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Fr, 11:19 Uhr
12.10.2012

Zu niedrige Umsätze

Im Thüringer Hotel- und Gaststättengewerbe dominieren kleine Betriebe und geringe Umsätze: An dieser Tatsache hat sich nach einer aktuellen Analyse des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) seit 1998 – der letzten derartigen Erhebung – wenig geändert. Und das wiederum bringt Probleme mit sich...


Laut dem „Betriebsvergleich Gastgewerbe Thüringen“ erwirtschaften 95 Prozent der Unternehmen weniger als 500.000 Euro pro Jahr. Hinzu kommt: Die Zahl der Betriebe ist seit 2005 um 8,8 Prozent zurückgegangen – der Umsatz sank im selben Zeitraum um durchschnittlich ein Prozent pro Jahr.

„Wir beobachten derzeit eine gewisse Marktanpassung, aber die Umsatz- und Gewinnsituation der Betriebe im Gastgewerbe ist weiterhin nicht zufriedenstellend“, interpretiert Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig die Zahlen. Die Kleinteiligkeit der Branche verringere die Investitions- und Innovationsfähigkeit der Betriebe. „Das hat letztlich negative Konsequenzen für die touristische Qualität und Angebotsvielfalt“, so der Minister. So sei es bedenklich, dass die Zahl der Vier- und Fünf-Sterne-Betriebe in Thüringen noch immer deutlich unter dem Bundesschnitt liegt. Immerhin: Der durchschnittliche Umsatz pro Betrieb ist seit 2005 von 140.000 auf 154.400 Euro pro Jahr gestiegen – liegt aber immer noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 272.700 Euro.
Grafik (Foto: DEHOGA)
Grafik (Foto: DEHOGA)
Grafik (Foto: DEHOGA)
In Auftrag gegeben wurde die Studie vom DEHOGA Thüringen. Dessen Geschäftsführer Dirk Ellinger macht vor allem die Verschärfung des touristischen Wettbewerbs insgesamt, steigende Betriebskosten, aber auch geringe Investitionsspielräume für die unbefriedigende Umsatz- und Wettbewerbssituation im Thüringer Gastgewerbe verantwortlich. „Kostensteigerungen können oft nicht auf den Preis umgelegt werden und gehen damit zu Lasten der Finanzkraft des Unternehmens“, so Ellinger. Die Folge: „Viele, vor allem inhabergeführte Betriebe sind kaum in der Lage, eine sichere Existenzgrundlage für den Unternehmer und seine Familienangehörigen zu erwirtschaften.“

Für die dwif-Betriebsanalyse wurden Ende 2011 rund 200 Unternehmen des Hotel- und Gastgewerbes nach ihrer Betriebs- und Personalsituation, nach Angeboten, Kapazitätsauslastung und Investitionstätigkeit befragt. Ende Oktober sollen die Ergebnisse auch in Form eines Handbuchs vorliegen. Die Kosten der Studie belaufen sich auf 63.000 Euro, zu den Projektförderern gehören das Thüringer Wirtschaftsministerium, die Thüringer Aufbaubank, die Sparkasse Mittelthüringen und die Bürgschaftsbank Thüringen.

„Das Thüringer Gastgewerbe muss mehr in sein Wachstum und in innovative Angebote investieren“, zieht Wirtschaftsminister Machnig die Konsequenz aus den dwif-Zahlen. „Die Spirale ‚geringe Umsätze – geringe Investitionen – geringe Umsätze’ muss durchbrochen werden.“ Das Wirtschaftsministerium hat deshalb im Jahr 2011 – mit Start der Landestourismuskonzeption – eine Investitions- und Qualitätsoffensive für die Tourismusbranche gestartet.
  • Dazu waren im Förderprogramm Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) die Konditionen für das Tourismusgewerbe verbessert und ein auf die Branche zugeschnittenes Zuschlagsystem entwickelt worden.
  • Zudem werden regelmäßige Informationsveranstaltungen zu den Förderprogrammen in allen Landesteilen durchgeführt.
  • Bei der TTG wurde eine Weiterbildungsplattform installiert,
  • in Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen startete die Fremdspracheninitiative „Englisch im Tourismus“.
  • Fortgesetzt wird auch das erfolgreiche Qualitätssiegel „Q“, das vom DEHOGA Thüringen vergeben und vom Wirtschaftsministerium mit jährlich rund 30.000 Euro unterstützt wird.
Erste Erfolge sind sichtbar: Bereits 2011 zog die Investitionstätigkeit im Beherbergungsgewerbe auf einen neuen Höchststand an: So wurden für insgesamt 14 Projekte mit einem Investitionsvolumen von 21,6 Millionen Euro Zuschüsse von 6,5 Millionen Euro bewilligt. 2012 wurde für bisher vier Projekte mit einem Investitionsvolumen von 34,2 Millionen Euro Förderung in Höhe von 12,6 Millionen Euro zugesagt. Weitere sieben Hotel-Projekte wurden bereits für förderwürdig befunden.

Allerdings müsse die geschaffene Qualität dem Gast auch besser vermittelt werden. „Thüringen verkauft sich touristisch derzeit noch unter Wert“, sagte Machnig. „Wenn wir das ändern wollen, müssen wir den Hebel bei Investitionen, Qualität und Imagebildung ansetzen. Dieser Prozess ist angelaufen – aber wir sind noch längst nicht am Ziel.“
Autor: red

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