Mi, 16:15 Uhr
19.11.2014
Psst...Ohren auf!
Fernsehen, Internet und Reklame aller Orten - unsere Welt ist visuell geworden. Im bildgewaltigen Rauschen des Alltags geht das Zuhören unter, fällt die Konzentration immer schwerer. Die Schüler der Klasse 5b der Käthe-Kollwitz-Schule haben in den vergangen Wochen das Hören wieder geübt und selbst für den Hörgenuss anderer gearbeitet...
Möwengeschrei ist das einzige, das die Kälte und die Langeweile durchbricht, welche die Crew des Kapitän Holzbein befallen hat.
Ständig nur Säbel schleifen, kein Schiff zum entern in Sicht, es ist zum gähnen. Endlich: Land in Sicht! Die lange gesuchte Schatzinsel. Doch was ist das? Das Meer beginnt zu brodeln und aus den Tiefen steigt heulend und kreischend ein Seeungeheuer! Zum Glück sind die Niespulverkanonen geladen, Feuer frei, das Ungeheuer versinkt schniefend in der Tiefe und der Weg ist frei für neue Abenteuer! Jingle, Werbeblock, Nachrichten.
Die Klasse 5b der Käthe-Kollwitz-Schule hat in den vergangenen zwei Wochen zwei eigene Hörspiele auf die Beine gestellt, mit allem was so dazu gehört im Radio. Und nebenbei wurden ihnen spielerisch beigebracht, wieder mehr auf die eigenen Sinne "zu hören". Wie klingt die Promenade im Herbst? Oder machen Bücher Geräusche?
Alle Geräusche für ihr Hörspiel produzierten die Schüler selbst - hier zeigen Maurice, Ben und Luca ihr Seeungeheuer (Foto: Angelo Glashagel)
Ob auf akustischer Erkundungstour durch Nordhausen oder im eigenen Klassenzimmer - alles wurde selbst aufgenommen oder produziert. Ben, Luca und Maurice etwa legten sich mittels des eigenen Mundwerks ins Zeug, um das Seeungeheuer in ihrer Piratengeschichte möglichst monströs klingen zu lassen. Das dass den Fünftklässlern enormen Spaß bereitet haben dürfte, steht außer Frage.
Beim Feinschliff für ihre Aufnahmen wurden die Schüler von zwei Profis betreut, Anna Reichenbach und Juliane Spatz von der Stiftung Zuhören. Die beiden Medienpädagoginnen gaben den Ideen der Kinder die digitale Veredelung, die auch im Radio üblich ist und machten die Schüler mit ihrem Medium vertraut. Denn die hören eher selten Radio, erkennen aber trotzdem die einzelnen Bausteine eines typischen Radioprogramms, den "Jingle" etwa, auch schnell als solche.
Insgesamt zehn Schulklassen aus ganz Thüringen beteiligten sich in diesem Jahr an dem Programm "Earsinnig hören!", das seit zwei Jahren im Freistaat läuft und von der Stiftung Zuhören ins Leben gerufen wurde und von der Sparkassenkulturstiftung finanziell unterstützt wird.
Die Präsentation der Ergebnisse war eine Mischung aus Audioeinspielung und Bühnenshow (Foto: Angelo Glashagel)
In Hessen werden die Ohren schon seit 2010 gespitzt und inzwischen würden hier 100 Schulklassen teilnehmen, erzählte Juliane Spatz. "Die Schüler finden sich ganz schnell wieder in das Hören hinein", sagte die Medienpädagogin, "und sie merken das dass Spaß macht und für jeden etwas dabei ist, sei es nun als Sprecher oder als Geräuschemacher".
"Earsinnig Hören" richtet sich aber nicht nur an Schüler, sondern auch an die Lehrerschaft. Bevor es mit der Vorbereitung im Unterricht losgeht, wird ein Fortbildungstag für das Kollegium der jeweiligen Schule organisiert. Denn auch Erwachsene bedürfen nicht selten der Nachhilfe in Sachen Medienkompetenz.
Die Ergebnisse ihrer Mühen präsentierten die Schüler in einer Mischung aus Bühnenshow und Radioeinspielung. Ihre beiden Hörspiele ertönten über die Boxen. Moderation, Nachrichten wurden vor Eltern und Freunden vorgetragen, Live-Radio sozusagen.
Wer selber einmal hinein hören möchte in die "Abenteuer des Käpt'n Holzbein" oder den akustischen Stadtrundgang, der muss sich noch ein wenig gedulden. Nächste Woche sollen die Beiträge der Nordhäuser Schüler auf der Website der Stiftung Zuhören unter http://www.stiftung-zuhoeren.de/ zu finden sein.
Angelo Glashagel
Autor: redMöwengeschrei ist das einzige, das die Kälte und die Langeweile durchbricht, welche die Crew des Kapitän Holzbein befallen hat.
Ständig nur Säbel schleifen, kein Schiff zum entern in Sicht, es ist zum gähnen. Endlich: Land in Sicht! Die lange gesuchte Schatzinsel. Doch was ist das? Das Meer beginnt zu brodeln und aus den Tiefen steigt heulend und kreischend ein Seeungeheuer! Zum Glück sind die Niespulverkanonen geladen, Feuer frei, das Ungeheuer versinkt schniefend in der Tiefe und der Weg ist frei für neue Abenteuer! Jingle, Werbeblock, Nachrichten.
Die Klasse 5b der Käthe-Kollwitz-Schule hat in den vergangenen zwei Wochen zwei eigene Hörspiele auf die Beine gestellt, mit allem was so dazu gehört im Radio. Und nebenbei wurden ihnen spielerisch beigebracht, wieder mehr auf die eigenen Sinne "zu hören". Wie klingt die Promenade im Herbst? Oder machen Bücher Geräusche?
Alle Geräusche für ihr Hörspiel produzierten die Schüler selbst - hier zeigen Maurice, Ben und Luca ihr Seeungeheuer (Foto: Angelo Glashagel)
Ob auf akustischer Erkundungstour durch Nordhausen oder im eigenen Klassenzimmer - alles wurde selbst aufgenommen oder produziert. Ben, Luca und Maurice etwa legten sich mittels des eigenen Mundwerks ins Zeug, um das Seeungeheuer in ihrer Piratengeschichte möglichst monströs klingen zu lassen. Das dass den Fünftklässlern enormen Spaß bereitet haben dürfte, steht außer Frage.Beim Feinschliff für ihre Aufnahmen wurden die Schüler von zwei Profis betreut, Anna Reichenbach und Juliane Spatz von der Stiftung Zuhören. Die beiden Medienpädagoginnen gaben den Ideen der Kinder die digitale Veredelung, die auch im Radio üblich ist und machten die Schüler mit ihrem Medium vertraut. Denn die hören eher selten Radio, erkennen aber trotzdem die einzelnen Bausteine eines typischen Radioprogramms, den "Jingle" etwa, auch schnell als solche.
Insgesamt zehn Schulklassen aus ganz Thüringen beteiligten sich in diesem Jahr an dem Programm "Earsinnig hören!", das seit zwei Jahren im Freistaat läuft und von der Stiftung Zuhören ins Leben gerufen wurde und von der Sparkassenkulturstiftung finanziell unterstützt wird.
Die Präsentation der Ergebnisse war eine Mischung aus Audioeinspielung und Bühnenshow (Foto: Angelo Glashagel)
In Hessen werden die Ohren schon seit 2010 gespitzt und inzwischen würden hier 100 Schulklassen teilnehmen, erzählte Juliane Spatz. "Die Schüler finden sich ganz schnell wieder in das Hören hinein", sagte die Medienpädagogin, "und sie merken das dass Spaß macht und für jeden etwas dabei ist, sei es nun als Sprecher oder als Geräuschemacher". "Earsinnig Hören" richtet sich aber nicht nur an Schüler, sondern auch an die Lehrerschaft. Bevor es mit der Vorbereitung im Unterricht losgeht, wird ein Fortbildungstag für das Kollegium der jeweiligen Schule organisiert. Denn auch Erwachsene bedürfen nicht selten der Nachhilfe in Sachen Medienkompetenz.
Die Ergebnisse ihrer Mühen präsentierten die Schüler in einer Mischung aus Bühnenshow und Radioeinspielung. Ihre beiden Hörspiele ertönten über die Boxen. Moderation, Nachrichten wurden vor Eltern und Freunden vorgetragen, Live-Radio sozusagen.
Wer selber einmal hinein hören möchte in die "Abenteuer des Käpt'n Holzbein" oder den akustischen Stadtrundgang, der muss sich noch ein wenig gedulden. Nächste Woche sollen die Beiträge der Nordhäuser Schüler auf der Website der Stiftung Zuhören unter http://www.stiftung-zuhoeren.de/ zu finden sein.
Angelo Glashagel


