Fr, 06:22 Uhr
30.01.2015
Lichtblick: Ein Freund, ein guter Freund
Kennen Sie diesen Satz: Ich bin kein guter Kirchgänger; beten kann ich auch zu Hause. So höre ich es oft. Aber wie tiefgründig ist dieser Satz – sind wir einmal ehrlich? Beten heißt: Reden mit Gott wie zu einem Freund. Wenn ich mit einem Freund rede, dann habe ich erst einmal ein Grundvertrauen in seine Verschwiegenheit, seine Ehrlichkeit und seine Ernsthaftigkeit im Umgang mit mir...
Ein solches Grundvertrauen kann ich nur haben in jemanden, den ich gut kenne – den ich einschätzen kann. Das kann ich nur, wenn ich auch wirklich Zeit mit demjenigen verbringe und ihn kennen lernen möchte – die guten Seiten wie auch die, die ich nicht ganz nachvollziehen kann.
Wenn Beten heiß mit Gott reden wie mit einem Freund, dann müsste das im Umkehrschluss so aussehen: Ich kann mich Gott erst dann anvertrauen, wenn ich ein Grundvertrauen in ihn gefunden habe. Das finde ich nur, wenn ich mich mit diesem Gott auch befasse und ihm die Möglichkeit schenke, ihn kennen zu lernen und somit auch vielleicht in gewisser Weise verstehen zu lernen.
Wo und wie aber kann ich diesen Gott, den ich nicht sehe kennen lernen – oder aber Zeit mit ihm verbringen? Ich sehe nur drei Möglichkeiten: in dem ich erstens erfahre, wie andere Menschen ihn erlebt haben – und das ist mir möglich, indem ich die Bibel lese. Aber nicht alle Menschen nehmen sich die Zeit und leben mit der täglichen Bibellese. Also gibt es eine zweite Möglichkeit: von Gott nicht lesen, sondern von ihm zu hören.
Woche für Woche gibt es Menschen, die von diesem Gott erzählen, so, wie sie ihn erleben und so, wie die Bibel von ihm erzählt. Das tun sie in der Kirche – in ihrer Predigt. 10 Minuten nur, die es für Gott Interessierten ermöglicht, von ihm zu erfahren, Zeit mit ihm zu verbringen und ihn kennenzulernen – seine Ernsthaftigkeit im Umgang mit mir, seine Ehrlichkeit mir gegenüber. Nur wenn ich diesen Gott ein wenig kenne und ihn einigermaßen einschätzen kann, kann ich ernsthaft beten – zu ihm vertrauensvoll reden wie zu einem Freund.
Erst dann kann ich mich ihm anvertrauen – und das nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern überall. Und dann habe ich drittens auch die Möglichkeit hinzuhören und genauer hinzusehen auf das, was er mir in meinem Alltag sagen will – wo er mich begleitet und mir zur Seite steht. Dann kann ich mich abends hinlegen und auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen, die er uns schenken möchte – nicht nichts tuend, sondern hin hörend.
Ganz wie der Wochenspruch für die neue Woche uns bald schon mit auf den Weg gibt: Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Daniel9, 18) Dabei fällt uns Allen meist am Schwersten, dass wir Gott nie ganz verstehen – aber wer versteht schon seinen Freund ganz und gar? Und dennoch will ich Zeit mit ihm verbringen und ihn weiter besser kennen lernen. Darum kann ich – nicht nur von berufs wegen – sagen: Ich bin ein guter Kirchgänger; so kann ich beten überall.
Pfarrerin Esther M. Fauß, Greußen
Autor: redEin solches Grundvertrauen kann ich nur haben in jemanden, den ich gut kenne – den ich einschätzen kann. Das kann ich nur, wenn ich auch wirklich Zeit mit demjenigen verbringe und ihn kennen lernen möchte – die guten Seiten wie auch die, die ich nicht ganz nachvollziehen kann.
Wenn Beten heiß mit Gott reden wie mit einem Freund, dann müsste das im Umkehrschluss so aussehen: Ich kann mich Gott erst dann anvertrauen, wenn ich ein Grundvertrauen in ihn gefunden habe. Das finde ich nur, wenn ich mich mit diesem Gott auch befasse und ihm die Möglichkeit schenke, ihn kennen zu lernen und somit auch vielleicht in gewisser Weise verstehen zu lernen.
Wo und wie aber kann ich diesen Gott, den ich nicht sehe kennen lernen – oder aber Zeit mit ihm verbringen? Ich sehe nur drei Möglichkeiten: in dem ich erstens erfahre, wie andere Menschen ihn erlebt haben – und das ist mir möglich, indem ich die Bibel lese. Aber nicht alle Menschen nehmen sich die Zeit und leben mit der täglichen Bibellese. Also gibt es eine zweite Möglichkeit: von Gott nicht lesen, sondern von ihm zu hören.
Woche für Woche gibt es Menschen, die von diesem Gott erzählen, so, wie sie ihn erleben und so, wie die Bibel von ihm erzählt. Das tun sie in der Kirche – in ihrer Predigt. 10 Minuten nur, die es für Gott Interessierten ermöglicht, von ihm zu erfahren, Zeit mit ihm zu verbringen und ihn kennenzulernen – seine Ernsthaftigkeit im Umgang mit mir, seine Ehrlichkeit mir gegenüber. Nur wenn ich diesen Gott ein wenig kenne und ihn einigermaßen einschätzen kann, kann ich ernsthaft beten – zu ihm vertrauensvoll reden wie zu einem Freund.
Erst dann kann ich mich ihm anvertrauen – und das nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern überall. Und dann habe ich drittens auch die Möglichkeit hinzuhören und genauer hinzusehen auf das, was er mir in meinem Alltag sagen will – wo er mich begleitet und mir zur Seite steht. Dann kann ich mich abends hinlegen und auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen, die er uns schenken möchte – nicht nichts tuend, sondern hin hörend.
Ganz wie der Wochenspruch für die neue Woche uns bald schon mit auf den Weg gibt: Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Daniel9, 18) Dabei fällt uns Allen meist am Schwersten, dass wir Gott nie ganz verstehen – aber wer versteht schon seinen Freund ganz und gar? Und dennoch will ich Zeit mit ihm verbringen und ihn weiter besser kennen lernen. Darum kann ich – nicht nur von berufs wegen – sagen: Ich bin ein guter Kirchgänger; so kann ich beten überall.
Pfarrerin Esther M. Fauß, Greußen

