Fr, 13:57 Uhr
14.12.2012
nnz-Forum: Kritik an Primas
Schon einmal hat die Politik die Zerstörung unserer Landschaft vorangetrieben, und zwar kurz nach der Wende, als sie einzigartige Teile der Karstlandschaft unter zwielichtigen Verhältnissen an die Industrie verscherbelte - mit der Folge sich ausweitender Steinbrüche und immer neuer Abbauanträge. Das meint nnz-Leser Bodo Schwarzberg...
Es wäre also an der Zeit, den angerichteten Schaden ein wenig auszugleichen, statt einen Papieriger, wie durch Herrn Primas geschehen, den Naturpark, als Krone eines zukunftsweisenden Naturschutzes herauszuheben.
Wie kommen Sie denn dazu, zu behaupten, in der Region fände sich für ein Biosphärenreservat keine Mehrheit? Im sachsen-anhaltischen Südharz hat es doch geklappt?
Sie bezeichnen sich als Umweltexperte, treten aber nicht für die Umwelt und nicht für die positive wirtschaftlich-nachhaltige Entwicklung unserer Region ein, sonst hätten Sie anders argumentiert. Kraft Ihres Amtes müssten Sie die Vorzüge eines Biosphärenreservates herausstellen, statt von vornherein zu sagen, es stoße überwiegend auf Ablehnung.
Dann müssten Sie versuchen, eventuelle Kritiker zu überzeugen, statt deren angeblich negative Haltung als von vornherein gegeben hinzustellen. Woher überhaupt nehmen Sie die Behauptung, das Reservat hätte keine Chance? Haben Sie jemals der Bevölkerung gesagt, was ein Biosphärenreservat überhaupt ist, wie es aufgebaut ist und welche Möglichkeiten es bietet? Haben Sie mitgeholfen, die vielen bestehenden Unklarheiten und Unwissenheiten in der Öffentlichkeit zu beseitigen?
Oder nutzen sie jetzt genau diese Unklarheiten aus, um leichter "No" sagen zu können? Hat sich die Landesregierung entsprechend der Koalitionsvereinbarung überhaupt eingehend mit dem Thema beschäftigt?
Und haben Sie sich als "Umweltexperte" schon einmal mit den eindeutig positiven Auswirkungen des übrigens länderübergreifenden BR in der Rhön auseinandergesetzt, und mit den ebenso positiven des BR Mittlere Elbe? Ungefähr 2010 stellte ein Kenner des BR Rhön in Niedersachwerfen (Martin Görner) die positive Entwicklung der Region in Südthüringen als Folge der Ausweisung des BR heraus. Wo waren Sie damals Herr Primas?
Aber auch sonst fehlt mir in Ihrer Wortmeldung jegliche Kenntnis der wahren Zusammenhänge. Wenn in dem Beitrag sinngemäß steht, der Naturpark würde einen positiven Beitrag zum Naturschutz leisten, so muss das nach meinen derzeitigen Erfahrungen schon fast als Lüge bezeichnet werden: Keine müde Mark dürfte dem NP für entsprechende, wirklich wirksame Maßnahmen zur Verfügung stehen.
Gerade beantragen der LPV und ich auf meine Initiative hin bei Landesbehörden ein Projekt, das sich der Pflege von rund zwei Dutzend Standorten bedrohter Pflanzenarten widmen soll. Die Bürokratie aber, sehr geehrter Herr Primas, für die Sie und Ihre anderen von uns Steuerzahlern finanzierten Politikerkollegen die Verantwortung tragen, sorgt für eine immer weitere Verschiebung des VORAUSSICHTLICHEN Projektbeginns. Das aber steht im Widerspruch zu den immer weiter und immer schneller voranschreitenden Artenrückgängen draußen.
Für den von Ihnen so gepriesenen Naturpark gab es auch keine Analyse des beklagenswerten Ist-Zustandes (ich verweise hier z.B. auf das Gutachten des Büros RANA zum FFH-Gebiet Nr. 4). Diese wäre aber eine Grundvoraussetzung, um überhaupt sagen zu können, was in Zukunft auf dem Gebiet des Artenschutzes erreicht werden soll. Nichts dergleichen aber wurde bei den Zusammenkünften zum Naturpark besprochen. Damit sind Ihre Äußerung zu den positiven Wirkungen des NP auf den Artenschutz abermals als halbherzig entlarft.
Die vielen negativen Entwicklungen bleiben ungenannt. Feierliche, kritiklose Worte wie zu einem SED-Parteitag auch zur Vorstellung des so genannten Naturparkplans am 14.11. - Die Realität aber ist eine ganz andere.
Unzählige Quadratmeter von Trocken- und Halbtrockenrasen fielen seit der Wende der Devastierung zum Opfer. Mit den Formulierungen im Naturparkplan bzw. anlässlich dessen Vorstellung in Sophienhof am 14.11.12 verschleiert man die schlimme Situation, die mit massiven Rückgängen bei bedrohten Arten einhergeht.
Schon fast wütend macht mich Ihre Äußerung zum Naturschutz im Naturpark auch deswegen, weil das Land nach wie vor keinerlei Anstalten macht, INITIATIVE für den Artenschutz zu ergreifen.
Im Gegenteil: Verschiedene Landschaftspflegeprogramme wurden finanziell gestutzt, was das Zeug hält! Mehrere geplante Naturschutzgebiete wurden nicht ausgewiesen.
Fast alles, sehr geehrter Herr Primas, was an konkreten Artenschutzmaßnahmen im Landkreis läuft, beruht auf der Initiative Einzelner, nicht aber auf dem Einsatz von Ihnen und Ihren Politikerkollegen. Sich hinzustellen, und zu behaupten, mit Ausweisung des Naturparks gäbe es nun eine positive Entwicklung im Natur- und Artenschutz, klingt in den Ohren eines seit Jahren ehrenamtlich tätigen Naturschützers wie Hohn. Denn fast ausschließlich uns wenigen ist diese zumindest punktuell stattfindende positive Entwicklung zu verdanken, nicht den Papiermachern vom Naturparkplan und schon gar nicht der Politik. Unterstützung von Ihnen und anderen "Erfurtern" - Fehlanzeige.
Und das, obwohl wir Botaniker seit Jahren Daten gesammelt haben: Für die Flora von Thüringen, für die Roten Listen und für einen Verbreitungsatlas. Die Daten sind also vorhanden, sehr geehrter Herr Primas. Aber konkrete Initiativen von Ihnen oder Ihrem Minister suche ich hier vergebens. Es klafft eine gähnende Lücke zwischen der Verlautbarungen z.B. von Herrn Reinholz und der Realität des konreten Artenschutzes.
Wo also im Botanischen Artenschutz hier in der Region bemüht sich denn das Land Thüringen z.B. um die Umsetzung der bundesdeutschen oder Thüringer Biodiversitätsstrategie? Können Sie mir ein konkretes Beispiel nennen, für eine Art und einen konreten Standort hier im Naturpark?
Einheit von Wort und Tat - Fehlanzeige! Längst entgleitet der Politik der Naturschutz. Ganz in diesem Sinne stellte sich Herr Reinholz bei der Vorstellung der neuen Roten Listen hin und verkündete vollmundig, bis 2020 sollte die Zahl der vom Aussterben bedrohten Arten halbiert werden. Die vielen stark gefährdeten und gefährdeten Arten (Rote-Liste-Kategorien 2 und 3)ließ er gleich unter den Tisch fallen. Ein beschämendes Armutszeugnis für einen Umweltminister und ein Offenbarungseid für eine auf ganzer Linie gescheiterte Naturschutzpolitik.
Und in diese gesamte desaströse Entwicklung, die nichts anderes produziert, als oberflächliche Floskeln seitens der Politik, bringen sie nun noch eine dazu passende "zukunftsweisende" Äußerung ein, Herr Primas: Dass Sie sich gegen ein Biosphärenreservat im Türinger Südharz und damit gegen den international anerkannten Schutz einer weltweit einmaligen Landschaft und Region wenden!
Aber auch die jetzige Regierung wird irgendwan abtreten. Die Chancen für ein Biosphärenreservat bleiben.
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Autor: nnzEs wäre also an der Zeit, den angerichteten Schaden ein wenig auszugleichen, statt einen Papieriger, wie durch Herrn Primas geschehen, den Naturpark, als Krone eines zukunftsweisenden Naturschutzes herauszuheben.
Wie kommen Sie denn dazu, zu behaupten, in der Region fände sich für ein Biosphärenreservat keine Mehrheit? Im sachsen-anhaltischen Südharz hat es doch geklappt?
Sie bezeichnen sich als Umweltexperte, treten aber nicht für die Umwelt und nicht für die positive wirtschaftlich-nachhaltige Entwicklung unserer Region ein, sonst hätten Sie anders argumentiert. Kraft Ihres Amtes müssten Sie die Vorzüge eines Biosphärenreservates herausstellen, statt von vornherein zu sagen, es stoße überwiegend auf Ablehnung.
Dann müssten Sie versuchen, eventuelle Kritiker zu überzeugen, statt deren angeblich negative Haltung als von vornherein gegeben hinzustellen. Woher überhaupt nehmen Sie die Behauptung, das Reservat hätte keine Chance? Haben Sie jemals der Bevölkerung gesagt, was ein Biosphärenreservat überhaupt ist, wie es aufgebaut ist und welche Möglichkeiten es bietet? Haben Sie mitgeholfen, die vielen bestehenden Unklarheiten und Unwissenheiten in der Öffentlichkeit zu beseitigen?
Oder nutzen sie jetzt genau diese Unklarheiten aus, um leichter "No" sagen zu können? Hat sich die Landesregierung entsprechend der Koalitionsvereinbarung überhaupt eingehend mit dem Thema beschäftigt?
Und haben Sie sich als "Umweltexperte" schon einmal mit den eindeutig positiven Auswirkungen des übrigens länderübergreifenden BR in der Rhön auseinandergesetzt, und mit den ebenso positiven des BR Mittlere Elbe? Ungefähr 2010 stellte ein Kenner des BR Rhön in Niedersachwerfen (Martin Görner) die positive Entwicklung der Region in Südthüringen als Folge der Ausweisung des BR heraus. Wo waren Sie damals Herr Primas?
Aber auch sonst fehlt mir in Ihrer Wortmeldung jegliche Kenntnis der wahren Zusammenhänge. Wenn in dem Beitrag sinngemäß steht, der Naturpark würde einen positiven Beitrag zum Naturschutz leisten, so muss das nach meinen derzeitigen Erfahrungen schon fast als Lüge bezeichnet werden: Keine müde Mark dürfte dem NP für entsprechende, wirklich wirksame Maßnahmen zur Verfügung stehen.
Gerade beantragen der LPV und ich auf meine Initiative hin bei Landesbehörden ein Projekt, das sich der Pflege von rund zwei Dutzend Standorten bedrohter Pflanzenarten widmen soll. Die Bürokratie aber, sehr geehrter Herr Primas, für die Sie und Ihre anderen von uns Steuerzahlern finanzierten Politikerkollegen die Verantwortung tragen, sorgt für eine immer weitere Verschiebung des VORAUSSICHTLICHEN Projektbeginns. Das aber steht im Widerspruch zu den immer weiter und immer schneller voranschreitenden Artenrückgängen draußen.
Für den von Ihnen so gepriesenen Naturpark gab es auch keine Analyse des beklagenswerten Ist-Zustandes (ich verweise hier z.B. auf das Gutachten des Büros RANA zum FFH-Gebiet Nr. 4). Diese wäre aber eine Grundvoraussetzung, um überhaupt sagen zu können, was in Zukunft auf dem Gebiet des Artenschutzes erreicht werden soll. Nichts dergleichen aber wurde bei den Zusammenkünften zum Naturpark besprochen. Damit sind Ihre Äußerung zu den positiven Wirkungen des NP auf den Artenschutz abermals als halbherzig entlarft.
Die vielen negativen Entwicklungen bleiben ungenannt. Feierliche, kritiklose Worte wie zu einem SED-Parteitag auch zur Vorstellung des so genannten Naturparkplans am 14.11. - Die Realität aber ist eine ganz andere.
Unzählige Quadratmeter von Trocken- und Halbtrockenrasen fielen seit der Wende der Devastierung zum Opfer. Mit den Formulierungen im Naturparkplan bzw. anlässlich dessen Vorstellung in Sophienhof am 14.11.12 verschleiert man die schlimme Situation, die mit massiven Rückgängen bei bedrohten Arten einhergeht.
Schon fast wütend macht mich Ihre Äußerung zum Naturschutz im Naturpark auch deswegen, weil das Land nach wie vor keinerlei Anstalten macht, INITIATIVE für den Artenschutz zu ergreifen.
Im Gegenteil: Verschiedene Landschaftspflegeprogramme wurden finanziell gestutzt, was das Zeug hält! Mehrere geplante Naturschutzgebiete wurden nicht ausgewiesen.
Fast alles, sehr geehrter Herr Primas, was an konkreten Artenschutzmaßnahmen im Landkreis läuft, beruht auf der Initiative Einzelner, nicht aber auf dem Einsatz von Ihnen und Ihren Politikerkollegen. Sich hinzustellen, und zu behaupten, mit Ausweisung des Naturparks gäbe es nun eine positive Entwicklung im Natur- und Artenschutz, klingt in den Ohren eines seit Jahren ehrenamtlich tätigen Naturschützers wie Hohn. Denn fast ausschließlich uns wenigen ist diese zumindest punktuell stattfindende positive Entwicklung zu verdanken, nicht den Papiermachern vom Naturparkplan und schon gar nicht der Politik. Unterstützung von Ihnen und anderen "Erfurtern" - Fehlanzeige.
Und das, obwohl wir Botaniker seit Jahren Daten gesammelt haben: Für die Flora von Thüringen, für die Roten Listen und für einen Verbreitungsatlas. Die Daten sind also vorhanden, sehr geehrter Herr Primas. Aber konkrete Initiativen von Ihnen oder Ihrem Minister suche ich hier vergebens. Es klafft eine gähnende Lücke zwischen der Verlautbarungen z.B. von Herrn Reinholz und der Realität des konreten Artenschutzes.
Wo also im Botanischen Artenschutz hier in der Region bemüht sich denn das Land Thüringen z.B. um die Umsetzung der bundesdeutschen oder Thüringer Biodiversitätsstrategie? Können Sie mir ein konkretes Beispiel nennen, für eine Art und einen konreten Standort hier im Naturpark?
Einheit von Wort und Tat - Fehlanzeige! Längst entgleitet der Politik der Naturschutz. Ganz in diesem Sinne stellte sich Herr Reinholz bei der Vorstellung der neuen Roten Listen hin und verkündete vollmundig, bis 2020 sollte die Zahl der vom Aussterben bedrohten Arten halbiert werden. Die vielen stark gefährdeten und gefährdeten Arten (Rote-Liste-Kategorien 2 und 3)ließ er gleich unter den Tisch fallen. Ein beschämendes Armutszeugnis für einen Umweltminister und ein Offenbarungseid für eine auf ganzer Linie gescheiterte Naturschutzpolitik.
Und in diese gesamte desaströse Entwicklung, die nichts anderes produziert, als oberflächliche Floskeln seitens der Politik, bringen sie nun noch eine dazu passende "zukunftsweisende" Äußerung ein, Herr Primas: Dass Sie sich gegen ein Biosphärenreservat im Türinger Südharz und damit gegen den international anerkannten Schutz einer weltweit einmaligen Landschaft und Region wenden!
Aber auch die jetzige Regierung wird irgendwan abtreten. Die Chancen für ein Biosphärenreservat bleiben.
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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