Man schaute auf das Kloßloch, eine Doline mit mythischer Geschichte: In der Vorzeit soll dort ein Riesenpaar gewohnt haben.
Als sich nun der Ehemann nicht pünktlich zum Essen einfinden wollte, bewarf ihn sein holdes Weib mit jenem legendären Kloß, welcher die Mulde in den Boden geformt haben soll, vor dem sich heute der Stausee idyllisch ausbreitet – Hochwasserschutzgebiet und Wassersportzentrum für die Region. 1962 erfolgte der Probestau am Rückhaltebecken. Mit Radio DDR gab es damals anlässlich dieses Ereignisses ein Riesenevent, das den Älteren unter den Teilnehmern noch recht lebhaft in Erinnerung blieb. Es spielten die Soulful Dynamics im Rahmen des Programms Hafenmelodie.
Fünfundzwanzigtausend Menschen waren gekommen.
Vierundfünfzig Jahre sind seither vergangen. Der elfte September 2016 war auch der Tag des offenen Denkmals. Und wenn man sich gemeinsam in gemächlicher Geschwindigkeit wissenden Auges an einem solchen Tag durch die heimische Flur bewegt, dann reisen Freude und Nachdenklichkeit immer mit. Ein letzter Halt: Bösenrode. Nichts deutet auf die ehemalige Siedlung hin, die wohl schon im 15. Jahrhundert den Fleglerkriegen zum Opfer fiel. Alles ist still und friedlich. Unterm blauen Himmel, zwischen Hagebuttensträuchern und Autobahn ging es zurück durch die herbstkräftig gedämpft leuchtende Welt, die, frei nach Eduard Mörike, in warmem Golde gleich uns dahin floss. Über den Mühlenweg ging es am späten Nachmittag zurück.
Besonderer Dank gilt Frau Heydecke, Herrn Förster und dem ganzen Heimatverein für die Organisation dieses unvergesslichen Septembersonntages.
Karin Kisker
Autor: redMit Traktor und Wagen grüßen die Bielschen alljährlich in froher Runde nach der Ernte sinnbildhaft das Land der fruchtbaren Goldenen Aue um Bielen, Leimbach, Sundhausen, Heringen, Auleben, Nordhausen, Uthleben und Windehausen. Das unterstreicht zum einen die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat und fördert darüber hinaus auch den Gemeinschaftssinn.
Uta Heydecke, Bürgermeisterin von Bielen und Vorsitzende des Bielener Heimatvereins weiß das zu würdigen und hatte darum in diesem Jahr entschieden, die Teilnahme nicht nur auf die Mitglieder des Vereins selbst zu beschränken, sondern die Flurbefahrung allen Interessierten zu ermöglichen. Die Resonanz war überwältigend.
Am Speckschnitzer – Eck trafen sich vergangenen Sonntag über hundert Teilnehmer bei schönstem Spätsommerwetter, um die Flur zu befahren. Sieben Traktoren mit Wagen der Agrarproduktion Zorgeland GmbH standen bereit. An sechs Stationen hörten die Anwesenden interessiert den Worten Udo Försters zu, der über das Land viel Wissenswertes kund gab.
Über ein Kreisgebiet und eine Landesgrenze ging die Fahrt mit Unterbrechungen. Sieben Stunden war man unterwegs zum Stausee und zurück auf Wegen, die sonst nur selten Wanderer oder Fahrradfahrer passieren. Kuhbach, Krummbach, Mühlbach waren u.a. Gegenstand der Betrachtung. Man erfuhr, wie kompliziert es u.a. früher in der Region war, allein Wasch- und Brautage zu koordinieren, da man das fließende Wasser gemeinsam nutzte. Vorbei an Hamsteroasen (für Hamster mitten im Feld stehen gelassene Fruchtflächen als geplante Hamstergehege, die das übrige Terrain hamsterfrei halten sollen) ging es über den alten Bahndamm.
Dieser galt vor über 100 Jahren als Musterbeispiel einer großen Ingenieursleistung, da man ihn durch sumpfiges Gelände führen musste. Er verband Halle und Kassel. Heute läuft die neue Strecke parallel. Neben dem alten Bahndamm, auf dem der Wagenzug sich durch die Landschaft bewegte, fließt beschaulich die Nebenhelme.
Gemäß der EU-Wasserrichtlinie hat man an diesem Nebenzweig der Helme eine Fischtreppe errichtet, um den europäischen Lachs hier wieder passieren zu lassen. Das Helmewehr verhinderte lange die Lachswanderung. Gut zu hören: Man hat wohl auch schon welche gesichtet, die den neuen Weg fanden.
Zum Mittag kehrte man standesgemäß vor der Deichkrone am nördlichen Ufer des Stausees im wahrsten Sinne des Wortes beim Wiesenwirt ein. Unter heißer Mittagssonne gab es ein zünftiges Eisbein auf Sauerkraut mit Blick über den Stausee. Man schaute auf das Kloßloch, eine Doline mit mythischer Geschichte: In der Vorzeit soll dort ein Riesenpaar gewohnt haben.
Als sich nun der Ehemann nicht pünktlich zum Essen einfinden wollte, bewarf ihn sein holdes Weib mit jenem legendären Kloß, welcher die Mulde in den Boden geformt haben soll, vor dem sich heute der Stausee idyllisch ausbreitet – Hochwasserschutzgebiet und Wassersportzentrum für die Region. 1962 erfolgte der Probestau am Rückhaltebecken. Mit Radio DDR gab es damals anlässlich dieses Ereignisses ein Riesenevent, das den Älteren unter den Teilnehmern noch recht lebhaft in Erinnerung blieb. Es spielten die Soulful Dynamics im Rahmen des Programms Hafenmelodie.
Fünfundzwanzigtausend Menschen waren gekommen.
Vierundfünfzig Jahre sind seither vergangen. Der elfte September 2016 war auch der Tag des offenen Denkmals. Und wenn man sich gemeinsam in gemächlicher Geschwindigkeit wissenden Auges an einem solchen Tag durch die heimische Flur bewegt, dann reisen Freude und Nachdenklichkeit immer mit. Ein letzter Halt: Bösenrode. Nichts deutet auf die ehemalige Siedlung hin, die wohl schon im 15. Jahrhundert den Fleglerkriegen zum Opfer fiel. Alles ist still und friedlich. Unterm blauen Himmel, zwischen Hagebuttensträuchern und Autobahn ging es zurück durch die herbstkräftig gedämpft leuchtende Welt, die, frei nach Eduard Mörike, in warmem Golde gleich uns dahin floss. Über den Mühlenweg ging es am späten Nachmittag zurück.
Besonderer Dank gilt Frau Heydecke, Herrn Förster und dem ganzen Heimatverein für die Organisation dieses unvergesslichen Septembersonntages.
Karin Kisker


