Do, 14:53 Uhr
13.03.2014
War das die Heimat?
Zugegeben, Bücher zu rezensieren, das ist nicht mein Ding. Doch in dieser Woche kam mir ein Buch in die Finger, dass so Außergewöhnlich und doch so Normales in sich birgt, dass ich es an dieser Stelle versuche zu beschreiben...
Kennen Sie Beyern? Wenn nicht, dann ist das auch nicht schlimm. Beyern liegt im Brandenburgischen, könnte aber auch in der Goldenen Aue oder im Mansfeldischen zu finden sein. Eigentlich in jedem Dorf der neuen Bundesländer. Also der damaligen DDR.
Über Beyern gibt es jetzt einen Fotoband, der diesen Namen eigentlich nicht verdient. Herausgegeben vom "ex pose verlag" in Berlin, sind in diesem "Ding" 32 Fotos enthalten, alle schwarz-weiß, alle 16 mal 21 Zentimeter, alle gedruckt auf Munken-Papier. Eingebunden ist dieser kleine Schatz in einen grauen Pappumschlag. Draufgedruckt, auf dem Titel: TANZ. Eigentlich geht der Titel noch weiter: "TANZ, Beyern 1978-1980".
Zu sehen sind Aufnahmen von Thomas Kläber, der Fotograf stammt aus diesem 300-Seelen-Dorf Beyern. Jetzt hat er einen Schatz gehoben und der Öffentlichkeit angeboten. Gezeigt werden Bilder aus der Dorfkneipe. Menschen beim Trinken, beim Skatspielen, beim Erzählen. Bilder, entstanden beim Jugendtanz oder bei der Disko, je nach dem, wer auf der Bühne stand und Musik "machte".
Diese Bilder sind jetzt - rund 33 Jahre später - unverfälschte Dokumente einer bestimmten Zeit, aber nicht nur eines Ortes, nicht nur aus Beyern. Was den Herausgeber einer Online-Zeitung vor allem beeindruckt ist die Tatsache, wie die Fotos entstanden sind. Sie haben nichts gemein mit diesen Millionen von Party-Bildern, die heutzutage durchs Netz schwirren. Der Fotograf - er war einer von denen, die da abgelichtet wurden - war nicht dabei, nein, er war mittendrin. Niemand störte sich daran, niemand achtete auf Thomas Kläber und seine Praktika, niemand schmiss sich deswegen in Pose.
Diese Bilder - nicht gestellt, nicht von einer Partei beauftragt - sind auch ein Spiegelbild des damaligen Lebens. Sie sind selbsterklärend, weil authentisch. Nun mag es auf den Dörfern eher sehr unpolitisch zugegangen sein, von Regimegegner kaum eine Spur. Wegen mir. Aber es war eben so. Vielleicht war es im Jahr 1978 auch in einem oberbayerischen eher unpolitisch?
Ich hätte damals, Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, auch so abgelichtet werden können. Wie Hunderttausende andere auch. So war das Leben damals, so war mein Leben damals. Dieses Büchlein, von dem es nur 365 Exemplare gibt, werde ich nicht hergeben. Es ist ein Dokument einer Vergangenheit, zu der ich einen klitzekleinen Teil beigesteuert habe. Zu einer Vergangenheit, zu der ich stehe, die ich durchaus kritisch sehe, die ich mir aber nicht von anderen Menschen, vor allem nicht jenseits der Elbe aufarbeiten lassen will. Dieses unscheinbare Büchlein hat mich darin bestärkt.
Peter-Stefan Greiner
PS: Für diejenigen, die es versuchen wollen: Bestellt werden kann es online über www.expose-verlag.de
Autor: redKennen Sie Beyern? Wenn nicht, dann ist das auch nicht schlimm. Beyern liegt im Brandenburgischen, könnte aber auch in der Goldenen Aue oder im Mansfeldischen zu finden sein. Eigentlich in jedem Dorf der neuen Bundesländer. Also der damaligen DDR.
Über Beyern gibt es jetzt einen Fotoband, der diesen Namen eigentlich nicht verdient. Herausgegeben vom "ex pose verlag" in Berlin, sind in diesem "Ding" 32 Fotos enthalten, alle schwarz-weiß, alle 16 mal 21 Zentimeter, alle gedruckt auf Munken-Papier. Eingebunden ist dieser kleine Schatz in einen grauen Pappumschlag. Draufgedruckt, auf dem Titel: TANZ. Eigentlich geht der Titel noch weiter: "TANZ, Beyern 1978-1980".
Zu sehen sind Aufnahmen von Thomas Kläber, der Fotograf stammt aus diesem 300-Seelen-Dorf Beyern. Jetzt hat er einen Schatz gehoben und der Öffentlichkeit angeboten. Gezeigt werden Bilder aus der Dorfkneipe. Menschen beim Trinken, beim Skatspielen, beim Erzählen. Bilder, entstanden beim Jugendtanz oder bei der Disko, je nach dem, wer auf der Bühne stand und Musik "machte".
Diese Bilder sind jetzt - rund 33 Jahre später - unverfälschte Dokumente einer bestimmten Zeit, aber nicht nur eines Ortes, nicht nur aus Beyern. Was den Herausgeber einer Online-Zeitung vor allem beeindruckt ist die Tatsache, wie die Fotos entstanden sind. Sie haben nichts gemein mit diesen Millionen von Party-Bildern, die heutzutage durchs Netz schwirren. Der Fotograf - er war einer von denen, die da abgelichtet wurden - war nicht dabei, nein, er war mittendrin. Niemand störte sich daran, niemand achtete auf Thomas Kläber und seine Praktika, niemand schmiss sich deswegen in Pose.
Diese Bilder - nicht gestellt, nicht von einer Partei beauftragt - sind auch ein Spiegelbild des damaligen Lebens. Sie sind selbsterklärend, weil authentisch. Nun mag es auf den Dörfern eher sehr unpolitisch zugegangen sein, von Regimegegner kaum eine Spur. Wegen mir. Aber es war eben so. Vielleicht war es im Jahr 1978 auch in einem oberbayerischen eher unpolitisch?
Ich hätte damals, Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, auch so abgelichtet werden können. Wie Hunderttausende andere auch. So war das Leben damals, so war mein Leben damals. Dieses Büchlein, von dem es nur 365 Exemplare gibt, werde ich nicht hergeben. Es ist ein Dokument einer Vergangenheit, zu der ich einen klitzekleinen Teil beigesteuert habe. Zu einer Vergangenheit, zu der ich stehe, die ich durchaus kritisch sehe, die ich mir aber nicht von anderen Menschen, vor allem nicht jenseits der Elbe aufarbeiten lassen will. Dieses unscheinbare Büchlein hat mich darin bestärkt.
Peter-Stefan Greiner
PS: Für diejenigen, die es versuchen wollen: Bestellt werden kann es online über www.expose-verlag.de


