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Di, 07:46 Uhr
20.05.2014

nnz-Forum: Kompromisse finden

Der neben dem Maikäfer und dem Marienkäfer wohl mit bekannteste und vor allem größte heimische Käfer wird in den Roten Listen Deutschland und Thüringens als "stark gefährdet" geführt - und kommt im Landkreis Nordhausen vor. Das Foto von einem Hirschkäferweibchen machte ich gestern im östlichen Landkreis. Alte Eichen und noch besser, alte, sich zersetzende Eichenstümpfe und Eichenwurzeln benötigen die Larven des legendären Hirschkäfers für ihre Entwicklung. Gelegentlich nimmt er aber auch andere Laubhölzer an.

Eigentlich, so sollte man meinen, dürfte die Art, deren Männchen sich gelegentlich mit ihren geweihartigen Oberkiefern um ein Weibchen balgen (so genannte Kommentkämpfe), gar nicht so selten geworden sein. - Schließlich verbleiben ja die für den großen Käfer notwendigen Baumstümpfe nach der Baumfällung üblicherweise im Waldboden.

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Das allein jedoch genügt den Ansprüchen der streng geschützten Art leider nicht: Denn unsere heutigen Baumstümpfe sind, entsprechend den heute gültigen Regelungen, praktisch immer Überbleibsel von Winterfällungen. Die im Winter aber vor allem in den Baumwurzeln konzentrierten Gerbstoffe jedoch sorgen dafür, dass ihnen das Absterben bzw. das Zersetzen besonders schwer gemacht wird. Vor allem bestimmte Pilzarten, die für die so genannte Rot- und Weißfäule sorgen, können die baumstammlosen Wurzeln unter dem Gerbstoffeinfluss nur noch oberflächlich besiedeln. Für die Hirschkäferweibchen aber sind solche "nicht richtig" zersetzten Baumwurzeln für eine Eiablage ungeeignet. Die flugfähigen Tiere mit den bis zu 28 befruchteten Eiern suchen in der Folge oft wochenlang vergeblich nach einem geeigneten Substrat und sterben danach ab, ohne die Eier abgelegt zu haben.

Notwendig also wären Sommerfällungen, die jedoch auf Grund des Vogelschutzes in Deutschland verboten sind. Was aber kann noch getan werden, um den dramatischen Rückgang des zur Familie der Schröter zählenden Hirschkäfers aufzuhalten? In Wäldern, in denen die auch nach der FFH-Richtlinie der EU geschützte Art noch zu Hause ist, sollte eine Anzahl Eichen ausgewählt werden, die von der forstwirtschaftlichen Nutzung verschont bleibt und ganz natürlich vergehen kann. Vielleicht sind ja in Hirschkäfersiedlungsgebieten auch Kompromisse dergestalt möglich, dass wenigstens einzelne Eichen auch im Sommer gefällt werden dürfen? Nicht zuletzt sollte darauf Wert gelegt werden, einen gewissen Anteil toten Holzes in unseren Wäldern zuzulassen. Immerhin benötigen die Larven mehrere Jahre für ihre Entwicklung, an deren Ende schließlich der große braune Käfer steht.

Hirschkäferweibchen im Landkreis Nordhausen (Foto: Bodo Schwarzberg) Hirschkäferweibchen im Landkreis Nordhausen (Foto: Bodo Schwarzberg)

Alternativ bieten sich u.a. das Eingraben von starken Eichenstämmen an.

Der Fundort des abgebildeten Hirschkäferweibchens im östlichen Landkreis Nordhausen wird der Unteren Naturschutzbehörde mit der Bitte mitgeteilt, sich in dem betreffenden Waldgebiet für hirschkäfergerechte forstwirtschaftliche Maßnahmen einzusetzen. Diese kommen auch zahlreichen weiteren Insektenarten zugute.

Vielleicht liest ja auch der eine oder andere Waldbesitzer diesen Beitrag und ist bereit, diesem imposanten Käfer zu helfen, seinen Lebenszyklus zu vollenden.

Die bekannte Präsenz des Hirschkäfers in naturnahen Laubwäldern des Landkreises unterstreicht dessen Verantwortung für die Erhaltung einer im Gebiet überdurchschnittlichen biologischen Vielfalt. Bei den anstehenden Wahlen sollte dieses auch für den Menschen letztlich existenzielle Kriterium nicht unberücksichtigt bleiben.

Einige Informationen entnahm ich der Seite http://www.kerbtier.de/Pages/Themenseiten/deHirschkaefer.html, die weitere spannende Details zum Hirschkäfer enthält.
Bodo Schwarzberg

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Autor: red

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