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Fr, 12:44 Uhr
17.06.2016
115 Jahre genossenschaftliches Wohnen

Bilanz und Ausblick vor Vertretern

Gestern fand im Konferenzraum des Kunden-Service-Centers der Wohnungsbaugenossenschaft Südharz (WBG) die diesjährige ordentliche Vertreterversammlung statt. Ganz im Zeichen des 115jährigen Jubiläums des genossenschaftlichen Wohnens in Nordhausen zog der Vorstand der WBG Bilanz zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 und gab einen Ausblick auf geplante Vorhaben...


57 Vertreter (von insgesamt 73) waren der Einladung des Aufsichtsrates der WBG Südharz gefolgt, um alljährlich die wichtigen Beschlüsse der Genossenschaft zu fassen.

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Im Bericht des Vorstands erläuterte Finanzvorstand Steffen Loup die voraussichtliche demografische Entwicklung im Land Thüringen sowie im Landkreis Nordhausen. Bis zum Jahr 2035 wird es im Landkreis Nordhausen wahrscheinlich nur noch rund 74.000 Einwohner geben, das wären mehr als 11.000 weniger als derzeit. Diesem Trend stellt sich auch die Wohnungsbaugenossenschaft und wird bereits vorhandene Strategien und Konzepte zukünftig immer wieder anpassen.

Steffen Loup freute sich berichten zu können, dass im Rahmen der Personalplanung in diesem Jahr erneut drei junge Menschen - allesamt Abiturienten - eine Ausbildung bei der WBG Südharz beginnen. Damit absolvieren aktuell insgesamt sieben junge Frauen und Männer eine Lehre bei der Genossenschaft. Sechs möchten Immobilienkaufmann/frau werden und ein Azubi wird Fachinformatiker für Systemintegration.

Ebenso positiv beschrieb Steffen Loup die Entwicklung der WBG-Marke „Wohnen & Sparen“ – die Ausgabe von Inhaberschuldverschreibungen. Mit einer Verzinsung von bis zu zwei Prozent sind sie für die Genossenschaftsmitglieder eine attraktive Geldanlage. Aktuell sind Inhaberschuldverschreibungen in einem Gesamtwert von rund 5,2 Millionen Euro ausgegeben.

Weitere Themen im Vortrag waren das Bankenrating und die Weiterführung der Entschuldungsstrategie zur Rückführung der aktuell noch rund 82 Millionen Euro an Darlehn. Die drei größten Kreditgeber vergaben bereits über mehrere Jahre hinweg der WBG Südharz die Rating-Bestnote „1“.

Im vergangenen Jahr wurde mit der umfassenden Umstellung der Software in der Verwaltung begonnen und damit ein 25 Jahre altes System abgelöst. Von diesem aufwendigen technischen Verfahren sind sämtliche Abläufe und Teams in der Genossenschaft betroffen.

Im Rahmen der Vorstellung des Jahresabschlusses stellte Steffen Loup fest, dass die WBG Südharz auf sicheren und soliden Füßen steht, was bei einer Bilanzsumme in Höhe von 194 Millionen Euro auch durch die derzeitige Eigenkapitalquote von 49,7 % zum Ausdruck kommt.

Der Vorstand Wohnungswesen, Sven Dörmann, berichtete in seinem folgenden Vortrag einleitend, dass die Vermietungsquote der WBG Südharz auch im vergangenen Jahr über 96 Prozent und damit weit über dem Thüringer Durchschnitt von unter 92 Prozent lag. Rechnet man die sogenannten Hot-Spots Erfurt, Jena und Weimar aus der Landesbilanz heraus, dann zeichnet sich für den Freistaat sogar nur eine Vermietungsquote von rund 90 Prozent ab.

Im vergangenen Jahr wurden in der Genossenschaft erneut rund 950 Wohnungswechsel realisiert, davon allein über 300 im Bereich des studentischen Wohnens. Trotzdem ging die Zahl der Genossenschaftsmitglieder im Jahr 2015 um 93 auf 7.087 zurück - besonders als Folge der demografischen Entwicklung.

Als durchweg erfolgreich bezeichnete Sven Dörmann die Einführung des Abfallmanagements im Jahr 2013. Seit dem konnten jährlich deutlich mehr als 100.000 Euro an Restabfallgebühren eingespart werden. Dies sowie die abgeschlossene ökologisch nachhaltige Umstellung des WBG-Fuhrparks waren auch Schritte zum Umsetzen des „Strategiekonzeptes WBG 2020“ auf dem Weg zur “Grünen WBG”. Letztlich wirken sich solche Maßnahmen aber auch positiv auf die Mietnebenkosten der WBG-Mitglieder aus.

Im weiteren Verlauf ging der Vorstand Wohnungswesen auf die Unterbringung von Flüchtlingen ein. Hier sei, aufgrund der deutlich weniger neu ankommenden Migranten, aktuell kein weiterer Ausbau der Wohnraumversorgung notwendig. Gelobt wurde hierzu die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt, der Service Gesellschaft des Landkreises sowie dem Verein schrankenlos e.V. im vergangenen Jahr. Sogar eine Delegation im Auftrag des Deutschen Landkreistages besuchte Ende Mai Nordhausen und Bestände der WBG und ließ sich das Konzept vor Ort erklären. Problematisch sieht der WBG-Vorstand die soziale Betreuung der Geflüchteten nach dem Rechtskreiswechsel in die Zuständigkeit des Jobcenters. Hierzu bedarf es dringend weiterer Gespräche mit dem Landkreis.

Sven Dörmann führte anschließend aus, dass es zwischen den Jahren 2000 und 2007 die letzte Anpassung der Mieten in vielen WBG-Wohngebieten gegeben habe. Derzeit beläuft sich die durchschnittliche monatliche Kaltmiete bei der WBG Südharz auf 4,78 Euro pro Quadratmeter und befindet sich damit im Durchschnitt aller Unternehmen der Thüringer Wohnungswirtschaft. Besonderes Gewicht bekommt die Zahl durch den Umstand, dass die Genossenschaft im Branchenvergleich des Freistaates in den zurückliegenden Jahren deutlich mehr Geld in die Sanierung, Instandhaltung und Modernisierung ihres Wohnungsbestandes investiert hat. Die Instandhaltungskosten haben sich in den letzten 10 Jahren teilweise verdoppelt.

Nach über 16 Jahren und mit Beginn einer neuen Sanierungswelle im Wohnungsbestand, wird es in den kommenden Jahren daher notwendig sein, eine moderate Anpassung der Mieten in einigen WBG-Beständen vorzunehmen.

Zum Ende seiner Ausführungen ging Sven Dörmann auf die zahlreichen Aktivitäten im Rahmen des 115-jährigen WBG-Jubiläums ein. Die diesjährigen elf Nachbarschaftsfeste sowie die gemeinsame Veranstaltung im Rahmen des Rolandsfestes sind nur einige Beispiele, wie der Slogan “115 Jahre Miteinander Zuhause - Miteinander Feiern” mit Leben erfüllt wird.

Im Bericht für den Bereich Technik wurden die im vergangenen Jahr fertiggestellten Projekte vorgestellt. Insgesamt sind in die Bautätigkeit, Instandhaltung und Modernisierung rund 11 Millionen Euro geflossen. Seit 1993 hat die WBG Südharz somit bereits rund 270 Millionen Euro in ihre Wohnungsbestände investiert. Nur noch knapp vier Prozent des Wohnungsbestandes gelten als unsaniert.

Der Vorstand ließ den Ausbau des neuen Kunden-Service-Centers ebenso Revue passieren wie die Sanierung des Wohnungswartstützpunktes in Nordhausen Nord. Im Zentrum der Ausführungen standen jedoch die großen Sanierungsvorhaben im Segment des „Seniorenwohnens am Aueblick“ in Nordhausen sowie des „Seniorenwohnens am Löwentor“ in Bleicherode. Für die nachhaltige Entwicklung dieses Projektes in Bleicherode wurden 22 Verträge für Eigentumsgaragen gekündigt. Das gesamte Gelände wird nach dem im Frühjahr erfolgten Rückbau der Garagen aktuell in ein parkähnliches Areal für die WBG-Mitglieder der Wohnanlage umgewandelt.

Mit einem Ausblick auf das Jahr 2017 erläuterte der Vorstand, dass die weitere Entwicklung ihres Wohngebietes in Nordhausen Nord im kommenden Jahr neue Impulse seitens der WBG Südharz erhalten werde.

Abschließend stellten sich die Aufsichtsratsmitglieder Gunther Hebestreit, Andre Vollmer und Maik Szybalski turnusmäßig zur Wiederwahl. Alle drei wurden einstimmig von der Vertreterversammlung für weitere drei Jahre im Aufsichtsrat bestätigt.
Vertreterversammlung der WBG Südharz (Foto: WBG)
Vertreterversammlung der WBG Südharz (Foto: WBG)
Vertreterversammlung der WBG Südharz (Foto: WBG)
Vertreterversammlung der WBG Südharz (Foto: WBG)
Vertreterversammlung der WBG Südharz (Foto: WBG)
Vertreterversammlung der WBG Südharz (Foto: WBG)
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Kommentare

17.06.2016, 14.40 Uhr
U. Alukard | Da haben wir es wieder:
"drei junge Menschen - allesamt Abiturienten - eine Ausbildung bei der WBG Südharz beginnen. Damit absolvieren aktuell insgesamt sieben junge Frauen und Männer eine Lehre bei der Genossenschaft. Sechs möchten Immobilienkaufmann/frau werden und ein Azubi wird Fachinformatiker für Systemintegration."

Das Abitur ist der Einstieg in das Studium!
Nicht in eine normale Lehre, für die angesprochenen Berufe reicht die abgeschlossene10. Klasse!

Hier wird Potential verschwendet!

Was haben die Arbeitgeber nur für hochtrabende Ansprüche?

Aber dann das große Jammern wenn an wirklich wichtigen Positionen die Fachkräfte fehlen.

Was haben wir hier schon alles darüber lesen müssen, es ist zum Kot...!

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17.06.2016, 16.18 Uhr
Flitzpiepe | Volle Zustimmung
Es geht doch schon beim Arbeitsamt los. Wenn dort eine Infoveranstaltung für Abiturienten veranstaltet wird, aber die meiste Zeit über Berufsausbildung erzählt wird.
Oder wenn die Lehrer den Abiturienten einreden, dass ein Studium doch so schwer ist und sie das nicht schaffen würden.
An vielen Stellen ist das eine katastrophale Einstellung zum Abitur und was man damit machen sollte.
All das erlebe ich gerade bei meinem Kind.
Ist das etwa die Vorgabe von oben, um der Abwanderung von jungen Leuten zu begegnen? Denn die meisten Studenten werden nach dem Studium Thüringen den Rücken zuwenden. Nach einer Berufsausbildung ist das eher nicht der Fall.

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17.06.2016, 18.21 Uhr
Libelle | Was soll daran falsch sein?
Das junge Menschen nach dem Abitur eine Berufsausbildung absolvieren und dann studieren ist weder neu noch in irgend einer Weise zu kritisieren. Gibt es Schwierigkeiten mit dem Studium ist die Berufsausbildung vorhanden. Was gibt es daran schon wieder herum zu nörgeln? Das ist besser als dreißigjähriger Student ohne Abschluss zu sein. Außerdem sind Fachkräfte Leute mit Berufsausbildung.

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18.06.2016, 09.25 Uhr
Oberlehrer | @Mafiosa...
...daran ist gar nichts falsch. Ich finde das sogar sehr gut - unsere werten Vorkommentatoren sind wie Statler und Walldorf in der Muppetshow: steht und ständig an allem rumnörgeln. Und wenn es eigentlichn nix zu nörgeln gibt...wird eben irgendwas konstruiert.

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