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Fr, 11:18 Uhr
01.08.2014

1. August 1914 - Die Urkatastrophe

Auf den Tag einhundert Jahre ist es her, das dass Deutsche Kaiserreich Russland den Krieg erklärte. Wenige Tage später befand sich der gesamte Kontinent im Kriegszustand. Die Flohburg beleuchtet seit heute, wie sich die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" auf das Leben in Nordhausen auswirkte...

Der erste Weltkrieg, er verschwindet in der Erinnerung häufig hinter dem Krieg Nazideutschlands. Zeitzeugen gibt es nicht mehr und der Krieg selbst tritt trotz Millionen Toter und unermesslicher Zerstörung noch hinter die Schrecken dieses zweiten großen Krieges zurück. Der "vergessene" Krieg wurde er genannt. Nicht so dieser Tage, da sich die offizielle Kriegserklärung des deutschen Kaiserreiches an das zaristische Russland zum einhundertsten Mal jährt.

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Wie die Katastrophe zu Stande kam, welche den Weg ebnete für all das, was folgen sollte, dafür ist hier nicht der Platz. Und auch die Flohburg sieht als stadtgeschichtliches Museum nicht seine Aufgabe darin, den gordischen Knoten aus Diplomatie, Politik und imperialen Streben der europäischen Mächte, die dem Krieg vorrausgingen, von Hand zu entwirren.

Es ist nicht die "große" Geschichte, es sind nicht die Schlachten, nicht die komplexen diplomatischen Verflechtungen und die Ursachen oder die Schuldfrage des ersten Weltkrieges, die seit heute in der Flohburg thematisiert werden. "Wir wollen die große Geschichte herunterbrechen auf das lokale und zeigen, wie sie von den Menschen hier gelebt wurde", sagte Museumsleiterin Dr. Cornelia Klose anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung.

Viele Feldpostenkarten werden gezeigt - wer sie entziffern will sollte Süttelin beherrschen (Foto: Angelo Glashagel) Viele Feldpostenkarten werden gezeigt - wer sie entziffern will sollte Süttelin beherrschen (Foto: Angelo Glashagel)

Zu diesem Zweck zeigt die Flohburg im "Grünen Salon" des Hauses seit heute die Ausstellung "Nordhausen und der Erste Weltkrieg". Zusammen mit den Regelschulen Petersberg und Förstemannweg und dank der Unterstützung durch den Verein "Gegen Vergessen - Für Demokratie" sowie das Bundesprogramm "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" konnte das Museum nicht nur viele Erinnerungsstücke aus privater Hand zusammentragen, sondern auch ein umfangreiches Rahmenprogramm auf die Beine stellen.

Wer Kriegsgerät, Waffen und Rüstung sucht, der wird in der Sonderausstellung nicht fündig werden. Tagebücher, Feldpostkarten, Zeitungen, öffentliche Bekanntmachungen, Karikaturen und Bilder geben stattdessen einen Eindruck davon, was der Krieg in Nordhausen anrichtete. Denn im Gegensatz zum zweiten Weltkrieg erreichte die Zerstörung Nordhausen nie wirklich direkt. Dennoch spürte die Bevölkerung schon bald nach dem "Augusterlebnis", dem Jubel und der Kriegsbegeisterung, seine Auswirkungen.

Zuerst kamen die Lazarette, und es wurden schnell mehr, dann die Bezugsmarken für Brot, später für fast alle Waren bishin zur Kleidung. Im entfesselten Krieg wurden aber nicht nur, wie im "Kohlrübenwinter" 1916/17 die Nahrung knapp, auch die Rohstoffe für die Kriegsproduktion musste bald die Bevölkerung bereitstellen. Pferde, private PKW und Haushaltsgeräte aus Kupfer sollen abgegeben werden. Doch das Leben geht irgendwie weiter. Es ist fast bizarr zu hören, das mitten im Krieg, während in Verdun das Menschenmaterial zu hunderttausenden verheizt wird, in Nordhausen das neue Theater festlich eröffnet wird.

v.l.: Sarah Marie Pförtner, Annemarie Kaiser, Vivien Hoffmann (Foto: Angelo Glashagel) v.l.: Sarah Marie Pförtner, Annemarie Kaiser, Vivien Hoffmann (Foto: Angelo Glashagel)

Zusammengetragen haben die Informationen neben den Mitarbeitern der Flohburg und dem Stadtarchivar a.D. Dr. Peter Kuhlbrodt auch drei Schülerinnen der Petersbergschule. Annemarie, Vivien und Sarah Marie präsentierten heute vor überfülltem Haus erstmals die Ergebnisse ihrer Arbeit. Die Mädhcen haben die Auseinandersetzung mit der Geschichte zum Thema ihrer Projektarbeit gemacht. Anstatt des üblichen Kolloquiums werden sie ihre Mitschüler im neuen Schuljahr durch "ihre" Ausstellung führen können. Neben der schulischen Notwendigkeit haben die drei aber auch für sich persönlich etwas über den Krieg lernen können. Annemarie schockierte vor allem die Verharmlosung, man könnte wohl auch sagen Propaganda, des Krieges an der Heimatfront, in Büchern und Pamphleten.

Noch während der Eröffnung fördern Privatleute neue Hinterlassenschaften zu Tage (Foto: Angelo Glashagel) Noch während der Eröffnung fördern Privatleute neue Hinterlassenschaften zu Tage (Foto: Angelo Glashagel)

Neben den Schülerinnen berreicherten auch die privaten Leihgeber die Ausstellung immens. Die Familie Schulze etwa, die ihre Geschichte bis 1585 erforschen konnte, hat einen ganze Vitrine mit Relikten aus der Zeit des ersten Weltkrieges gefüllt. Der Großvater hatte im Herbst seines Lebens die Erfahrungen aus seiner Zeit an der Front niedergeschrieben. Dabei half im sein Tagebuch, das ihn über den ganz Krieg hinweg begleitete. "Viele gehen mit Herzblut an das Thema heran", sagte Museumsleiterin Klose, "denn es ist ihre Familiengeschichte". Noch während der Eröffnung werden neue Erinnerungsstücke an das Museum herangetragen, ein älterer Herr hat eine alte Bekanntgabe der Mobilmachung mitgebracht.

Bis zum 26. Oktober wird die Ausstellung noch in der Flohburg zu sehen sein. Lesungen, musikalisches aus der Zeit des ersten Weltkrieges und Filmvorführungen wie "Im Westen nichts neues" und "Der Rote Baron" werden die Ausstellung begleiten.
Autor: red

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