Fr, 06:27 Uhr
30.01.2015
Interviews mit Zeitzeugen
Im Rahmen des Projektes: Miteinander in Ellrich -Spurensuche- Jüdische Familien damals führten am Mittwoch Schüler der Oberschule Ellrich Interviews mit zwei Zeitzeugen im Raum des Familienvereins Ellrich durch. Damit wurde ein einzigartiges Projekt fortgesetzt...
Die Aufnahmetechnik wurde freundlicherweise durch den OKN zur Verfügung gestellt. Frau Schrickel, geb. 1927, und Herr Schulze, geb. 1932, berichten über ihre Erinnerungen zu den Familien Ballin, Bernstein, Grunsfeld, Lieberg, Nußbaum und Richter.
So pflegte Frau Schrickel über viele Jahre eine enge Freundschaft mit Helga Lieberg. Die Familie Lieberg besaß eine Weberei am Ellricher Bahnhof. Viele Ellricher Einwohner fanden hier eine Beschäftigung. Die beiden Mädchen wurden noch gemeinsam eingeschult, bevor dann Helga mit ihren beiden Schwestern auf ein Schweizer Internat wechselte und man sich aus den Augen verlor.
Herr Schulze schilderte eindrücklich den entwürdigenden Abtransport der älteren Damen Grunsfeld im Zuge der Reichspogromnacht. Auch Herrn Bernstein kannte er persönlich, der ein Manufakturgeschäft in der heutigen Lindenstraße führte. Die Entrechtung und Diffamierung der jüdischen Bevölkerung war auch in Ellrich schon weit vorangetrieben worden. Auf der Schaufensterscheibe des Geschäfts war deutlich sichtbar ein Davidstern angebracht.
Frau Schrickel, Frau Lieberg als Kinder (Foto: privat)
Wo vor Beginn der nationalsozialistischen Hetzpropaganda noch Kunden aus Ellrich und der Umgebung, bis Northeim hinaus, gerne einkauften, herrschte nun Boykott und Ausgrenzung. Beide Zeitzeugen beschrieben die Mechanismen, die dazu führten, dass aus normalen nachbarschaftlichen Beziehungen eine ablehnende bis feindliche Haltung gegenüber der jüdischen Bevölkerung wurde. Bereits in der Schule wurde ihnen im Kindesalter die vermeintliche Andersartigkeit der jüdischen Mitbewohner vermittelt. Als Folge der Ereignisse der Reichspogromnacht erlosch das jüdisches Leben in Ellrich endgültig.
In Gedenken an die ehemaligen Ellricher Mitbewohner werden am 18. Juni 2015 an zwei Orten in Ellrich jeweils 2 Stolpersteine gesetzt.
Torsten Fuhr
Autor: redDie Aufnahmetechnik wurde freundlicherweise durch den OKN zur Verfügung gestellt. Frau Schrickel, geb. 1927, und Herr Schulze, geb. 1932, berichten über ihre Erinnerungen zu den Familien Ballin, Bernstein, Grunsfeld, Lieberg, Nußbaum und Richter.
So pflegte Frau Schrickel über viele Jahre eine enge Freundschaft mit Helga Lieberg. Die Familie Lieberg besaß eine Weberei am Ellricher Bahnhof. Viele Ellricher Einwohner fanden hier eine Beschäftigung. Die beiden Mädchen wurden noch gemeinsam eingeschult, bevor dann Helga mit ihren beiden Schwestern auf ein Schweizer Internat wechselte und man sich aus den Augen verlor.
Herr Schulze schilderte eindrücklich den entwürdigenden Abtransport der älteren Damen Grunsfeld im Zuge der Reichspogromnacht. Auch Herrn Bernstein kannte er persönlich, der ein Manufakturgeschäft in der heutigen Lindenstraße führte. Die Entrechtung und Diffamierung der jüdischen Bevölkerung war auch in Ellrich schon weit vorangetrieben worden. Auf der Schaufensterscheibe des Geschäfts war deutlich sichtbar ein Davidstern angebracht.
Frau Schrickel, Frau Lieberg als Kinder (Foto: privat)
Wo vor Beginn der nationalsozialistischen Hetzpropaganda noch Kunden aus Ellrich und der Umgebung, bis Northeim hinaus, gerne einkauften, herrschte nun Boykott und Ausgrenzung. Beide Zeitzeugen beschrieben die Mechanismen, die dazu führten, dass aus normalen nachbarschaftlichen Beziehungen eine ablehnende bis feindliche Haltung gegenüber der jüdischen Bevölkerung wurde. Bereits in der Schule wurde ihnen im Kindesalter die vermeintliche Andersartigkeit der jüdischen Mitbewohner vermittelt. Als Folge der Ereignisse der Reichspogromnacht erlosch das jüdisches Leben in Ellrich endgültig.
In Gedenken an die ehemaligen Ellricher Mitbewohner werden am 18. Juni 2015 an zwei Orten in Ellrich jeweils 2 Stolpersteine gesetzt.
Torsten Fuhr


