Mi, 08:33 Uhr
05.06.2013
Nässe, Kälte, Schwalbentod
Endlich wieder Sonnenschein. Nässe, Kälte, Hochwasser. Das hundsgemeine Wetter im Frühjahr ging nicht nur den Menschen an die Substanz. Für Insekten fressende Vögel konnte es sogar den Tod bedeuten. Ein Bericht von Kurt Frank...
Schwalben sind Insektenjäger. Fliegen und Mücken bilden die Hauptnahrung. Diese fehlten in den nasskalten Wetter der letzten Wochen. Etliche Schwalbenbruten verhungerten, hat Vogelkundler Wilhelm Roth festgestellt. Seine Forschungen, unter anderem im Südharz, trugen zur Erstellung eines deutschlandweiten Vogelatlasses bei.
Die gefiederten Frühlingsboten sind ohnehin selten geworden. In früheren Zeiten sahen die Menschen in ihnen Glücksbringer, hielten Ställe und Scheunen offen, boten ihnen Platz für Nistmöglichkeiten. Aus Ställen und Scheunen wurden Garagen, Waschküchen, Wohnungen. Schwalben unterm Dachfirst möchte auch nicht jeder Hausbesitzer oder Vermieter. Auch die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) wollte das nicht.
Sie brachte seinerzeit an den Gebäuden im Bochumer Hof der Kreisstadt Vergrämungsgitter an. Jahrelang brütete dort eine Kolonie Mehlschwalben. Mit etwa 30 Brutpaaren dieser geselligen Vögel war sie die größte Ansiedlung in der Stadt. Die Sache wurde öffentlich. Wer großflächig Schwalbennester zerstört oder sie verdrahtet, missachte grob das Naturschutzgesetz zur Erhaltung der Art, brachte sich die Naturschutzbehörde des Landkreises in Position.
Die WBG leistete Wiedergutmachung und spendete 600 Euro für stabile Kunstnester. Umsichtig handelte man bei Sanierungen am Gebäude Altentor/ Ecke Schärfgasse. Sechs Mehlschwalben-Nester mussten weichen. Heute befindet sich dort die gleiche Anzahl künstlicher Nisthilfen.
Nur etwa 40 Prozent des Schwalben-Bestandes vergangener Jahre fanden aus südlichen Gefilden in diesem Frühjahr in den Südharz zurück, hat man beobachtet. Die größte Vogelfanganlage der Welt, sie sich seit etwa zwei Jahren in Ägypten auf einer Länge von 700 Kilometern befindet (nnz berichtete) und der lange Winter haben daran ihren Anteil. Gute Jahre tragen zur Erholung bei, betonen Ornithologen.
2013 ist das anders. Viele Jungvögel der ersten Brut brachten die Eltern nicht durch. Wilhelm Roth hofft jetzt auf erfolgreiche zweite Bruten. Was wird hierzulande für die Erhaltung der Art getan? Die Nordhäuser Ornithologen mit Manfred Wagner sind zweifellos rührige Leute. Die Aktion Offene Kirchtürme für Turmfalken, Eulen und Dohlen zeitigte Erfolge. Herbert Buchholz aus Ilfeld fertigt seit Jahren Nisthilfen für die Wasseramsel. Für Schwalben findet sich leider derzeit kein einziger sogenannter Schwalbenturm, jedem Ornithologen ein Begriff.
Und die großen Vermieter Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) und Wohnungsbaugenossenschaft (WBG)? Da wird saniert, verschönert, werden Ritzen und Löcher verschmiert. Das alles ist auch erforderlich. Wo aber werden generell als Ausgleich als Ersatz Brutmöglichkeiten dort geschaffen, wo Kot-Wurf der zwitschernden Gesellen niemanden stört? Die SWG verweist auf Brutkästen für Mauersegler in der Bahnhofstraße nach einer Sanierung. Könnten beide Großvermieter dennoch nicht noch mehr tun? Nicht nur die Vogelfreunde meinen: Ja!
Kurt Frank
Autor: redSchwalben sind Insektenjäger. Fliegen und Mücken bilden die Hauptnahrung. Diese fehlten in den nasskalten Wetter der letzten Wochen. Etliche Schwalbenbruten verhungerten, hat Vogelkundler Wilhelm Roth festgestellt. Seine Forschungen, unter anderem im Südharz, trugen zur Erstellung eines deutschlandweiten Vogelatlasses bei.
Die gefiederten Frühlingsboten sind ohnehin selten geworden. In früheren Zeiten sahen die Menschen in ihnen Glücksbringer, hielten Ställe und Scheunen offen, boten ihnen Platz für Nistmöglichkeiten. Aus Ställen und Scheunen wurden Garagen, Waschküchen, Wohnungen. Schwalben unterm Dachfirst möchte auch nicht jeder Hausbesitzer oder Vermieter. Auch die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) wollte das nicht.
Sie brachte seinerzeit an den Gebäuden im Bochumer Hof der Kreisstadt Vergrämungsgitter an. Jahrelang brütete dort eine Kolonie Mehlschwalben. Mit etwa 30 Brutpaaren dieser geselligen Vögel war sie die größte Ansiedlung in der Stadt. Die Sache wurde öffentlich. Wer großflächig Schwalbennester zerstört oder sie verdrahtet, missachte grob das Naturschutzgesetz zur Erhaltung der Art, brachte sich die Naturschutzbehörde des Landkreises in Position.
Die WBG leistete Wiedergutmachung und spendete 600 Euro für stabile Kunstnester. Umsichtig handelte man bei Sanierungen am Gebäude Altentor/ Ecke Schärfgasse. Sechs Mehlschwalben-Nester mussten weichen. Heute befindet sich dort die gleiche Anzahl künstlicher Nisthilfen.
Nur etwa 40 Prozent des Schwalben-Bestandes vergangener Jahre fanden aus südlichen Gefilden in diesem Frühjahr in den Südharz zurück, hat man beobachtet. Die größte Vogelfanganlage der Welt, sie sich seit etwa zwei Jahren in Ägypten auf einer Länge von 700 Kilometern befindet (nnz berichtete) und der lange Winter haben daran ihren Anteil. Gute Jahre tragen zur Erholung bei, betonen Ornithologen.
2013 ist das anders. Viele Jungvögel der ersten Brut brachten die Eltern nicht durch. Wilhelm Roth hofft jetzt auf erfolgreiche zweite Bruten. Was wird hierzulande für die Erhaltung der Art getan? Die Nordhäuser Ornithologen mit Manfred Wagner sind zweifellos rührige Leute. Die Aktion Offene Kirchtürme für Turmfalken, Eulen und Dohlen zeitigte Erfolge. Herbert Buchholz aus Ilfeld fertigt seit Jahren Nisthilfen für die Wasseramsel. Für Schwalben findet sich leider derzeit kein einziger sogenannter Schwalbenturm, jedem Ornithologen ein Begriff.
Und die großen Vermieter Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) und Wohnungsbaugenossenschaft (WBG)? Da wird saniert, verschönert, werden Ritzen und Löcher verschmiert. Das alles ist auch erforderlich. Wo aber werden generell als Ausgleich als Ersatz Brutmöglichkeiten dort geschaffen, wo Kot-Wurf der zwitschernden Gesellen niemanden stört? Die SWG verweist auf Brutkästen für Mauersegler in der Bahnhofstraße nach einer Sanierung. Könnten beide Großvermieter dennoch nicht noch mehr tun? Nicht nur die Vogelfreunde meinen: Ja!
Kurt Frank



