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Fr, 11:18 Uhr
01.08.2014

Investitionsflaute bedroht Wohlstand

Der Konjunkturmotor brummt. Die Stimmung bei Unternehmern und Verbrauchern ist so gut wie lange nicht mehr. Aber: Die Unsicherheit in vielen Nordthüringer Chefetagen über die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate wächst. Negative Auswirkungen auf die Investitionsabsichten bleiben da nicht aus...


Denn gerade der Mittelstand mit seiner auf den Standort Deutschland ausgerichteten Langfristorientierung muss wissen, dass er hierzulande willkommen und wichtiger Bestandteil von Wirtschafts-, Regional und Gesellschaftsstruktur ist.

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„Derzeit bewegen wir uns zwar noch in ruhigem Fahrwasser. Aber ein heftiger Sturm braut sich schon zusammen“, warnt Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt. Neben den außenpolitischen Krisenherden würden auch aktuelle Entscheidungen der Bundesregierung wie die Rente mit 63, Mindestlohn, Mütterente oder Energiewende erhebliches Potenzial als Konjunkturdämpfer besitzen. So habe das Münchner Ifo-Institut in der vergangenen Woche bereits zum dritten Mal in Folge einen Rückgang des Geschäftsklimas registriert.

„Der erlahmte Reformwille der Politiker hinterlässt vor allem bei den Investitionen seine Spuren. Die momentane Schwächephase könnte sich durchaus zur Bedrohung für den Wohlstand auswachsen“, gibt Grusser zu bedenken. Schließlich gehe es bei den Investitionsausgaben um einen zentralen Konjunkturindikator, der darüber Auskunft gibt, wie innovativ die Unternehmen sind und ob sie Arbeitsplätze schaffen.

Der Standort Deutschland verliere an Attraktivität. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zeige, dass zum ersten Mal seit Jahren die Zahl der Unternehmen wächst, die aus Kostengründen in andere Länder ausweichen und nicht etwa nur, weil sie dort neue Märkte gewinnen wollen.

Auch in Thüringen werde inzwischen zu wenig investiert. Weniger jedenfalls, als dies Staat und Unternehmen in anderen Bundesländern tun.

„Die Investitionsquote des Freistaats, der Anteil der Bruttoanlageinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt, fällt mit 19,5 Prozent inzwischen geringer aus als in Mecklenburg-Vorpommern (22,5 Prozent), Sachsen (21,9 Prozent) oder Bayern (21,2 Prozent) und liegt auch unter dem ostdeutschen Durchschnitt von 20,2 Prozent“, informiert der IHK-Chef.

Die Motive der Unternehmer für ihre Investitionszurückhaltung seien vielfältig. Insbesondere die Energiekosten hätten sich zu einem regelrechten Bremsklotz für Investitionen entwickelt. Gerade jene Branchen, die viel Strom oder Brennstoffe benötigen, würden es deshalb kaum noch wagen, Geld in heimische Standorte zu stecken.

Helmut Peterseim, Geschäftsführender Gesellschafter der Helmut Peterseim Strickwaren GmbH in Mühlhausen, erklärt in diesem Zusammenhang: „Allein in unserem Unternehmen sind die Energiekosten in den letzten drei Jahren um rund 10 Prozent angestiegen, die wir nicht auf das Produkt umlegen konnten! Somit ist die aus oben genannten Gründen schon sehr schwache Ertragslage weiter gesunken. Das nächste größere Problem ist in unserer Branche - für meine Firma - der Mindestlohn, da er im Vergleich zu anderen europäischen Herstellern einen undefinierbar hohen Wettbewerbsnachteil hervorruft.“

Für Bernhard Helbing, Geschäftsführer der TMP Fenster + Türen GmbH in Bad Langensalza und Vorsitzender des IHK-Industrieausschusses, sieht der Weg zu mehr Investitionen so aus: „Gerade in dieser Situation wären Anreize, in Wohnungsbau und Sanierung zu investieren, besonders sinnvoll und effektiv! Denn ein gut durchdachtes und auf seine Wirkung ausgerichtetes steuerliches Anreizmodell für die Gebäudesanierung ist ein unverzichtbares Element der von allen gewollten Energiewende. Unabhängige Experten prognostizieren, dass ein eingesetzter Steuereuro mindestens acht Euro an Investitionen in Deutschland auslöst und wir somit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der ambitionierten Klimaschutzziele leisten. Dann gehört eine solche Debatte schon heute auf die politische Agenda. Die deutschen Spareinlagen müssen schneller und wirksamer in den deutschen wertschöpfenden Prozess einfließen.“
Autor: red

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