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Di, 11:31 Uhr
11.09.2012

Felixmüller und Burghart im Kunsthaus (II. Teil)

Im II. Teil wird aus der aktuellen Ausstellung im Kunsthaus Meyenburg, die noch bis zum 16. September dauert, der Künstler Toni Burghart (1928-2008) aus Nürnberg mit seinem Farbsiebdruck „Albrecht Dürer selbst – Portrait zum Dürerjahr 1971“ vorgestellt...

Ausstellung im Kunsthaus (Foto: H. Kneffel) Ausstellung im Kunsthaus (Foto: H. Kneffel)

Die größte Ausstellung Dürers (1471-1528) in Deutschland seit 40 Jahren fand erst kürzlich am 2. September 2012 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ihr Ende. 120 Werke des Meisters waren unter dem Titel „Der frühe Dürer“ versammelt. Mehr als 280.000 Besucher sahen die Bilderschau, die in ihren letzten Tagen Wartezeiten von bis zu 5 Stunden aufwies.

Kunsthaus Meyenburg vom Park aus (Foto: H. Kneffel) Kunsthaus Meyenburg vom Park aus (Foto: H. Kneffel) Die Ausstellungsgestalter, die die Zeit des frühen Dürers in den Mittelpunkt stellten, hätten gern auch die drei berühmtesten Selbstbildnisse des Renaissancemeisters gezeigt, auf denen er 22, 26, und 28 Jahre ist, aber weder der Louvre in Paris, noch der Prado in Madrid, noch die Alte Pinakothek in München liehen sie aus konservatorischen Gründen aus. Deshalb hingen sie als Reproduktionen in der Ausstellung.

Die Farbgrafik von Toni Burghart, die im Kunsthaus zur Zeit noch anzusehen ist, stammt aus dem Jahr, als man in Deutschland den 500. Geburtstag Dürers feierte und mehrere Künstler Werke schufen, die sich auf Arbeiten Dürers bezogen. Burghart wählte dessen „Selbstbildnis mit Landschaft“ von 1498. Rechts auf dem Ölbild hat man den Blick aus dem Fenster auf die Alpen. Darunter hat der Maler geschrieben: „Das malt Ich nach meiner gestalt / Ich war sex und zwenzig Jor alt / Albrecht Dürer.“ Darunter setzte er sein bekanntes Monogramm des großen A, das ein großes D überdacht.

Burghart hat auf seinem Bild den Fensterausblick weggelassen, das Monogramm gewandelt in A und darunter B. Die Glock-Grabe-Stiftung besitzt die Farbgrafik Nr. 88 von 100. Vom Originalgemälde übernimmt Burghardt das Dreiviertelprofil des Dargestellten, die auffällige schwarz-weiß gestreifte Kopfbedeckung, das bis auf die Schulter fallende Haar, die Barttracht mit Oberlippenbart und Kinnbart. Er unternimmt nicht den Versuch, jede einzelne Locke der goldfarbenen Haarpracht des Originals darzustellen oder jedes Haar des Bartes – er formt daraus eine zusammenhängende rotbraune Fläche, so, wie es in der Popart, der er angehört, üblich ist.

Diese Haarfrisur des jungen Dürer war ja Vorbild für so manchen jungen Mann um 1970, denken wir an die Band Led Zeppelin und an Günther Netzer. Dürer zeigt auf seinem Ölbild seinen gesamten Oberkörper einschließlich der Arme, das unterbleibt in der Darstellung von 1971. Trotzdem weiß der Dürerkenner, welches Selbstbildnis als Vorbild diente, weil Burghardt das Typische dargestellt hat. Selbstbewußt kritisch schaut der Abgebildete auf beiden Darstellungen. Denn Dürer sah sich nicht als Kunsthandwerker, wie das damals in Deutschland noch weitgehend üblich war, sondern als Künstler, der dem angesehenen Bürger gleichgestellt war. 1494/95 war er in Italien gewesen und hatte erlebt, welche Achtung die Maler, Plastiker und Architekten dort besaßen.

Toni Burghart wurde 1928 in Nürnberg geboren, ließ sich dort zum Lithografen und Grafiker ausbilden und studierte dann an der Akademie der Bildenden Künste. Danach war er freischaffender Maler und Grafiker in seiner Heimatstadt, der auch Texte verfasste. Mit Einzelausstellungen war er in Nürnberg, Stuttgart, Barcelona und London vertreten und illuminierte 2002 im Rahmen der Blauen Nacht die Nürnberger Kaiserburg. Seine plakativen, farbenfrohen, ironischen und zeitkritischen Bildfindungen haben die fränkische Kunstszene belebt. Sein ironisierender Umgang mit Albrecht Dürer, mit der Nürnberger Burg oder mit der deutschen Vergangenheit hat ihn bekannt gemacht.

Dürers Hase zum Beispiel hat er in einem lustigen Farbenspiel dargestellt und das Selbstbildnis von 1500, auf dem Dürer frontal zu sehen ist, wieder in voller Haarpracht und mit einem Matel bekleidet, den ein Pelzbesatz ziert, hat ihn zu mehreren Interpretationen veranlasst, die ihm einige übelnahmen. Das eine Mal besteht das Gesicht aus einem Lebkuchen, ein anderes Mal ähnelt die Halbfigur einem Jagdhund, dessen lange Ohren die Haare symbolisieren. Als er 2008 starb, hieß es in der Traueranzeige der Stadt Nürnberg: „Herr Toni Burghart, einer der bekanntesten Nürnberger Künstler der Gegenwart, hat sich bleibende Verdienste um die Stadt und Bürgerschaft erworben.“
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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