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Mi, 13:37 Uhr
14.01.2015

"Wir waren mittendrin"

19 Jahre und vier Monate sind es Ende Februar. Dann geht die Dienstzeit für einen Geschäftsführer in Nordhausen zu Ende. Sie waren die nachhaltigsten in seinen 42 Arbeitsjahren. Sie waren eine "einmalige Zeit", wie er im Gespräch mit der nnz sagt, denn "wir waren mittendrin"...


Fast zwei Jahrzehnte (Foto: nnz) Fast zwei Jahrzehnte (Foto: nnz)

Noch ein Monat, dann wird Hans-Peter Dörflinger, einer der beiden Geschäftsführer der Energieversorgung Nordhausen GmbH (EVN), sonntags in Gifhorn nicht mehr Sachen packen und nach Nordhausen fahren.

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Am 28. Februar endet sein Vertrag als Geschäftsführer, es ist sein offiziell letzter Arbeitstag. Der erste ist auf den 1. November 1995 datiert. Hans-Peter Dörflinger erinnert sich noch an seine erste "Begegnung" mit Nordhausen. "Na klar, ich kannte Nordhausen schon durch meinen damaligen Job bei Contigas, doch wo die Straße der Genossenschaften ist, das war mir ein Rätsel. Aber genau dort musste ich mich dem Aufsichtsrat vorstellen. Also rief ich im Sekretariat an und Frau Biller-Kählert lotste mich problemlos an mein Ziel", erzählt der Mann mit dem markanten Schnauzer.

Was dann folgte, das waren Jahre, in denen der Energiemarkt dermaßen umgekrempelt wurde, dass selbst ausgebufften Managern mitunter schwindelig wurde. Marktöffnung, Deregulierung, das Abspalten der Netze - die Geschwindigkeit der Veränderung schien damals von Monat zu Monat zuzunehmen.

Abschied nach fast 20 Jahren (Foto: nnz) Abschied nach fast 20 Jahren (Foto: nnz)

Stammte das bisherige Energiewirtschaftsgesetz noch aus dem Jahr 1935 und beinhaltete 14 Paragrafen, so ist daraus eine Sammlung von rund 100 Gesetzen mit fast 3.000 Paragrafen, Verordnungen und Regelungen geworden. Neben der fast nicht zu bewältigenden Bürokratie fand sich die EVN plötzlich mitten in einem heiß umkämpften Markt wieder - 150 Stromhändler rangelten um ein Stück des Kuchens, der da Kunde heißt.

Der Nordhäuser Energieversorger hat die Turbulenzen überstanden, besteht noch heute im Wettbewerb und hat so manche weitere Hürde gemeistert. 650 Kilometer Stromnetze, von denen fast alles in der Erde ist, zählen ebenso dazu wie 9.500 Hausanschlüsse. Hinzu kommen 320 Kilometer Gas mit 6.200 Hausanschlüssen.

Hans-Peter Dörflinger verlässt Nordhausen mit ruhigem Gewissen, der Kurs für die Zukunft ist abgesteckt, auch seine Nachfolge ist geregelt. "Es wird ein Fachmann sein, der letztlich Mitte Februar von Aufsichtsrat und Gesellschaftern offiziell berufen wird. Das ist gut so, denn die Herausforderungen auf dem Energiesektor werden nicht weniger. Im Gegenteil, die See bleibt rau."

Nach fast 20 Jahren Wochenende-Ehe freut sich Dörflinger auf die Familie, obwohl ihn die to-do-Liste seiner Ehefrau schon ein wenig abschreckt. "Die ist mittlerweile so lang, dass ich sie in meiner Lebenszeit nicht mehr abarbeiten kann", schmunzelt der 63jährige. Er will/muss sich um "Haus und Hof" kümmern, gemeinsam will das Ehepaar noch den einen oder anderen Winkel dieser Welt erkunden.

Das schönste an diesen Zielen von Hans-Peter Dörflinger ist der Umstand, dass sie ohne Zeitdruck realisiert werden können. Er will sich nun nicht zurückziehen, will die Freundschaften intensiver pflegen, die unter der Entfernung Gifhorn-Nordhausen gelitten haben. Und er will sich vermehrt dem Sport widmen, seiner Leidenschaft. Er, der einstige Leichtathlet, will sich vielleicht ein wenig um den Nachwuchs in dem Verein kümmern, in dem sein Sohn Trainer ist.

Und wenn dann noch ein wenig Zeit und Muße bleibt, dann wird der Mann ab und zu an die Zeit in Nordhausen denken und dann vielleicht erst richtig realisieren, in was für spannenden Dekaden er unterwegs war. Eine Zeit, die er als einmalig beschreibt und in der nicht nur dabei, sondern mitten drin war. Fast 20 Jahre in Nordhausen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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