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Fr, 12:36 Uhr
30.01.2015

Bis zum bitteren Ende

Zu DDR-Zeitung erlebte ich eine Urnenbeisetzung auf dem Hauptfriedhof in Nordhausen. Ein Herr, mit Hose und Pullover bekleidet, trug die Urne in einem besseren Einkaufsnetz, versenkte sie in das Loch und sprach – besser:murmelte – ein paar Worte. Welch eine würdelose Zeremonie. Heute wird um Verbleib oder Schließung des Krematoriums gestritten. Letztlich geht es da auch um Würde...


Nordhausen. Das Krematorium ist nicht mehr zeitgemäß. Einen hohen fünfstelligen Betrag – konkret will keiner im Rathaus werden - müsste die Stadt aufbringen, um unter anderem eine neue Ofenlinie zu installieren.

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Damit würde auch die Pflicht entfallen, die Verstorbenen nur in zertifizierter Sterbekleidung einzuäschern. Das Geld hat die Stadt aber nicht. Folglich sucht sie nach Alternativen. Ein privater Betreiber wäre eine Lösung. Eine Ausschreibung soll helfen.

Ein privater Betreiber müsse erst geboren werden. Sagt Tobias Titulaer vom Bestattungshaus Höfer. Der müsste auf der grünen Wiese bauen, schließlich gehöre zur Würde eine ansprechende Trauerhalle. Die hiesige sei unter anderem wegen der schlechten Akustik fraglich. Deshalb habe er neben anderen Bestattern eigene Feierräume.

Wie will ein privater Betreiber des Nordhäuser Krematoriums auf seine Kosten kommen, wenn derzeit die 900 Kremierungen im Jahr nicht reichen und man dicke rote Zahlen schreibt?, gibt Titulaer weiter zu bedenken. Auch Bestatter Eckhard Schade setzt ein großes Fragezeichen. Es werde sich kein Mensch finden, der das Risiko eingeht, ist auch er überzeugt. Schon jetzt sei diese Idee gestorben.

Leichtfertig sollte man aber das Krematorium nicht abschreiben, meinen übereinstimmend Schade und Titulaer, aber auch andere Bestatter. Ihnen stimmt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Steffen Iffland, zu. Ein Versuch sei es allemal wert, das Krematorium zu retten. Nach Schades Auffassung dürfte es zu stemmen sein, neben einigen anderen Dingen die Ofenanlage zu sanieren.

Die Bestatter ließen durchblicken und vermuten, dass da eine Person an den Hebeln der Stadt sitze, die so tue, als ob ihr das alles gleichgültig wäre. Namen nannten sie nicht. Wer aber vordem, bezogen auf diese Person, die Toten, wo man es mit ihnen noch zu tun hatte, anstatt in das kommunale Krematorium in ein privates brachte, und darum wisse, käme unschwer auf den Namen.

Vielleicht spielten bei der Entscheidung besagter Person im Rathaus Dienstleistungen eine Rolle. Wir lassen nur in Nohra-Kinderode einäschern, bekräftigen Torsten Engelhardt vom Bestattungsinstitut „Ackermann“ in Ellrich und Frank Meier vom Bestattungshaus Nordhausen. Dort stimme rundum alles.

Mit drei Einäscherungen in der Woche habe ich angefangen, meint Betreiber Jörg Freckmann gegenüber dieser Zeitung. Heute seien es 60 bis 70. Er sei ein großes Risiko eingegangen, sich für diesen Schritt entschieden zu haben. Um auf feste Füße zu kommen, musste er als Privatmann, war ihm bewusst, Dienstleistungen anbieten, die Sicherheit und solide Preisangebote bieten und besser als die anderer zu sein hatten. Bestatter aus nah und fern hatte Freckmann eingeladen, sich vor Ort zu überzeugen. Mit Erfolg.

Sollte die Ofenanlage im Krematorium auf dem Hauptfriedhof doch mal saniert oder ausgewechselt werden, nehme das eine gewisse Zeit in Anspruch. Für Freckmann kein Problem, die anfallenden Einäscherungen mit zu übernehmen. Auch auf Dauer, sollte sich das erforderlich machen.

Jahrzehntelang hatte die Öffentliche Hand, die Stadt Nordhausen, das Monopol. Weit und breit keine Konkurrenz. Mehr oder weniger nach Belieben konnte man verfahren. Welch ein Trugschluss zu glauben, das könnte für alle Ewigkeit so bleiben. Mal paar neue Ziegeln auf das Dach des Krematoriums, mal hier und da kleine Ausbesserungen. Und das Geschäft lief weiter. Bis zum bitteren Ende?
Kurt Frank
Autor: red

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